Artikel erschienen am 20.06.2015
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Hüftprothesenlockerung, wie viele Wechsel sind möglich?

Der Operateur sollte über große Erfahrung verfügen

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig

Eine der Hauptkomplikationen der endoprothetischen Versorgung des Hüftgelenkes ist die Lockerung der Prothese. Nahezu jede Prothese lockert sich, lediglich die Zeit bis zur Lockerung ist variabel. Bei stetig zunehmender Rate an Prothesen­implantationen pro Jahr und immer jünger werdenden Patienten zum Zeitpunkt des Erst­einbaus, steigt die Rate der Prothesen­wechsel­operationen kontinuierlich. In einer ortho­pädischen Fachklinik liegt die Rate der Wechseloperationen momentan etwa bei 15 %.

Ursächlich für die Lockerung der Prothese ist einerseits die Tatsache, dass der Knochen, in dem die Prothese verankert wird, sich kontinuierlich ändert und meistens einem gewissen Abbau unterliegt, zum anderen die Tatsache, dass aufgrund der unter­schiedlichen Materialien Abrieb besteht, welcher an sich eine entzündliche Veränderung bewirkt, die dann auch zur Lockerung der Prothese führen kann. Je nach zuvor gewähltem Verfahren der endo­prothetischen Versorgung, steht mehr oder weniger Knochen zur Verankerung der nächsten Prothese zur Verfügung. Der Patient, der über viele Jahre beschwerde­frei mit seinem künstlichen Hüftgelenk laufen konnte, und plötzlich nach 10 oder 15 Jahren Schmerzen in der Hüfte bemerkt, sollte eine konsequente fach­orthopädische Abklärung durchführen lassen, um eine mögliche Lockerung festzustellen. Im Falle einer nachgewiesenen Lockerung (Abb. 1) ist eine zügige Wechsel­operation ratsam, da gelockerte Implantate eine Relativ­bewegung zum Knochen aufweisen und diesen dadurch zerstören können. Im Rahmen einer Wechsel­operation wird üblicherweise nur der gelockerte Anteil der Prothese, sei es die Hüft­pfanne oder der Hüftschaft, oder falls sich beides gelockert hat, auch beides gewechselt (Abb. 2).

Abb. 1: gelockerte Prothese
Abb. 2: gewechselte Prothese (modularer Scaft)

Die Art der Wechsel­operation ist somit eindeutig bestimmt durch den bestehenden Knochen­verlust. Wurde im Rahmen der Erst­operation sorg­fältig gearbeitet, sinn­voller­weise ein zement­freies kleines Implantat verwendet und nicht zu viel Knochen­zement, so ist üblicherweise mit einer sog. Gerad­schaft­prothese eine Wechsel­operation durch­führbar.

Die aktuelle Literatur belegt eindeutig den Vorteil der zement­freien Wechsel­operation. Während eine Primärprothese noch gut mit Knochenzement, insbes. beim älteren Patienten verankert werden kann, so sollte in der Wechseloperation auf eine zementierte Verankerung verzichtet werden, da sich diese Prothesen schneller lockern. Aus diesem Grunde wird man sich, sofern man über ein entsprechendes Know-how verfügt, zu einem zementfreien Wechsel entschließen. Im Pfannenbereich können neben den normal verwendeten Hüftpfannen sog. Abstützschalen verwendet werden, die einen Wiederaufbau der Hüftpfanne ermöglichen. Eine Klinik, die Wechseloperationen durchführt, sollte neben einer großen Erfahrung bei diesen Operationen und einer entsprechenden Fallzahl pro Jahr über eine adäquate Ausstattung des OPs sowohl mit Instrumenten als auch mit Implantaten verfügen. Des Weiteren ist zum Aufbau der knöchernen Defekte eine Knochenbank unverzichtbar.

Im Schaft­bereich sind derzeit als goldener Standard sog. modulare Wechselprothesen anzusehen. Unter einer modularen Wechsel­prothese versteht man eine Prothese, die aus verschiedenen Teilen aufgebaut ist, die unabhängig von der Dimension des Knochen­schadens eine Verankerung im Bereich des gesunden Knochens ermöglicht (Abb. 3).

Abb. 3: Schema modulare Wechselprothese

Diese Prothesen bestehen üblicherweise aus einer Titan­legierung, haben ein Stern­profil und sind leicht konisch geformt, sodass eine Verankerung, insb. unterhalb des defekten Knochen­lagers möglich ist. Die Beinlänge kann aufgrund der Modulari­tät über Verlängerungshülsen, über die Wahl des Schenkel­hals­stückes und über die Kopfgröße eingestellt werden, sodass eine adäquate Muskel­spannung und eine seitengleiche Bein­länge resultiert. Bei einer zu geringen Muskel­spannung besteht die große Gefahr der Ausrenkung des Hüftkopfes; bei einer großen Muskel­spannung, die zu einer höheren Sicherheit führt, kommt es allzu oft zu einer Bein­verlängerung, die nicht im Sinne des Patienten sein kann.

Resümierend bleibt festzuhalten, dass die Wechsel­operation im Bereich des Hüft­gelenkes deutlich anspruchs­voller ist als der Ersteinbau. Aus diesem Grunde sollte der Patient die Klinik, die diese Wechsel­operation durchführt, sorgfältig auswählen. Sie sollte neben einer adäquaten Fallzahl und damit Erfahrung über eine ausreichende Anzahl an Implantaten und Implantattypen verfügen, um jede noch so schwierige Situation während der Operation hierdurch bewältigen zu können.

Fotos: HEH, MRP-Titan®: Peter Brehm GmbH

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