Artikel erschienen am 10.05.2013
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Bluthochdruck: „Der stille Killer“

Behandlung heute: Lebensstil, Medikamente und neue Methoden

Von Prof. Dr. med. Rolf Engberding, FESC, Wolfsburg | Dr. med. Andreas Balzereit, Wolfsburg | Dr. med. Birgit Gerecke, Wolfsburg | Dr. med. Claus Fleischmann, Wolfsburg

Ein Bluthochdruck kann fatale Folgen haben: Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzschwäche drohen. Weil Bluthochdruck oft lange Zeit keine Beschwerden macht, wird er auch der „stille Killer“ genannt. Viele Menschen wissen nicht, dass ihr Blutdruck hoch ist. Außerdem wird ein großer Teil derer, bei denen ein Bluthochdruck bekannt ist, nicht adäquat behandelt.

Dabei erhält die richtige Behandlung eines hohen Blutdrucks nachweislich die Gesundheit von Herz, Gefäßen und anderen Organen. Der Blutdruck sollte bei allen Patienten im Alter unter 80 Jahren auf Werte unter 140/90 mmHg gesenkt werden, bei Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit, eines Diabetes mellitus oder von Nierenschäden auf Werte um 130/80 mmHg. Bei Patienten über 80 Jahren liegt das Ziel unter 150 mmHg systolisch. Bei mäßig erhöhten Blutdruckwerten (bis 160 mmHg systolisch) kann insbesondere bei Patienten mit Übergewicht durch eine Gewichtsreduktion, Einschränkung des Salzkonsums, Stressabbau und regelmäßige Bewegung eine medikamentöse Therapie vermieden werden. Aber auch alle anderen Patienten profitieren von einem herzgesunden Lebensstil und können durch diese Maßnahmen die Dosis der benötigten Medikamente häufig reduzieren.

Röntgenbild eines über die Leistenarterie in die rechte Nierenarterie eingebrachten Ablationskatheters zur Behandlung eines medikamentös nicht einstellbaren Bluthochdrucks

Für die medikamentöse Therapie des Bluthochdrucks stehen verschiedene Substanzen mit unterschiedlichem Wirkmechanismus zur Ver­fügung: ACE-Hemmer oder Sartane, Diuretika, Calciumantagonisten oder Betablocker sind die wichtigsten Substanzklassen. Welche Substanz bei welchem Patienten eingesetzt wird, ist abhängig von Begleit­erkrankungen und möglichen Nebenwirkungen. Zu Anfang sollten niedrige Dosen verabreicht werden, die langsam zu steigern sind, bis die Zielblutdruckwerte erreicht werden. Da die Bluthochdrucktherapie meistens eine lebenslange Behandlung darstellt, ist eine gute Verträglichkeit der Medikamente von besonderer Bedeutung.

Leider gibt es aber auch immer wieder Patienten, die mit einer Kombination von drei oder mehr Medikamenten in ausreichender Dosierung nicht gut eingestellt sind. Man spricht dann von einem therapierefraktären Bluthochdruck. Für solche Patienten wurden in den letzten Jahren neue, nichtmedikamentöse Therapieverfahren entwickelt. Ein Ansatz hierbei ist die Verminderung der Überaktivität feiner Nervengeflechte in den Nierenarterien. In diesen Fällen werden mittels sogenannter renaler Sympathikusdenervation (RSD) Nervenfasern in der Wand der Nierenarterien durch einen Ablationskatheter, der über die Leistenarterie eingebracht wird, verödet (s. Abb.) und somit in ihrer Aktivität gebremst. Hierdurch kommt es in der Regel zu einer deutlichen Blutdrucksenkung in den folgenden Monaten.

Ein weiteres Verfahren, die sogenannte Barorezeptorenstimulation, ist derzeit in der Erprobung. Bei dieser Methode wird ein kleiner Stimulator implantiert und mit Elektroden an den Halsschlagadern verbunden. Durch regelmäßige Impulsabgabe kann die Blutdruckeinstellung verbessert werden.

Wichtig ist die richtige Wahl der geeigneten Behandlungsstrategie, um eine gute Einstellung eines Bluthochdrucks zu erreichen, damit das Risiko für die eingangs genannten schlimmen Folgen weitmöglich vermindert wird.

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