Artikel erschienen am 23.01.2016
E-Paper

Erfolgsfaktor Einstellung

Kommunikationskultur der Mediation als Schlüssel zum Erfolg für gute Verhandlungsergebnisse

Von Cordula Ebeling, Braunschweig

Was hat Mediation, ein Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktlösung, bei dem ein neu­traler, allparteilicher Dritter, der Mediator, mit dem Ziel einer gewinnbringenden Lösung für alle Beteiligten („Win-Win“) vermittelt, mit Verhandlung zu tun?

Die Antwort ist einfach: Mediation bedeutet zwar im Kern Vermittlung (lat. Mediatio = Vermittlung), ist letztlich jedoch eine Verhandlung mit einer besonderen Kommunikationskultur.

Noch vor einigen Jahren belächelt, hat sich die Mediation inzwischen auch in Deutschland etabliert und gesellschaftliche Bedeutung erlangt: Seit dem 26.07.2012 gibt es ein Mediationsgesetz, das zwar kein Berufsrecht im eigentlichen Sinne darstellt, wohl aber zum Schutz des Verbrauchers erste allgemeine Standards für Mediatoren enthält.

Warum nun die Kommunikationskultur der Mediation allgemein auf Verhandlungen übertragen?

Vereinfacht könnte man antworten, weil Mediation sehr erfolgreich ist und es Sinn macht, alles, was erfolgreich ist, auch auf andere Bereiche zu übertragen. Bei genauerem Hinschauen gibt es für die Übertragung drei Gründe:

  • Mediation ist ein sehr erfolgreiches Verfahren; die Erfolgsquoten liegen bei ca. 80 – 90 %.
  • Die erarbeiteten Lösungen sind sehr nachhaltig.
  • Der Erfolg von Mediation und der Nachhaltigkeit der Ergebnisse liegt in der besonderen Kommunikationskultur.

Was genau macht die Kommunikationskultur der Mediation so besonders?

Allgemein lässt sich sagen, das Besondere der Kommunikationskultur der Mediation liegt in der Einstellung, mit der sowohl der Mediator als auch die Beteiligten in die Mediation gehen. Im Einzelnen sind es jedoch sieben Faktoren, die eine Rolle spielen.

Der erste Erfolgsfaktor betrifft die Einstellung des Mediators und liegt in dessen (1.) positiver Grundeinstellung den beteiligten Menschen gegenüber, der Akzeptanz der Beteiligten, wie sie sind. Die weiteren Erfolgsfaktoren betreffen vor allem die Einstellung der Beteiligten und liegen in (2.) deren Bereitschaft, jeweils auch dem Verhandlungspartner nicht nur ein gutes Ergebnis zu gönnen, sondern sogar aktiv daran mitzuarbeiten, (3.) dem Verhandeln auf Augenhöhe, (4.) dem Blick weg von der Vergangenheit hin zu Gegenwart und Zukunft, (5.) dem Verzicht, das eigene Recht/die eigene Position durchzusetzen, (6.) der Klärung der unterschiedlichen Beweggründe/Bedürfnisse/Interessen, also in der Beantwortung der Frage, „Was brauchen die Beteiligten, um sich zu einigen?“ (im beruflichen Kontext z. B. Anerkennung von Leistung, Sicherheit, Zugehörigkeit, Macht) sowie zu guter Letzt (7.) in deren Einbeziehung in das Verhandlungsergebnis – alles zugunsten des übergeordneten Ziels von „Win-Win“.

Fazit

Wer gute Verhandlungsergebnisse erreichen will, entscheidet sich bewusst, mit mediativer Kommunikationskultur zu verhandeln.

Ähnliche Artikel

Finanzen Steuern Recht

Shoot-out on the Plantation

Konfliktlösungsmechanismen in Equity Joint Ventures

Im globalisierten Wirtschaftsleben sind Unternehmenskooperationen nach wie vor beliebt. Erfolgt dies nicht durch vertragliche Vereinbarung, sondern durch die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens (Equity Joint Venture), ergeben sich durch die gesellschaftsrechtlich vermittelte Bindung erhöhte Risiken insbesondere in Fällen tief greifender Meinungsverschiedenheiten.

Hamburg 2015 | Dr. iur. Edzard A. Schmidt-Jortzig, Hamburg

Immobilien

Grenzenlos glücklich?

Die amtliche Grenzfeststellung als vorgerichtliches Streitschlichtungsverfahren

Fast jeder Grundstückseigentümer kennt das: An der Grenze zum Nachbargrundstück sollen bauliche Maßnahmen stattfinden. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Grenzverlauf. Ist es der an der Grenze befindliche Zaun oder die Mauer? Und wenn ja, auf welcher Seite des Zaunes oder der Mauer verläuft die Grenze nun genau?

Braunschweig 2013 | Dipl.-Ing. Andreas Schmidt, Braunschweig