Artikel erschienen am 16.05.2014
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Bärenstarker Einsatz für kranke Kinder

Von Matthias Steiner, Frankfurt am Main

Er war der stärkste Mann der Welt: Seinen größten Triumph feierte der Gewichtheber Matthias Steiner 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking. Der Weg dahin war alles andere als sonnenklar: Seit dem 18. Lebensjahr ist Steiner Typ-I-Diabetiker. Damals wurde ihm gesagt, dass er mit dem Leistungssport aufhören müsse. Doch Steiner ist nicht der Mensch, der aufgibt. Auch heute spielt Gesundheit eine große Rolle in seinem Leben. Er engagiert sich für Kinder mit Diabetes, für ein Kinderhospiz und ist Botschafter der Kinderhilfe Organtransplantation, die seit zehn Jahren organkranke Kinder und deren Familien vor und nach einer Transplantation in sozialen Notlagen unterstützt. Dort koordiniert er auch die neue Patenschaft des FC Bayern München. Wir haben Matthias Steiner getroffen und nachgefragt.

Herr Steiner, wie unterstützen Sie die Kinderhilfe Organtransplantation?

Matthias Steiner: Ich bin Botschafter für KiO – zusammen mit über hundert Olympiasiegern, Weltmeistern und Europameistern. Zugleich bin ich Mittelsmann zwischen der KiO und dem FC Bayern, der sich in einer neuen Patenschaft zusammen mit seinen Kapitänen und Nationalspielern Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger als Fürsprecher für KiO engagiert. Ich versuche dadurch, eine noch größere Reichweite für die dringend benötigte Unterstützung zu bekommen. Vorher habe ich bereits die bundesweite Kampagne für den Organspendeausweis unterstützt, für die ich nach wie vor unermüdlich Werbung mache.

Wie nehmen Sie die Reaktionen der Menschen auf Ihr Engagement wahr?

Steiner: Im Allgemeinen äußerst positiv. Wichtig ist mir, alle Meinungen zu respektieren. Ich möchte ja niemanden zur Entscheidung zwingen, ob er Organe spenden möchte oder nicht. Meine Aufgabe ist es, darauf aufmerksam zu machen und, wenn nötig, den Leuten weitere Informationen zukommen zu lassen, um Entscheidungen zu erleichtern.

Mit neuen persönlichen Bestleistungen in den beiden Teildisziplinen Reißen und Stoßen und einem Gesamtgewicht von 461 Kilo holte Matthias Steiner 2008 den Olympiasieg im Superschwergewicht.

Was raten Sie Menschen, die zögern, einen Organspendeausweis auszufüllen?

Steiner: Will man, dass das die eigene Familie in einer äußerst schwierigen Situation entscheiden muss? Man sollte den Ausweis unbedingt tragen, sogar wenn man das „Nein“ angekreuzt hat. Wichtig ist, dass man selbst die Entscheidung trifft!

Sie sind selbst Vater. Können Sie sich in die Situation von Eltern hineinversetzen, deren Kind ein neues Organ braucht?

Steiner: Ich kann es mir nur vage vorstellen. Allein schon der Gedanke, dass eines meiner Kinder in so eine Situation gerät, kann mich nicht kaltlassen. Vor allem geht es ja bei KiO nicht nur um die Organspende, sondern man muss sehen, welche Tragik dann erst folgt. Finanzielle Probleme, Stresstest für die Beziehung, Geschwisterbenachteiligung und mitunter sogar soziale Isolation bis hin zum sozialen Abstieg. Ein Albtraum.

Sie stricken erfolgreich an einer Karriere nach dem Sport. Was sind Ihre nächsten Pläne?

Steiner: Ich halte Motivationsvorträge, bin teilweise auch beruflich zum Thema Diabetes unterwegs, hatte letztes Jahr im Fernsehen eine eigene Show und versuche, daran anzuknüpfen. Außerdem ist das Thema Ernährung etwas, was mich in Zukunft auch interessieren könnte.

Vielen Dank, Herr Steiner. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg – für Sie und für die KiO!

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