Artikel erschienen am 19.05.2014
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Erkrankungen des Hüftgelenkes

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig

Das Hüftgelenk ist ein sehr stark beanspruchtes Gelenk, welches in allen Altersabschnitten erkranken und damit Schaden nehmen kann.

Während im Kleinkindalter der sog. Hüftschnupfen im Vordergrund steht, der in den allermeisten Fällen folgenlos ausheilt, so kann die Altersklasse von 5–10 Jahren von einem sog. Morbus Perthes betroffen sein. Dies ist eine Erkrankung, die zum kompletten Absterben und nachfolgend zum Wiederaufbau des Hüftkopfes führt. Das Problem besteht jedoch darin, dass der Wiederaufbau häufig in einer Form erfolgt, die nicht mehr dem ursprünglichen Hüftkopf entspricht. Der Hüftkopf ist meist verformt, was dann später in einer Arthrose mündet.

Zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr kann es zu einem sog. Abgleiten des Hüftkopfes in der Wachstumsfuge kommen. Dies ist eine Erkrankung, die in den allermeisten Fällen einer notfallmäßigen Therapie bedarf und dann folgenlos ausheilt.

Nach dem 20. Lebensjahr zeigt sich bei jungen Männern selten ein belastungsabhängiges Beschwerdebild, welches ebenfalls durch eine sanfte Fehlform des Hüftkopfes hervorgerufen wird. Hierbei handelt es sich um das sog. Cam-Impingement (Cam für Nockenwelle). Hierbei kommt es zu einer Verformung des Hüftkopfes und zu einer Entrundung. Die mangelnde Rundung führt zu einem knöchernen Anschlagen des Hüftkopfes an der knorpeligen Gelenklippe und am Knorpel im Bereich der Pfanne, was unbehandelt in jungen Jahren in einer schweren Verschleißerkrankung münden kann. Für diese Fälle ist insbesondere dann, wenn diese Erkrankung frühzeitig diagnostiziert wird, die Gelenkspiegelung des Hüftgelenkes in besonderem Maße geeignet. Im Rahmen der Gelenkspiegelung kann dieser Knubbel am Hüftkopf entfernt werden, sodass eine Verschleißerkrankung nicht auftritt.

Eine ähnliche Erkrankung im Sinne eines sog. Impingements gibt es auch bei Damen zwischen 35 und 50 Jahren. Hier handelt es sich um das sog. Kneifzangenimpingement, was bedeutet, dass die Pfanne derart weit ausgezogen ist, dass diese am Hüftkopf und am Schenkelhals anschlägt und hier ebenfalls zu Beschwerden führt. Diese Erkrankung ist ebenfalls per Gelenkspiegelung gut behandelbar, führt jedoch seltener zu einer Arthrose. Das primäre Ziel der arthroskopischen Behandlung ist somit nicht die Vermeidung der Arthrose, sondern in erster Linie die Vermeidung von Schmerzen.

Ab dem 45. Lebensjahr kommt es vermehrt zur Verschleißerkrankung des Hüftgelenkes. Auch wenn die meisten Patienten erst im Alter zwischen 60 und 80 Jahren an einem Verschleiß des Hüftgelenkes erkranken, so sehen wir im klinischen Alltag mehr und mehr jüngere Menschen, oftmals nach Verletzungen des Hüftgelenkes im jüngeren Alter oder nach exzessiver sportlicher Betätigung.

Die Verschleißerkrankung des Hüftgelenkes bedarf einer altersgerechten Versorgung. Die Wahl der Endoprothese beim jüngeren Menschen unterscheidet sich erheblich von der beim Greis. Bei der Prothesenwahl ist neben der Knochenqualität die zu erwartende Lebensdauer und Beanspruchung des Gelenkes zu berücksichtigen. Aus diesem Grunde wird beim jüngeren Patienten tendenziell eher eine Kurzschaftprothese verwendet, welche weniger Knochensubstanz opfert. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine adäquate Knochenqualität. Bei Menschen mittleren Alters wird in der Hüftendoprothetik eher ein zementfreier Gradschaft verwendet, während beim Greis durchaus nach wie vor eine zementierte Hüfttotalendoprothese gewählt wird. Im Pfannenbereich kann nahezu in jeder Altersgruppe mit einer zementfreien Titanschale mit entsprechendem Inlay gearbeitet werden. Beim jüngeren Patienten ist größte Sorgfalt auf die Auswahl der Gleitpaarung zu legen, da die hochwertigste Gleitpaarung (Keramik-Inlay mit Keramikkugel, am wenigsten Abrieb aufweist und somit mit höherer Wahrscheinlichkeit eine lange Haltbarkeit hat.

Einbau der Prothese

Beim Einbau der Prothese spielt Erfahrung eine große Rolle, da sowohl die Positionierung von Schaft und Pfanne als auch die Qualität der Verankerung von großer Bedeutung sind. Aus Nichtbeachten der Grundregeln (Extremfälle außen vor gelassen) können extreme Beinverlängerungen oder Instabilitäten des Hüftgelenkes mit Verrenkungen resultieren. Auch wenn die Erstprothese lockert, so sind aufgrund der modernen Wechselendoprothesen noch zahlreiche Versuche möglich, um wieder ein stabiles und belastbares Hüftgelenk zu erlangen.

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