Artikel erschienen am 01.05.2012
E-Paper

Morbus Dupuytren

Eine chronische Erkrankung der Hand

Von Dr. med. Wolfgang Klein, Wolfenbüttel
Wolfgang Klein
Dr. med. Wolfgang Klein
Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie

„Ich habe eine Sehnenverkürzung und kann meine Finger nicht mehr richtig strecken.“ So oder ähnlich stellen sich oft PatientInnen vor, die an einem Morbus Dupuytren leiden.

Es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine Sehnen­verkürzung, sondern um eine Erkrankung des Hohl­hand­binde­gewebes, insbesondere der sogenannten Palmarfascie, einer flächigen Bindegewebs­schicht, welche die tiefen von den oberflächlichen Gewebs­schichten der Hohlhand trennt. Eine genauere Beschreibung erfolgte bereits 1832 durch den Franzosen Baron Guillaume Dupuytren, nach dem die Erkrankung im Folgenden benannt wurde. Obwohl schon so lange bekannt, ist ihre Ursache bis heute ungeklärt. Man kennt begünstigende Faktoren wie Alkohol- und Nikotinkonsum sowie Diabetes mellitus; außerdem besteht eine familiäre Häufung mit einer erblichen Veranlagung, man kann allerdings nicht von einer Erbkrankheit sprechen. Auch eine Verletzung der Hohlhand kann auslösender Faktor sein.

Der Morbus Dupuytren tritt typischer­weise im mittleren bis fortgeschrittenen Lebensalter auf und befällt weitaus überwiegend das männliche Geschlecht (in Europa ca. 7:1). Zu Beginn fallen meist kleine Knotenbildungen oder Haut­einziehungen in der Hohlhand auf. Diese verdicken sich häufig im weiteren Verlauf im Sinne von Knoten und Strangbildungen. Hierdurch wird ein verkürzender Längszug auf die Finger ausgeübt. Meist sind der Klein­finger und der Ringfinger betroffen, prinzipiell kann die Erkrankung jedoch die gesamte Hohlhand befallen. Das neu entstehende Gewebe ist nicht bösartig und wird nie bösartig.

Je nach Schwere des Befalls und der Bewegungs­einschränk­ung der Finger wird die Erkrankung in verschiedene Stadien eingeteilt (Abb. 1).

  • Stadium I: Knoten und /oder Strangbildung in der Hohlhand ohne Einschränkung der Finger­beweglichkeit,
  • Stadium II: dito mit Einschränkung der Fingerstreckung in den Finger­grund­gelenken,
  • Stadium III: dito mit Einschränkung der Fingerstreckung in Grund- und Mittel­gelenken,
  • Stadium IV: dito mit mindestens 90 Grad Streckdefizit in den Mittel­gelenken und einer Über­streck­stellung in den Endgelenken.

Abb. 1: Fortgeschrittener M. Dupuytren Stadium IV am Kleinfinger, Stadium III am Ringfinger links

Im Stadium I und gegebenenfalls frühen Stadium II ist je nach subjektivem Patienten­empfinden ein Zuwarten möglich, spätestens im fortgeschrittenen Stadium II oder Stadium III sollte jedoch operativ durch Entfernen der veränderten Bindegewebsanteile therapiert werden. Alternativ zur Entfernung des Gewebes kann auch durch mehrere gezielte Strang­durch­trennungen die Beweglichkeit der Finger verbessert werden. Bei dieser weniger invasiven Maßnahme ist jedoch das Fortschreiten oder Wieder­auftreten der Erkrankung wesentlich häufiger. Da die Bindegewebs­veränderungen oft Nerven und Blutgefäße ummauern und nicht selten besondere Techniken zur Haut­deckung angewandt werden müssen, ist eine spezielle hand­chirurgische Expertise mit genauer Kenntnis der Hohl­hand­anatomie für eine erfolgreiche Operation erforderlich. Bei sehr stark fort­geschrittener Erkrankung kann manchmal vor der Strang­entfernung ein Vordehnen mit einem äußeren Spanner (Fixateur extern) angezeigt sein (Abb. 2). Auch bei erfahrenen Operateuren kann es bei massiv veränderter Anatomie zu Gefäß- oder Nerven­verletzungen mit der möglichen Folge einer vermehrten Kälte­empfindlichkeit oder einer Gefühlsstörung im betroffenen Finger kommen.

Abb. 2: Aufdehnen einer schweren Streckbehinderung mit einem speziellen Fixateur extern vor der operativen Strangentfernung

In den letzten zwei Jahren ist eine neue Behandlungs­methode durch Einspritzen von Enzymen in das veränderte Gewebe eingeführt worden. Als Folge der Injektion kommt es zu einem Aufweichen und teilweisen Auflösen der Bindegewebs­stränge, so dass die Finger­beweglichkeit sich bessert. Erste Erfolg versprechende Berichte liegen vor, es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich die mittel- und langfristigen Ergebnisse darstellen. Derzeit gilt weiterhin die Operation als Standard­therapie des behandlungs­pflichtigen Morbus Dupuytren.

Zusammengefasst ist der Morbus Dupuytren eine chronische Erkrankung der Hohl­hand mit gutartigen Binde­gewebs­wucherungen, die in jedem Stadium stehen bleiben oder sich weiter­entwickeln kann. Patient­Innen mit dieser Erkrankung sollten sich hand­chi­rurgisch vorstellen, um sich über die je nach Ausprägung und Stadium anzuwendende abwartende Haltung, neue alternative Behandlungs­methoden oder eine operative Therapie kompetent beraten zu lassen.

Ähnliche Artikel

Gesundheit

Adipositaschirurgie

Operative Therapiemöglichkeiten bei starkem Übergewicht

Wenn das Übergewicht so groß ist, dass das eigene Gewicht zur lebensbedrohlichen Last wird, nützen Diäten oder Sport nur noch wenig. Ein chirurgischer Eingriff, z. B. in einem zertifizierten Zentrum für Adipositaschirurgie, kann dagegen helfen, das lang ersehnte Ergebnis herzustellen und dem Betroffenen wieder neue Lebensqualität zu geben.

Braunschweig 2014 | Dr. med. Hinrich Köhler, Braunschweig

Gesundheit

Wenn der Staat beim Heilen hilft

Über die tatsächliche Auswirkung und Absetzbarkeit von Krankheitskosten bestehen häufig falsche Vorstellungen. Die dem einzelnen Steuerpflichtigen entstehenden Aufwendungen, werden zwar angesetzt, aber der Ansatz hat oftmals keine steuerliche Auswirkung.

Braunschweig 2014 | Dipl.-Kfm. Jörg Bode, Braunschweig