Artikel erschienen am 12.10.2017

Ultaschallgeführte Operation bei Brustkrebs

Sicherheit und optimales kosmetisches Ergebnis in der Brustchirurgie

Von Dr. med. Thomas Dewitz, Gifhorn

Brustkrebs ist unkontrolliert wachsendes Gewebe in einem gesunden Bereich der Brust. Tritt ein Brustkrebs auf, ist der Bereich, in dem der Krebs entstanden ist, operativ zu entfernen. Um das nötige Volumen möglichst klein zu halten, kann der Krebs in manchen Fällen vor der Operation medikamentös, z. B. mit einer Chemotherapie behandelt werden. Dies nennt man primär systemisches Vorgehen. Wenn der Tumor anspricht, muss nur wenig Gewebe entfernt werden.

Für die optimale Planung und Durchführung einer Operation, mit dem Ziel, ein gutes kosmetisches Ergebnis zu erreichen, ist bei kleinen Tumoren (unter 1 cm) in mehr als 90 % der Fälle ein Brusterhalt möglich. Hierbei werden nie Kompromisse bezüglich der Sicherheit für die Patientin gemacht. Je nach Sitz des Knotens müssen unterschiedliche Strategien der Rekonstruktion der Brustdrüse angewandt werden. Eine wichtige Frage ist: „Bin ich im Gesunden?“

Das heißt: Habe ich den gesamten Bereich entfernt, der den Krebs trägt? Der Abstand des Tumorgewebes zum gesunden Gewebe kann mittlerweile bis auf 1-2 mm zusammenschrumpfen. So wenig Abstand reicht, um ein sicheres Ergebnis zu erzielen. Demnach ist es möglich, nur eine geringe Menge Brustdrüsengewebe zu entfernen. Dies kommt der Kosmetik zugute. Um die Grenzen eines Tumors intraoperativ gut zu erkennen, bietet die hochauflösende Sonografie, intraoperativ angewandt, neue Möglichkeiten.

Der kleine Tumor ist oft nicht tastbar und kann vor der Operation unter Zuhilfenahme der Sonografie markiert werden. Lässt er sich auch sonografisch nicht darstellen, muss die mammografische Markierung helfen. Die Ausdehnung des Tumors ist sonografisch oft gut bestimmbar, sodass eine Führung in der Operation durch den Einsatz der Mamma-Sonografie optimale Orientierung erlaubt und so dem Operierenden ermöglicht, einerseits den Tumor im Gesunden zu entfernen, andererseits das gesunde Brustdrüsengewebe zu schonen.

Hierzu setzen Kliniken eine mobile Sonogra­fieeinheit im OP ein. Nach Bestimmung der Schnittführung und Präparation der Umgebung des Tumors wird durch die Anwendung der Bildgebung direkt im offenen OP-Gebiet die schonende Entnahme des tumortragenden Areals ermöglicht. Ist das Gewebe entfernt, wird es in ein Wasserbad verbracht und nochmals sonografisch untersucht, um die Grenzen des Tumors zum Absetzungsrand des entfernten Gewebes zu bestimmen. Hierdurch kann die Rate der notwendigen Nachoperationen halbiert werden.

Dies kommt nicht zuletzt der Patientin zugute, da ein Zweiteingriff für die Heilung immer problematisch und insbesondere eine Zweitoperation für die Patientin belastend ist. Dass es trotzdem nicht immer gelingt, im Gesunden zu operieren, liegt an einer Eigenheit bestimmter Formen des Brustkrebses, die in den Gängen wachsen und lediglich bei der Aufarbeitung in der Pathologie erkennbar werden. Dies ist der Grund dafür, dass die Nachresektionsrate erfreulicherweise halbiert, jedoch nicht völlig auf Null gesenkt werden kann.

Bild: Fotolia/Sentello

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