Artikel erschienen am 28.06.2016
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23G Pars-plana-Vitrektomie als minimalinvasive Netzhautchirurgie

Entfernung eines krankhaft veränderten Glaskörpers

Von Dr. med. Eike Berger, Wolfsburg-Fallersleben

Als Pars-plana-Vitrektomie (PPV) wird die Operation zur Entfernung des sog. Glaskörpers bezeichnet. Der Glaskörper füllt den Raum zwischen der hinteren Augapfelwand und der Augenlinse vorne aus.

Bestehen in diesem Glaskörper Veränderungen wie Einblutungen, Trübungen oder Verdichtungen, kann hierdurch das Sehen beeinträchtigt sein. Eine Entfernung des Glaskörpers mit seinen krankhaften Veränderungen und der gleichzeitige Ersatz durch eine wässrige Lösung, ein Gas-Luftgemisch, Luft oder Silikonöl kann in diesen Fällen das Sehen wieder ganz oder teilweise herstellen bzw. stabilisieren. Sollten krankhafte Veränderungen auf der Netzhautoberfläche vorhanden sein, so muss der Glaskörper immer entfernt werden, um nachfolgend die Netzhautveränderungen zu behandeln.

Zur Entfernung des Glaskörpers werden 3 Öffnungen in der Augapfelwand lamellär angelegt (Abb. 1). Die erste Öffnung dient dem Anschließen einer Infusion, die den Augapfel in dem Maß, wie der Glaskörper entfernt wird, wieder mit Flüssigkeit auffüllt. Über die zweite Öffnung wird ein Lichtleiter eingeführt. Die dritte Öffnung ist für Instrumente bestimmt, die zur Entfernung des veränderten Glaskörpers benötigt werden, wie Saug-Schneide-Instrumente, Pinzetten und Scheren. Der Einblick in das Auge wird über ein Mikroskop durch die erweiterte Pupille gewährleistet. Viele Patienten glauben, dass das Auge während der Operation herausgenommen wird. Dem ist nicht so, das Auge verbleibt immer an seinem Ort.

Der Durchmesser der von uns benutzten Instrumente liegt unter 0,6 mm. Damit die Instrumente problemlos gewechselt werden können, setzen wir kleine Führungsröhrchen aus Metall ein, durch die die Instrumente in das Augeninnere eingeführt werden.

Am Ende der Operation werden die Führungsröhrchen entfernt. Die Öffnungen in der Augapfelwand verschließen sich von allein, ohne dass genäht werden muss. Dadurch ist die Heilungszeit nach der Operation sehr kurz und es entsteht nach der Operation kein Fremdkörpergefühl durch eine Naht.

Die Operation erfolgt unter örtlicher Betäubung und allgemeiner Sedierung. Eine Vollnarkose ist nur selten notwendig.

Die Prognose nach einer Glaskörperentfernung hängt in erster Linie von der ursprünglichen Erkrankung ab. Eine Glaskörperblutung kann problemlos entfernt werden. Die Aussicht auf eine deutliche Sehschärfenverbesserung ist in den meisten Fällen gegeben. Netzhautmembranen können gut entfernt werden und oft kommt es zur Stabilisierung der Sehschärfe (Abb. 2a und 2b). Eine Netzhautablösung lässt sich mit einer Vitrektomie gut behandeln, die Prognose richtet sich hier ebenfalls danach, wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Operation fortgeschritten war.

Abb. 2a: OCT-Befund vor der OP (PpV) bei epiretinaler Membran mit massiver Wasseransammlung (Ödem) an der Stelle des schärfsten Sehens (Makula)

Abb. 2b: OCT-Befund nach der OP (PpV) bei epiretinaler Membran ohne Wasseransammlung (Ödem) an der Stelle des schärfsten Sehens (Makula)

Gibt es Risiken bei der Pars-plana-Vitrektomie?

Natürlich ja! Es gibt keine Operation ohne Risiken. Allerdings sind die Risiken nicht nur gering, sondern vor allen Dingen i. d. R. kleiner als jene Risiken, die man auf sich nimmt, wenn man die Erkrankung des Auges nicht entsprechend behandelt.

Verhaltensregeln bez. der Hygiene nach der Operation, im Hinblick auf die Belastungsgrenzen sowie die Kopfhaltung tagsüber und nachts, erhält jeder Patient individuell auf seine Situation abgestimmt.

Fotos: AugenZentrum Wolfsburg

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