Artikel erschienen am 02.05.2015
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Eine Reise zu besserem Hören

Von Kristin Gundlach, Braunschweig
Kristin Gundlach
Kristin Gundlach
Hörcenter-Leiterin

Wer schlecht hört, kapselt sich meist ab. Ein Hörsystem hilft, im Alltag wieder unbeschwerter zu kommunizieren. Doch Schritt für Schritt müssen sich Gehör und Gehirn erst wieder an das Hören gewöhnen. Wie Hörsystemneulingen die Reise erleichtert wird, lesen Sie hier.

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf Reisen. Auf einer einsamen Insel mit viel Sonne und türkisblauem Meer. Doch irgendwann holt Sie die Stille ein und Sie wollen wieder unter Leute, sich austauschen. Der Weg zurück – zum Festland – kann ein beschwerlicher sein. Ähnlich verhält es sich, wenn man schlecht hört. Man zieht sich zurück, weil man nicht mehr alles versteht. Bis man sich dazu entscheidet, ein Hörsystem zu tragen. Und dann beginnt eine mehrwöchige Reise, die nicht immer einfach ist.

Der Hörakustiker wird dabei zum treuen Reisebegleiter. Denn gerade in der Eingewöhnungsphase ist eine einfühlsame Betreuung von besonderer Bedeutung. Damit besser hören auch zu besserem Verstehen führt, benötigt das Gehör viel Geduld, intensives Training und kompetente Beratung. Eine herausfordernde Zeit, die sich in drei Phasen der Hörgeräteanpassung unterteilen lässt:

Phase 1: Das richtige Hörsystem

In einem ausführlichen Beratungsgespräch mit dem Hörakustiker wird zuerst genau analysiert, in welchen Situationen der Betroffene wieder besser hören möchte. Gemeinsam werden die optimalen Hörsysteme ausgewählt, die kostenlos Probe getragen und individuell angepasst werden. In dieser ersten Phase – auch „apparative Phase“ genannt – prasseln viele neue oder bereits verlernte Höreindrücke auf den Betroffenen ein. Es geht nun darum, sich den Unterschied bewusst zu machen: Wie hört man ohne, wie mit Hörsystemen? Das Führen eines Hörtagebuches und der ständige Austausch mit dem Hörakustiker helfen beim Beantworten dieser Frage.

Phase 2: Das erste Erfolgserlebnis

In der sog. „psychoakustischen Phase“ wartet die größte Herausforderung auf den Hörgeräteträger. Denn er muss sich nun selbst motivieren, die Hörsysteme regelmäßig zu tragen – mindestens vier Stunden pro Tag. Je intensiver ein Hörsystem getragen wird, desto schneller schreitet der Gewöhnungsprozess voran und erste hörbare Erfolge stellen sich ein. Klänge, Töne und Geräusche, die zuvor noch in die Kategorie „neu“ gefallen sind, erkennt der Hörgeräte-Träger jetzt wieder und kann sie richtig zuordnen. Durch die intensive Reizung mit akustischen Signalen kommt es nach und nach zu einer Konditionierung der auditorischen Zentren im Hirn. Bei Fragen oder Problemen steht der Hörakustiker jederzeit zur Verfügung.

Phase 3: Der natürliche Höreindruck

In der dritten Phase – der „konsolidierenden Phase“ – wird es ernst: Es geht um das Verstehen von Sprache – dem eigentlichen Ziel jeder Hörgeräteversorgung. Auch hier ist laufendes Training wichtig. Zum Beispiel durch Gespräche mit Vertrauten, um das Sprach­verstehen zu verbessern. Nach 24 Wochen ist die Anpassung der Hörsysteme schließlich beendet. Der Hörgeräteträger hört wieder natürlicher, die Kommunikation im Alltag fällt leichter und die Lebens­qualität steigt – auch dank vieler technischer Möglichkeiten. So kann man mit Hörsystemen von heute z. B. auch telefonieren oder Musik hören.

Bild: Neuroth

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