Artikel erschienen am 10.05.2013

Prostatakrebsfrüherkennung

Früherkennung des Prostatakarzinoms

Von Prof. Prof. h. c. Dr Peter Hammerer, Braunschweig

Die Früherkennung des Prostatakarzinoms ist ein kontroverses Thema, da manche Prostatakarzinome sehr langsam wachsen und besonders bei älteren Männern in einem Frühstadium selten Beschwerden verursachen. Deshalb müssen auch nicht alle entdeckten Karzinome sofort bestrahlt, operiert oder mit Medikamenten behandelt werden. Dennoch bietet nur eine rechtzeitige Entdeckung die Chance auf eine komplette Heilung.

Prostatakrebs ist die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung beim Mann und die zweithäufigste Krebstodesursache in Europa und den USA. Im Jahr 2011 wurden in den USA bei ca. 240 000 Männern ein Prostatakarzinom diagnostiziert und ca. 34 000 Todesfälle festgestellt.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Prostatakrebs sind ein höheres Alter und eine positive Familienanamnese. Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, ist um das Doppelte erhöht bei Männern, die einen Verwandten ersten Grades mit einer Prostatakrebsdiagnose haben.

Über viele Jahre war die digitale rektale Untersuchung der Prostata der einzige Screening-Test für Prostatakrebs. Doch die alleinige Abtastung der Prostata erkennt Prostatakrebserkrankungen oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist.

Durch Einführung des Bluttests PSA werden Prostatakrebserkrankungen deutlich früher erkannt. Allerdings ist dieser Bluttest nicht spezifisch für Krebserkrankungen, auch eine Prostataentzündung oder eine gutartige Prostatawucherung kann zu einer PSA-Erhöhung führen.

Es kann auch bei einem normalen PSA-Wert ein Prostatakrebs nicht sicher ausgeschlossen werden, wie die Untersuchungen aus dem Prostate Cancer Prevention Trial zeigten.

Zahlreiche Ansätze wurden daher vorgeschlagen, um die diagnostische Genauigkeit des PSA-Tests zu verbessern, wie z. B. die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit, die Werte des freien und proteingebundenen PSA, PSA-Dichte und die Verwendung von altersspezifischen Grenzwerten.

Die Ergebnisse der großen randomisierten kontrollierten Studien ergaben ein heterogenes Bild bezüglich des möglichen Nutzens eines Screenings. In zwei Studien mit knapp 20 000 und über 180 000 Männern wurde eine signifikante Senkung der prostatakrebsspezifischen Sterblichkeit nach einer Nachbeobachtungszeit von 14 bzw. 9 Jahren in einer Größenordnung von relativ 20 bis 40 % aufgezeigt.

Die Europäische Randomized Study of Screening für Prostatakrebs (ERSPC) zeigte, dass Männer, die gescreent wurden, eine reduzierte Sterblichkeit an Prostatakrebs aufwiesen. In der ERSPC-Studie, die in sieben europäischen Zentren stattfand, wurden 182 160 Männer im Alter zwischen 50 und 74 Jahre untersucht, um die Bedeutung von PSA-Screening versus kein Screening zu analyieren.

Während eines medianen Follow-ups von 9 Jahren wurde Prostatakrebs in 8,2 % der gescreenten Probanden versus 4,8 % der Kontrollgruppe erkannt. Die Sterblichkeit an Prostatakrebs wurde um 20 % in der Screening-Gruppe reduziert.

Die Ergebnisse der Göteborg-Studie aus Schweden zeigten eine deutliche Verringerung der Sterblichkeit von Prostatakrebs in der Screening-Gruppe von 44 % bei Männern von 50 bis 64 Jahren. Nach statistischen Berechnungen mussten 12 Männer mit Prostatakrebs diagnostiziert werden, um einen Todesfall durch Prostatakrebs zu verhindern (numbers needed to treat, NNT).

In Deutschland ist eine aktualisierte interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms vorhanden. Entsprechend dieser Leitlinie werden folgende Empfehlungen zur Früherkennung in Deutschland gegeben: Männer, die mindestens 40 Jahre alt sind und eine mutmaßliche Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren haben, sollen über die Möglichkeit einer Früherkennung informiert werden.

Im Rahmen der Früherkennung soll eine Prostatabiopsie bei Vorliegen von mindestens einem der folgenden Kriterien empfohlen werden:
1. kontrollierter PSA-Wert von ≥ 4 ng/ml bei der erstmaligen Früherkennungskonsultation unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren
2. karzinomverdächtiges Ergebnis bei der digitalen rektalen Untersuchung
3. auffälliger PSA-Anstieg (ohne Wechsel des Bestimmungsverfahrens).

Ziel der Früherkennung ist es, organbegrenzte aggressive Tumoren bei asymptomatischen Männern mit einer mutmaßlichen Mindestlebenserwartung von mindestens 10 Jahren zu erkennen.

Im Jahr 2002 zeigte die skandinavische Prostate Cancer Study Group, die 695 Männer mit Prostatakrebs verglich, die entweder mit einer radikalen Prostatektomie oder kontrolliertem Zuwarten behandelt wurden, eine relative Risikoverminderung für Tod am Prostatakrebs durch die Operation um 50 %.

Empfehlung

Entsprechend der aktuellen S3-Leitlinie empfehlen die Experten Folgendes:

  • Die Männer sollen über die Vor- und Nachteile der Früherkennungsmaßnahmen aufgeklärt werden, insbesondere über die Aussagekraft von positiven und negativen Testergebnissen, gegebenenfalls über erforderliche weitere Maßnahmen, wie die Biopsie der Prostata sowie die Behandlungsoptionen und deren Risiken.
  • Männern, die nach der Aufklärung eine Früherkennungsuntersuchung wünschen, sollen die Bestimmung des PSA und eine digitale rektale Untersuchung als Untersuchungsmethoden empfohlen werden.

Bild: Panthermedia/Pablo Calvo G., Fotolia/Sasinpraksa

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