Artikel erschienen am 21.01.2016
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Umdenken im Mittelstand

Strategische Unternehmensfinanzierung wird immer wichtiger

Von Carl-Jan von der Goltz, Hamburg

Aktuelle Studien belegen: Eine breit angelegte Finanzierungsstruktur wird für mittelständische Unternehmen immer wichtiger. Neben der klassischen Kreditfinanzierung bei der Hausbank setzen Mittelständler dabei verstärkt auf alternative Finanzierungsmodelle und zusätzliche Geldgeber, um den finanziellen Spielraum zu erhöhen und unabhängiger zu sein. Angesichts der sich verschärfenden Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MaK) und der Umsetzung des Reformpakets des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Basel III) ist zu erwarten, dass auch Kreditinstitute stärker auf eine Zusammenarbeit mit anderen Finanzierern setzen, um gerade Unternehmen ohne Top-Bonitäten gemeinsam ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

Sondersituationen für zusätzlichen Liquiditätsbedarf

Zusätzlichen Liquiditätsbedarf gibt es in den ver­schiedensten Sondersituationen – z. B. für Umstruk­turierungsprozesse im Unternehmen oder die Vorfinanzierung von Aufträgen nach einer Sanierung. Auch für die Auszahlung von Gesellschaftern bei Unternehmensnachfolgen oder den Kauf von Unternehmen können zusätzliche finanzielle Mittel benötigt werden. Die vorzeitige Ablösung bestehender Finanzierungsformen wie Mezzanine, Mini-Bonds oder endfälligen Darlehen ist ein weiterer Anlass, warum im Betrieb eine höhere Liquidität gefragt sein kann. Für Unternehmen des produzierenden Gewerbes ist die rein objektbezogene und bonitätsunabhängige Finanzierungsform Sale-and-lease-back von gebrauchten Maschinen und Produktionsanlagen eine innovative Möglichkeit der Liquiditätsbeschaffung. Viele Betriebe haben enormes gebundenes Kapital in Form von gebrauchten Maschinenparks in der Werkshalle stehen. Beim Sale-and-lease-back werden diese verkauft und direkt zurückgeleast. So wird gebundenes Kapital im Rahmen einer reinen Innenfinanzierung gehoben und eine schnelle Zufuhr von Liquidität ermöglicht, die ohne Covenants flexibel zur Verfügung steht. Die Maschinen werden dabei durchgehend im Unternehmen weiter genutzt. Die Leasingraten stellen zudem abzugsfähige Betriebsausgaben dar und können im Rahmen der Gestaltungsmöglichkeiten als Teil- oder Vollamortisationsverträge so kalkuliert werden, dass sie fortlaufend aus dem Cashflow des Unternehmens geleistet werden.

Der Ablauf im Überblick

In der Praxis funktioniert das Verfahren wie folgt: Zuerst erfolgt eine vorläufige Bewertung des kompletten Anlagevermögens. Dies kann entweder im Rahmen der Schreibtischbewertung anhand eines detaillierten Anlage- und Leasingspiegels erfolgen oder mittels eines ggf. bereits vorliegenden Zeitwertgutachtens. Nach Abgabe eines indikativen Angebots und dessen Annahme erfolgt die gutachterliche Bewertung des Maschinenparks zu Zeitwerten vor Ort im Unternehmen. Diese Bewertung bildet die Basis des Sale-and-lease-back-Vertrages. Für die Umsetzung der Finanzierung werden weitere Unterlagen wie Eigentumsnachweise oder Sicherheitenfreigaben der Banken benötigt. Nach Eingang aller Unterlagen steht einer schnellen Abwicklung und Auszahlung des Kaufpreises nichts mehr im Wege. Durchschnittlich dauert der Vorgang von der Erstansprache bis zur Valutierung etwa sechs bis acht Wochen und funktioniert damit deutlich schneller als bei einem klassischen Kreditinstitut.

Voraussetzung: werthaltiger Maschinenpark

Das Unternehmen muss für eine Finanzierung über Sale-and-lease-back über einen diversifizierten, universal einsetzbaren und werthaltigen Maschinenpark verfügen. Die Assets müssen zudem mobil sein – immobile oder verkettete Anlagen, wie sie z. B. häufig in der Chemieindustrie zum Einsatz kommen, funktionieren bei diesem Finanzierungsansatz nicht. Damit eignet sich der Finanzierungsbaustein Sale-and-lease-back hervorragend für produktionslastige mittelständische Unternehmen, wie z. B. aus der Metall- bzw. Kunststoffbe- und -verarbeitung, dem Baugewerbe, der Lebensmittelherstellung, der Textilproduktion oder der Verpackungsindustrie.

Foto: Panthermedia/Niserin

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