Artikel erschienen am 16.05.2014
E-Paper

Diabetische Retinopathie

Von Dr. med. Katharina M. Dröge, Wolfsburg-Fallersleben

Die diabetische Retinopathie wird durch die Zuckerkrankheit hervorgerufen. Betroffen sind häufig die kleinen Gefäße der Netzhaut (Mikroangiopathie), die am Augenhintergrund angeschaut werden können. Unbehandelt kann die Erkrankung zur Erblindung führen. Jährliche augenärztliche Kontrollen sind erforderlich. Die beste Vorbeugung besteht in einer optimalen Therapie der Grunderkrankung Diabetes mellitus. Der Hausarzt muss zusammen mit dem Patienten eine gute Blutzuckereinstellung vornehmen.

Formen der diabetischen Retinopathie

Im Frühstadium der diabetischen Retinopathie kommt es zunächst zu Gefäßveränderungen wie Aussackungen oder Undichtigkeiten der Gefäße. Durch die undichten Gefäße können Bestandteile des Blutes – z. B. Proteine, Serum oder Blutzellen – in die Netzhaut austreten. Der Augenarzt erkennt dann Ablagerungen oder Flüssigkeit in der Netzhaut. Kleine punktförmige Blutungen auf der Netzhaut sind zu sehen. Im Verlauf kommt es dann zu meist kleinen Gefäßverschlüssen. Die Netzhaut wird ohne eine gute Durchblutung nicht mehr ausreichend versorgt. Wachstumsfaktoren werden produziert, sodass neue Gefäße wachsen, um die nicht durchbluteten Areale der Netzhaut zu versorgen. Dies führt dazu, dass sich neue Gefäße bilden, die dringend behandelt werden müssen.

Eine Flüssigkeitsansammlung in der Mitte der Netzhaut – der Makula, auch als sogenanntes „Makulaödem“ bekannt – kann in jedem Stadium der diabetischen Retinopathie auftreten und ist die einzige Komplikation, die auch in einem frühen Stadium das Sehen bedrohen kann.

Wichtig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Bei Diabetes mellitus Typ II besteht häufig schon bei Diagnose eine Mikroangiopathie.Die Krankheitshäufigkeit 20 Jahre nach der Entdeckung des Diabetes steigt auf über 90 % an. In den ersten Jahren reichen jährliche Augenhintergrunduntersuchungen. Wenn sich erste Krankheitszeichen an der Netzhaut zeigen, sollten die Intervalle auf 3–6 Monate verkürzt werden. Auch für den Augenarzt von Wichtigkeit ist der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c-Wert), der die Blutzuckereinstellung über 3 Monate hinweg anzeigt. Besteht ein Therapiebedarf, kann der Augenarzt durch die regelmäßigen Kontrollen in einem frühen Stadium der Erkrankung handeln und meist eine Sehminderung verhindern.

Welche Möglichkeiten gibt es, den Diabetes am Auge weitergehend zu untersuchen?

Je nachdem, welcher Teil der Netzhaut des Auges betroffen ist, wird therapiert. Die Farbstoffuntersuchung (Angiographie) ist die Methode der ersten Wahl, um die Durchblutung der Netzhautgefäße darzustellen. Bei dieser Untersuchung wird ein Farbstoff in die Armvene gespritzt, während der Augenarzt oder Assistent zahlreiche Fotos von der Netzhaut macht. Hier können vor allem durchlässige Gefäße und nicht-durchblutete Netzhautareale detektiert werden. Mit der optischen Kohärenztomografie (OCT) kann ein Ödem der Makula gut festgestellt werden.

Kann man den Diabetes am Auge heilen?

Grundsätzlich ist Diabetes nicht heilbar. Jedoch kann durch eine gute Blutzuckereinstellung eine Retinopathie verzögert werden. Bei Patienten, deren Diabeteserkrankung durch die Transplantation einer Spenderbauchspeicheldrüse behandelt wird, bildet sich eine Retinopathie häufig zurück.

Netzhautlasertherapie

Eine Notwendigkeit zur Lasertherapie der Netzhaut besteht immer dann, wenn sich kranke neue Blutgefäße bilden. Hierbei werden Randbereiche der Netzhaut verödet, um die wertvolle Makula zu retten. Eine fokale Laserkoagulation im Bereich der Makula wird bei einem Makulaödem angewandt. Die Behandlung führt in der Regel zu einer Stabilisierung der Sehschärfe.

Lucentis oder Avastin – die Spritzentherapie gegen Wachstumsfaktoren

Seit Januar 2011 ist das Medikament Lucentis (Ranibizumab) für die Behandlung des diabetischen Makulaödems zugelassen. Des Weiteren wird auch das Off-label-Medikament Avastin (Bevacizumab) eingesetzt. Diese Medikamente werden monatlich in das Auge gespritzt. Sie fangen Wachstumsfaktoren im Auge ab, sodass sich die Netzhautmitte meist schnell wieder erholt. Gerade bei einem frischen Makulaödem kann gut therapiert werden, sodass sich häufig auch die Sehschärfe wieder erholt. Eine Kortisoninjektion wird ebenfalls eingesetzt.

Operation

Bei einer Blutung in das Augeninnere – in den Glaskörper oder bei einer Netzhautablösung – ist eine Netzhautoperation notwendig. Hierbei wird der Glaskörper des Auges entfernt und durch Gas oder Silikonöl ersetzt, damit die Netzhaut in ihrer Lage gehalten wird.

Neue Therapiemöglichkeiten

In naher Zukunft wird eine Zulassungserweiterung des Medikamentes Ozurdex® für das diabetische Makulaödem erwartet. Hierbei handelt es sich um ein stäbchenförmiges, nicht sichtbares Kortisonimplantat, welches in das Auge injiziert wird. Bereits zugelassen ist Iluvien®, ein weiterer Medikamententräger für die Einbringung in den Glaskörper.

Ähnliche Artikel

Gesundheit

Der „grüne Star“ – Laser statt Tropfen

Sanfte Alternative in der Glaukomtherapie

Beim „grünen Star“ – medizinisch auch Glaukom genannt – handelt es sich um eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen es zum unumkehrbaren Schwund der Sehnervenfasern kommt. Die Selektive Laser-Trabekuloplastik (SLT) ist eine einfache und doch hochwirksame Lasertherapie zur ambulanten Augendrucksenkung.

Braunschweig 2016/2017 | Dr. Pia Rita Peter, Braunschweig

Gesundheit

Sichere und bewährte Narkoseverfahren bei Augenoperationen

Viele Patienten, die sich einer Augenoperation unterziehen müssen, leiden oft unter starken Ängsten vor dieser Operation. Diese müssen sehr ernst genommen werden, da sie sich in der Phase vor, während und nach der Operation negativ auf das Ergebnis und den Allgemeinzustand der Patienten auswirken können.

Braunschweig 2015/2016 | Vital Geibel, Wolfsburg-Fallersleben | Dr. med. Rolf Grote, Wolfsburg-Fallersleben