Artikel erschienen am 07.05.2018

Teamwork am Bau

Wie kann eine gute Zusammenarbeit zwischen Bauherr, Architekt und Baufirmen funktionieren?

Von Markus Kassenbeck, Braunschweig | Dipl.-Ing. Petra Wehmeyer, Braunschweig

Ob in der Vorplanung oder auf der Baustelle: Eine gute Zusammenarbeit zwischen Bauherr, Architekt sowie beteiligten Gewerken ist ausgesprochen wichtig – essenziell für eine erfolgreiche und möglichst reibungslose Umsetzung. Im Interview erläutern dazu Markus Kassenbeck, Inhaber vom Bauunternehmen „mw-bau!“, sowie Dipl.-Ing. Petra Wehmeyer, Inhaberin des Planungsbüros Wehmeyer, die Bedeutung von proaktiver Kommunikation, einem steten Austausch sowie damit verbundenen aktuellen Mechanismen und Entwicklungen.

Ganz grundsätzlich: Was bedeutet Teamwork am Bau eigentlich?

Petra Wehmeyer: Teamwork bedeutet natürlich die grundsätzlich gute und ehrliche Zusammenarbeit zwischen Architekt, Bauherrn und den Firmen aller ca. zwanzig Baugewerke, wobei der Architekt als Mittelsmann zwischen beteiligten Firmen und Bauherr fungiert. Dabei ist es essenziell, dass der Bauherr von Anfang an seine Vorstellungen so präzise wie möglich darlegt und der Architekt diese gestalterisch und kostentechnisch erarbeitet und sie später umsetzt. Das Teamwork am Bau ist aber auch bestimmt durch die Auswahl der Firmen, Qualität hat hier eine hohe Priorität neben der Wirtschaftlichkeit. Ein weiterer Aspekt ist die offene und transparente Kommunikation zwischen den einzelnen Parteien.

Markus Kassenbeck: Frau Wehmeyer hat damit schon das Wichtigste gesagt. Hinzuzufügen wäre noch, dass kurze und unkomplizierte Kommunikationswege unerlässlich sind.

Herr Kassenbeck, was ist denn aus Ihrer Sicht als Bauunternehmen wichtig für den reibungslosen Bau?

Markus Kassenbeck: Wichtig ist, dass die Kompetenzen klar verteilt sind. Dass sich jeder auf seine Kernkompetenz besinnen kann und die Arbeit vernünftig funktioniert. Dass man vieles, so ist meine Erfahrung, am besten persönlich klärt. Gerne per Mail, in vielen Situationen hingegen besser mündlich oder noch besser: vor Ort. Gemeinschaftlich das Vorhaben gut durchführen. Wenn doch einmal Unstimmigkeiten auftreten, sollte eine unkomplizierte Konfliktlösung das Ziel im Einvernehmen aller Beteiligten sein.

Wie löst man die Konflikte am besten?

Markus Kassenbeck: In jedem Fall: Diese nicht auf die lange Bank schieben. Mit Ehrlichkeit und Transparenz persönlich klären, nicht über ein ewiges postalisches Hin und Her.

Da ist es auch wichtig, dass der Architekt um seine Rolle weiß. Nicht gegen den Bauherrn oder Unternehmen, sondern mit allen zusammenarbeiten. Wenn der Architekt einen Beteiligten bevorzugt, bleibt immer jemand auf der Strecke.

Was ist die größte Herausforderung bei so vielen beteiligten Gewerken?

Markus Kassenbeck: Das können die Architekten am besten einschätzen. Ich denke vor allem die Koordination ist stets eine große Herausforderung.

Petra Wehmeyer: Maßgeblich ist es, einen realistischen Bauzeitenplan aufzustellen und damit dem Bauherrn keine falschen Versprechen zu machen. Man benötigt ausreichend Pufferzeiten für bestimmte Wetterbedingungen oder andere Unwegsamkeiten, wie Ausfall von Firmen, Lieferschwierigkeiten usw. Jeder Zeitdruck mindert die Qualität der Bauwerke, wobei parallell natürlich das Fertigstellungsdatum nicht aus dem Auge verloren werden darf. Eine Bauzeitverlängerung kann immense Kosten verursachen.

Markus Kassenbeck: Neben einem offenen und ehrlichen Umgang sind realistische Einschätzungen von großer Bedeutung.

