Artikel erschienen am 19.04.2023
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Die Renaissance der Robotik in der Knieendoprothetik

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig
Karl-Dieter Heller
Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller
Chefarzt der Orthopädischen Klinik, Leiter des Endoprothetik-Zentrums

Dies ist vornehmlich der komplexen Mechanik und Kinematik des Kniegelenks geschuldet. Auch wenn im Vergleich zur Hüfte das Kniegelenk ,,oberflächiger liegt“, ist die Operation anspruchsvoller, da sowohl die Art des Gelenkes als auch die zu berücksichtigenden Bandstrukturen den operativen Eingriff komplexer machen. Die Auswertung der weltweit zu diesem Thema publizierten Literatur zeigt, dass erstaunlicherweise 85 % aller eingebauten Knieprothesen nach 25 Jahren noch „in situ“ sind, d. h. noch nicht gewechselt worden sind, was als sehr erfolgreich angesehen werden muss.

Um diese Ergebnisse noch zu verbessern und um die 15-20 % der nicht ganz zufriedenen Patienten zu erreichen, wurde in den vergangenen Jahren die Robotik entwickelt und immer weiter verfeinert. Die Robotik am Kniegelenk ist allerdings nicht so zu verstehen, dass der Patient entsprechend gelagert wird und der Roboter, wie beispielsweise in der Autoindustrie, die Arbeit selber macht. Die Robotik dient vielmehr dazu, die Arbeit des Operateurs bzw. des Chirurgen zu verfeinern und dessen Orientierung während der Operation zu verbessern. Die Literatur zeigt klar, dass die Präzision des Arbeitens unter Einsatz des Roboters verfeinert werden kann, in der Hoffnung, dass diese Verfeinerung der Präzision, d. h. einer verbesserten Achsausrichtung, dient und die Bandspannung während und nach der Operation letztendlich zu einem besseren Ergebnis führt. Der Roboter ist dabei die Kombination aus einem Navigationssystem und einem Roboterarm, der die Schablone oder die Säge während der Operation führt. Von wesentlicher Bedeutung ist damit die präoperative Planung, die durch den Chirurgen oder Orthopäden durchgeführt wird. Diese ist bei Einsatz der Robotik weitaus aufwendiger, aber auch sehr präzise, da präoperativ exakt die Achsausrichtung und die Bandführung simuliert werden können. Das Ziel bei einer roboterassistierten Knieendoprothese ist, dass die Bandführung zu einer symmetrischen Belastung der Bänder führt. In der Operation kann jederzeit durch den Chirurgen bzw. Orthopäden diese Einstellung modifiziert werden mit dem Ziel, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Der Roboter dient letztendlich nur der optimalen Ausrichtung der knöchernen Schnitte, die notwendig sind, um die Prothese optimal zu platzieren. Die zu diesem Thema publizierte Literatur zeigt bei Einsatz der Robotik verbesserte kurz- und inzwischen auch mittelfristige Ergebnisse. Langfristige Ergebnisse stehen mangels längeren Vorhandenseins der Robotik noch aus.

Zusammengefasst ist die Robotik ein Hilfsmittel für den Operateur, die sich bereits auf hohem Niveau befindliche Knieendoprothetik weiter zu verfeinern mit dem Ziel, die Gesamtrate an zufriedenen Patienten noch zu erhöhen. Prinzipiell ist jedoch der Einsatz des Roboters nicht für jeden Patienten erforderlich. Es scheint, dass insbesondere komplexe und schwierig zu operierende Fälle sich hierzu besonders eignen.

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