Artikel erschienen am 18.12.2023
E-Paper

Bandscheibenersatz an der Halswirbelsäule

Bewegungserhalt bei Halswirbelsäulenoperationen

Von Daniel Kümpfel, Braunschweig
Daniel Kümpfel
Daniel Kümpfel
Oberarzt der Orthopädischen Klinik und Leiter der Sektion Wirbelsäulenorthopädie

Anfang der 1990er-Jahre wurden erste Modelle in relevantem Umfang implantiert, es folgte die technische Weiterentwicklung und schließlich ein breites Angebot von Bandscheibenprothesen unterschiedlichen technischen Designs. Um die Jahrtausendwende war dann ein „Hype“ um die modernen Implantate entstanden – Bandscheibenprothesen kamen häufig zur Anwendung. Vereinzelt mussten auch Prothesen aufgrund technischer Mängel wieder vom Markt genommen werden.

Foto: HEH, AdobeStock/Knopp-Pictures

Bewährte Operationsmethode ist die Versteifung

Seit Jahrzenten etabliert und weiterhin „Goldstandard“ ist der operative Zugang zur Halswirbelsäule von vorne. Hierdurch können die meisten Pathologien wie z.B. Bandscheibenvorfälle, Verengungen des Wirbelkanals und der Nervenaustrittslöcher erreicht werden. Der Zugang erfolgt über den Zwischenwirbelraum, was eine Entfernung der dort befindlichen Bandscheibe notwendig macht. Nach Beseitigung des pathologischen Befundes wird ein Platzhalter im Zwischenwirbelraum eingefügt und ggf. zusätzlich eine Titanplatte an den Wirbelkörpern montiert und das Bewegungssegment somit versteift. Der Nachteil ist eine vermehrte mechanische Belastung der Nachbarsegmente, was zu einem beschleunigten Verschleiß und ggf. zu erneuten Problemen oder gar weiteren Operationen führen kann.

Erhalt der Beweglichkeit durch Prothese

Anstelle des starren Platzhalters kann alternativ auch eine bewegliche Bandscheibenprothese im Zwischenwirbelraum, bei modernen Implantaten ohne wesentlichen operativen Mehraufwand, platziert werden. Die Beweglichkeit der Wirbelkörper und Wirbelgelenke bleibt mit der Prothese erhalten.

Trotz des bestechenden Konzeptes konnte bisher in klinischen Studien kein eindeutiger Vorteil zugunsten der Prothesen nachgewiesen werden. Im Langzeitverlauf findet sich eine etwas geringere Rate an erneuten Operationen. Es scheinen insbesondere jüngere Patienten ohne weit fortgeschrittenen Verschleiß, Achsfehlstellungen oder Instabilitäten von Prothesen zu profitieren, sodass eine sorgfältige präoperative Patientenselektion für das Ergebnis essenziell ist.

Ähnliche Artikel

Gesundheit

Keramikimplantate in der zahnärztlichen Praxis

Die Nachfrage von Patienten nach metallfreiem Zahnersatz steigt, möglicherweise bedingt durch die Amalgamdiskussion und durch die Schädigungen von Palladium Legierungen bei Kronen und Brückenversorgungen in den 1990er-Jahren.

Braunschweig/Wolfsburg 2020 | PD Dr. med. Dr. med. dent. Eduard Keese, Braunschweig

Gesundheit

Das diabetische Fußsyndrom

Unter diabetischem Fußsyndrom versteht man alle krankhaften Veränderungen am Fuß eines Menschen mit Diabetes mellitus.

Gesundheit 2024 | Dr. med. Hisham Kawara, Braunschweig | Prof. Dr. med. Frank Schmitz, Braunschweig