Petra Wehmeyer: Für uns Planer ist ein ausreichned langer Planungsprozess sehr entscheidend. Hier müssen sämtliche Entscheidungen seitens der Bauherren getroffen und sowohl schriftlich als auch zeichnerisch fixiert werden, bevor der Planer mit der Leistungsphase beginnt. Der Ausschreibung sollte nicht nur die Objektplanung, sondern auch sämtliche Fachplanungen wie Tragwerksplanung, TGA-Planung, Brand- und ggf. Schallschutz vorliegen. Man sollte nicht nach einer Genehmigungsplanung ausschreiben, wie so oft üblich, um hier „Zeit zu sparen“ und den Baubeginn zu forcieren. Ansonsten kommt es häufig im Bauablauf zu Nachträgen, die immer ein Konfliktpotenzial darstellen.

Dementsprechend ist eine ausreichend lang bemessene Planungsphase ausgesprochen wichtig, in welcher der Bauherr die entsprechenden Entscheidungen trifft und so möglichst wenig während der Bauzeit ändert. So erfordern diese Änderungen auch oft statische und technische Anpassungen, die wiederum zu Planungs- und Ausführungsmehrkosten führen. Ein ganz simples Beispiel: Tür mal eben drehen, heißt auch Lichtschalter auf der falschen Seite, was auch eine Umverlegung erfordert. Normalerweise sind es natürlich viel komplexere Prozesse, wie zum Beispiel Wohnungsgrundrisse verändern mit Bädern etc.

Wünscht man sich manchmal mehr Verständnis für derartige Prozesse?

Markus Kassenbeck: Manchmal mehr Verständnis dafür, dass einige Arbeiten einen größeren Zeitaufwand erfordern. Zeitlicher Druck hilft niemandem. Wenn dies der Bauherr vorher entsprechend vermittelt bekommt, ist das von Vorteil.

Wenn das Verständnis mal fehlen mag, dann muss man es noch besser erklären. Ich denke, viele Bauvorhaben scheitern auch an der mangelnden Kommunikation zwischen Bauunternehmer, Architekten und Bauherren. Viele vermuten oft: Wenn die Bauherren viel nachfragen, sind sie genervt. Dabei wollen viele Bauherren einfach nur wissen, was auf der Baustelle passiert. Schließlich geht es um ihr Geld und die Qualität ihres Bauvorhabens.

Petra Wehmeyer: Grundsätzlich ist eine sorgsame Dokumentation des Architekten notwendig. Der Architekt sollte während der Bauzeit auch bei kleineren Bauvorhaben ein wöchentliches Jour fixe vereinbaren, welches ausführlich schriftlich protokolliert und fototechnisch dokumentiert wird. Der oftmals nicht an­wesende Bauherr ist so entsprechend informiert.

Das Vertrauensverhältnis wird im besten Fall gestärkt.

Neben den Jour-fixe-Terminen sollte es ferner noch Projektbesprechungstermine mit dem Bauherrn geben. Hier ist dann zwischen Privatkunden und gewerblichen, professionellen Kunden zu unterscheiden. Einen Privatkunden muss man ganz anders betreuen und durch die Bauzeit führen als professionell agierende Baubeteiligte.

Markus Kassenbeck: An der Stelle ist auch zu sagen, dass die E-Mail und WhatsApp als Kommunikationstool zwar wichtig geworden, aber manchmal eben auch nicht das Mittel der Wahl sind. Einiges bleibt da auch mal auf der Strecke oder wird falsch verstanden. Im persönlichen Gespräch können Sachverhalte ganz anders dargelegt werden.

Es ging zwischendurch bereits um das Thema Scheitern. Was meinen Sie: Woran scheitern Bauvorhaben grundsätzlich?

Markus Kassenbeck: Zumeist an überzogenen Forderungen oder falschen Vorstellungen. Oder, wie zuvor erläutert, an mangelnder Kommunikation.

Petra Wehmeyer: Es gibt hier einen wesentlichen Unterschied zwischen Neu- und Umbauten. Bei Neubauten kann die Planung komplex gesteuert werden. Im Umbaubereich gibt es in der Regel viel eher unvorhersehbare Arbeiten, hier gibt es z. B. unzureichende Abdichtungen, nicht ausreichende Tragwerke und nicht einsehbare Bauteile, das sind nur einige Beispiele. Das kann zu Zeitverzögerungen und Kostenmehrungen führen. Für solche unvorhersehbaren Arbeiten solte ein ausreichender zeit- und kostentechnischer Puffer vorhanden sein. Hier sind die früher üblichen 10 % nicht mehr ausreichend.

Welche Rolle spielt energie- und umweltschonendes Bauen heute?

Markus Kassenbeck: Das Bewusstsein der Bauherren ist in jedem Fall gestiegen. Viele Kunden informieren sich schon frühzeitig darüber, welche Baustoffe eingesetzt werden sollen.

