Artikel erschienen am 28.04.2023
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Lichen sclerosus et athrophicans

Von Prof. Dr. med. Gerhard Grospietsch, Braunschweig

Es ist eine degenerative Erkrankung, die schon in sehr jungem Alter, gelegentlich schon vor der Pubertät, auftreten kann. Kennzeichnend ist eine weißlich-porzellanartige Haut des äußeren Genitales in sehr unterschiedlicher Ausprägung, die sich auf den Bereich des Dammes bis zum After ausbreiten kann. Sie ist vergesellschaftet mit einer Schrumpfung und Sklerosierung der Haut und des darunterliegenden Bindegewebes. Die Ursache ist bisher nicht bekannt, man diskutiert eine Autoimmunerkrankung.

Symptome

Die betroffenen Frauen leiden oft an einem quälenden Juckreiz sowie brennenden Schmerzen im Bereich des äußeren Genitales. Besonders nachts kratzen die Frauen unbewusst und verletzen sich, was zu zusätzlichen Beschwerden, oft zu Infektionen, führt. Sehr frühzeitig treten Beschwerden beim Verkehr auf. Bei Eintreten der Schrumpfung ist auch aus anatomischen Gründen und wegen starker Schmerzen in vielen Fällen Verkehr nicht mehr möglich. Diese Veränderungen gelten als Präkanzerosen (Krebsvorstufen), da in etwa 5 % ein Karzinom entstehen kann. Deshalb wird bei unklaren Veränderungen eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen.

Therapie

Therapeutisch kommen lokale Therapien mit Corticosteroiden (Cortison), Hormonen (Östrogenen), Retinoiden (Vitamin-A-Derivate) und systemisch Retinoide und Immunmodulatoren (Pimecrolimus, Tacrolimus) infrage. Extrem selten muss eine operative Entfernung der betroffenen Bereiche durchgeführt werden, was eine körperlich und seelisch verstümmelnde Operation darstellt.

Alle therapeutischen Maßnahmen sind extrem unbefriedigend und können die Beschwerden und das Voranschreiten der Erkrankung nicht wirklich beherrschen.

Aktuell werden drei neue energiebasierte Behandlung untersucht: photodynamische Therapie (PDT), hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) und fraktionierte CO2-Laser (FxCO2).

Die ersten Daten zeigen, dass diese neuen Therapien erfolgsversprechend sind.

Der hochintensive fokussierter Ultraschall (HIFU) stimuliert die Zellproliferation, Proteinsynthese und Revaskularisierung und beschleunigt so die Geweberekonstruktion. In den Studien wiesen bis zu 90 % der Patienten innerhalb von 6 Monaten nach der Behandlung eine Verbesserung der Symptome auf. Fast 10 % der Patienten berichteten jedoch über Nebenwirkungen, am häufigsten Hautverbrennungen und Blasenbildung.

Die fraktionierte CO2-Lasertherapie (FxCO2) hat ebenfalls positive Ergebnisse bei der Behandlung der Vaginalatrophie gezeigt. Dieser Lasertyp hat eine Wellenlänge von 10 600 nm, die einen oberflächlichen mikroablativen Effekt in Weichgeweben ermöglicht.

Knapp 90 % der Frauen berichteten über eine Besserung ihrer Juckreiz- und Schmerzsymptome.

Derzeit gibt es eine aktive randomisierte Studie, in der die Wirksamkeit der CO2-Lasertherapie bei Frauen mit biopsie-nachgewiesenem Lichen sclerosus untersucht wird. Der primäre Endpunkt für diese Studie ist die Verbesserung der histologischen Entzündung. Die Ergebnisse dieser Studie stehen noch aus.

Da bei der Applikation der Laserenergie im äußeren Genitalbereich leichtes Brennen und gelegentlich Beschwerden wie Nadelstiche auftreten können, wird ein lokales Anästhetikum aufgetragen.

Das geschädigte Gewebe wird gezielt durch die Laserenergie mit exakt definierter Eindringtiefe und Intensität denaturiert. Das darunterliegende gesunde Gewebe wird zur Regeneration und dem Wiederaufbau der Haut angeregt. Nach 3-4 Therapiesitzungen hat sich die Haut zunehmend, auch optisch, regeneriert. Die meisten Patientinnen sind dann weitgehend beschwerdefrei, Verkehr ist wieder möglich. Jüngste mikroskopische Untersuchungen belegen den Therapieerfolg und zeigen eine deutliche Überlegenheit gegenüber einer Cortisontherapie.

In den allermeisten Fällen ist auch eine lokale Therapie, insbesondere mit Cortison, nicht mehr notwendig.

Unterstützend ist die lokale Behandlung mit Fettsalben oder Ölen, z. B. Mandel- bzw. Olivenöl, sinnvoll und zu empfehlen.

Wie lange dauert die Behandlung mit der CO2-Lasertherapie?

Die Behandlung dauert etwa 10 Minuten. 3-4 Behandlungen im Abstand von 4-6 Wochen werden typischerweise durchgeführt und sind empfehlenswert. Eine einmal jährliche Nachbehandlung wird empfohlen, um die Linderung der Symptome zu erhalten.

Ist die CO2-Lasertherapie sicher?

Die Behandlungen sind sicher und effektiv mit wenig Beschwerden. Schwellungen und Gefühle des Wundseins können etwa 3-4 Tage anhalten. Es treten extrem selten Ausfallzeiten auf.

Die Alltagsaktivitäten können in aller Regel uneingeschränkt weitergeführt werden.

Folgebeschwerden oder Komplikationen treten nicht auf, insbesondere, wie oft vermutet, keine Verbrennungen oder Schäden an Nachbarorganen.

Wie schnell sind Ergebnisse zu erwarten?

Praktisch alle Patientinnen bemerken bereits nach der ersten Behandlung eine deutliche Erleichterung.

Kann man durch CO2-Lasertherapie den Lichen sclerosus heilen?

Eine Heilung des Lichen sclerosus ist leider nicht möglich. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Autoimmunerkrankung, deren Fortschreiten durch die regenerative Therapie aufgehalten wird. Insbesondere aber werden die betroffenen Frauen meist symptomfrei.

Wie oft sollte die CO2-Lasertherapie bei Lichen sclerosus wiederholt werden?

Nach der Primärtherapie, die 3-4 Sitzungen beinhaltet, besteht Symptomfreiheit meist für 12-18 Monate bei großer individueller Variabilität.

 

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