Artikel erschienen am 01.05.2012
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Gewagt und gewonnen

Weltrekord im Blindsimultanschach am 26. und 27. 11. 2011 in Sontheim (Brenz)

Von Katharina Kleinschmidt

In der letzten Ausgabe berichteten die Service Seiten Gesundheit über den Blind­simultan­spieler Marc Lang. Das Ausnahme­talent hat im letzten November einen neuen Welt­rekord im Blind­simultan­schach gewagt – und gewonnen. Wir haben nach­gefragt, wie Marc Lang den Welt­rekord empfunden hat und welche neuen Heraus­forder­ungen er ansteuert.

Weltrekord Blindsimultanschach – das Wichtigste in Kürze

Beim Blindsimultanschach tritt ein Spieler gegen mehrere Gegner an, ohne dabei ein einziges Brett zu sehen. Die Züge werden lediglich angesagt. 1947 spielte Miguel Najdorf gegen 45 Gegner: der Weltrekord. Bis November 2011 hatte sich niemand mehr an diese Marke herangetraut. Am 26. und 27. November 2011 stellte Marc Lang einen neuen Weltrekord in Sontheim auf. Gesponsert vom Zahnimplantathersteller Astra Tech beendete er nach 21 Stunden 46 parallel gespielte Partien mit 34,5 : 11,5 Punkten. 2 Niederlagen, 19 Remis und 25 Siege sind die Bilanz dieses hochkarätigen Schachmarathons.

Interview

Service-Seiten Gesundheit: An welche Situation während des Weltrekords erinnern Sie sich besonders?
Marc Lang: An so einige, aber zwei stachen besonders hervor. Als erstes das Gefühl ein paar Minuten vor dem Beginn, da kam ich mir irgendwie seltsam „deplatziert“ vor, fast wie ein Fremdkörper. Ein paar Leute hielten Reden, und ich dachte die ganze Zeit: „He, seid Ihr Euch da wirklich sicher, dass ich derjenige bin, der gleich an so vielen Brettern blind spielen wird?“ Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen. Die zweite (be)merkenswerte Situation war so nach ca. 14 Stunden Spielzeit. Da wurde ich mit einem Mal für kurze Zeit unheimlich müde, aber ein Ende war nicht in Sicht – es liefen noch gut 30 Partien! Das war ein sehr unangenehmes Gefühl: man spielt und spielt und wird immer müder und müder… und die Gegner werden trotzdem einfach nicht weniger.

Service-Seiten Gesundheit: Können Sie in drei Adjektiven beschreiben, wie Sie sich nach dem Weltrekord gefühlt haben?
Marc Lang: (lacht) Müde, erleichtert, desorientiert.

Service-Seiten Gesundheit: Gibt es noch Herausforderungen nach so einer Leistung? Was sind Ihre nächsten Ziele?
Marc Lang: Ich hab mir ehrlich gesagt noch gar keine richtigen Gedanken über kommende Ziele gemacht. Herausforderungen gäbe es natürlich genügend, zum Beispiel gegen 50 Gegner anzutreten. Aber ich weiß nicht, ob ich das wirklich will. Viel eher würde mich reizen, einmal ein Blindsimultan mit einer relativ kurzen Zeitbeschränkung pro Partie zu spielen. Das hat meines Wissens noch niemand zuvor versucht – zumindest nicht an mehr als ein paar Brettern –, aber es würde die Attraktivität eines solchen Events für die Zuschauer gewiss erhöhen. Im September 2012 werde ich bei einer Veranstaltung in der Schweiz etwas in der Art versuchen.

Service-Seiten Gesundheit: Was geben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg, wenn die irgendwann einmal ein besonderer Ehrgeiz für irgendeine Sache packt?
Marc Lang: Ich würde mich freuen, wenn sie bei allem Ehrgeiz trotzdem auch noch Spaß an der Sache haben. Man muss solche „großen“ Momente auch genießen können, schließ­lich sind das Erinnerungen, die man sein ganzes restliches Leben mit sich herumträgt.

Service-Seiten Gesundheit: Wenn Sie drei Wünsche an eine gute Fee frei hätten – welche wären das?
Marc Lang: Hm. Schwierig. Das Problem ist, dass man gar nicht überblicken kann, ob ein Wunsch sich im Endeffekt auch wirklich als „gut“ erweist. Beispielsweise könnte Reichtum allerlei negative Folgen haben, die mir ohne das viele Geld erspart geblieben wären. Insofern würde ich vermutlich den ersten Wunsch dafür aufwenden, dass die Fee mir die Weisheit schenken möge zu erkennen, wie ich die noch verbleibenden zwei Wünsche für meine Familie und mich bestmöglich zum Einsatz bringe.

Service-Seiten Gesundheit: Vielen Dank für dieses Gespräch.

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