Petra Wehmeyer: Auch bei Abbrucharbeiten etwa muss ganz anders entsorgt werden. Die Vorschriften haben sich immens verändert. Natürlich wollen die Bauherren ferner auch mehr nachhaltige beziehungsweise ökologisch nachhaltige Materialien einsetzen. Styropor wird etwa seit Jahren deutlich weniger verwendet.

Markus Kassenbeck: Durch die sich veränderten gesetzlichen Vorgaben ergibt sich ein größerer Koordinationsaufwand zwischen den Gewerken. Wo vorher ein oder zwei Müllcontainer zur Entsorgung ausreichten, müssen ab einer bestimmten Menge anfallenden Baumülls, Entsorgungspläne und Dokumentationen zusätzlich erstellt und eingereicht werden. Eine strikte Abfalltrennung ist mittlerweile Pflicht.

Welche aktuellen Entwicklungen stellen Sie noch fest?

Petra Wehmeyer: Ein wichtiges Thema ist die Haustechnik. Es werden kaum noch Häuser mit reiner Gasversorgung gebaut, stattdessen werden nun Luftwärmepumpen, Geothermie, manchmal auch BHKWs geplant und eingebaut, um den Wärmeschutznachweis zu erfüllen. Auch im elektrotechnischen Bereich hält die Bustechnik immer mehr Einzug, Stichwort „Smart Home“. Der Anteil der technischen Gebäudeausrüstung, kurz TGA, liegt momentan bei mindestens 30–40 % der 300er-Baukonstruktionsherstellungskosten. Das war früher wesentlich weniger. Auch hier ist das „Teamwork am Bau“ schon in einer frühen Planungsphase erfoderlich, nicht nur mit Architekten, Fachplanern und Bauherren, sondern zu Optimierungsprozessen auch schon so manches Mal mit entsprechenden Fachfirmen.

Mit den immer neuen und vielfältigen Anforderungen steigt eben auch der Abstimmungsaufwand zwischen den Gewerken und Planern. Man muss die Akteure noch früher in die Kommunikation einbinden – bereits in der frühen Planungsphase. Technische Firmen müssen hinzugeholt werden­ (gute Fachplaner, Tragwerksplaner etc.). Vor Ort ist schließlich eine gute Objektüber­wachung nötig. Da sind wir wieder beim Schlagwort Teamwork: Erst in der Planung mit einem qualifizierten und motivierten Planungsteam.

Markus Kassenbeck: Es hat sich, damit verbunden, auch einiges in der Planungsphase verändert. Früher hat man die Leistungsbeschreibung zugeschickt bekommen. Dann wurde ein Angebot abgegeben und schließlich der Zuschlag oder die Absage erteilt. Heute suchen die Architekten schon vorab den Dialog mit den Bauunternehmen, weil sie sagen: „Schau mal drauf, was fällt dir auf, was ist zu beachten?" Das ist auch gut, denn so werden die Kompetenzen besser verteilt.

Das ist das grundsätzlich Entscheidende am Bau: Dass jeder weiß, was er zu tun hat und die Aufgaben auf den entsprechenden Fachgebieten zugeordnet sind. Das führt schließlich zum Erfolg. Ansonsten geht eine Menge Energie und Qualität verloren. Das wäre doch etwa im Sport nicht anders: Man stelle sich vor, die Profikicker von Eintracht Braunschweigt müssten bis kurz vor Anpfiff noch im Kassenhäuschen Eintrittskarten verkaufen – und sollen dann die bestmögliche Leistung abrufen. Das funktioniert nicht.

Wie kann auch nach der Übergabe noch eine gute Betreuung stattfinden?

Petra Wehmeyer: Eine Schlussdokumentation seitens des Architekten wird grundsätzlich übergeben sowie auch die TGA-Revisionspläne. Eine Gewährleistungsübersicht von allen am Bau beteiligten Firmen der einzelnen Gewerken. Also: Wie ist die Gewährleistung der einzelnen Gewerke ist ebenfalls erforderlich, wie bekannt gemäß HOAI. Im Anschluss erfolgt noch die Mangelbeseitigung nach Bezug. Auch gilt es, den Bauherren dabei noch entsprechend zu begleiten.

Markus Kassenbeck: Es tauchen immer noch Fragen konstruktiver Details auf, die zu klären sind. Dabei muss sich der Bauherr gut aufgehoben und betreut fühlen. Manchmal auch Jahre später. Eine gute Unterstützung sollte auch dann grundsätzlich noch gewährleistet sein.

Bild: Fotolia/yuromanovich

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