Artikel erschienen am 03.05.2023
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Blasenschwäche, Inkontinenz, plötzlicher Harndrang, häufige Blasenentzündung

Von Prof. Dr. med. Gerhard Grospietsch, Braunschweig

Die Lebensqualität kann dadurch massiv eingeschränkt sein. Die Probleme nehmen mit fortschreitendem Alter zu und prägen sich besonders im Klimakterium aus.

Als Belastungsinkontinenz wird dabei der unwillkürliche Urinverlust bei körperlichen Anstrengungen oder Niesen oder Husten bezeichnet.

Die Belastungsinkontinenz ist in bis 50 % mit einer überaktiven Blase vergesellschaftet. Es kommt hierbei zu einem plötzlichen Harndrang mit oder ohne Urinverlust.

Schon in jungen Jahren können bei Veranlagung und/oder bei Frühschädigungen häufig Blasenentzündungen auftreten, die bis ins hohe Alter immer wieder Anlass zu Antibiotika-Therapien geben.

Eine ausführliche Anamnese ist der erste Schritt bei der Abklärung der Harninkontinenz; auch die geburtshilfliche und gynäkologische Vorgeschichte, relevante Begleiterkrankungen, Medikamente sind wichtig, um einen Therapieplan zu erstellen.

Durch validierte Fragebögen können die Symptome, der Schweregrad der Inkontinenz und die Beeinträchtigung der Lebensqualität erfasst werden. Miktionstagebücher sind hilfreich bei der Quantifizierung der Häufigkeit des Wasserlassens während des Tages und der Nacht und der Erfassung von Inkontinenzepisoden.

Bei jeder neu aufgetretenen Inkontinenz sollte eine symptomatische Harnwegsinfektion durch eine Urinuntersuchung ausgeschlossen werden.

Therapiemöglichkeiten

Konservativen Therapiemöglichkeiten stellen den ersten Schritt in der Behandlung dar. Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor für die Belastungsinkontinenz bei Frauen. Ein Gewichtsverlust um mehr als 5 % verbessert die Inkontinenzbeschwerden deutlich.

Die aktuellen Leitlinien empfehlen bei einer Belastungsinkontinenz ein Beckenbodentraining über mehr als drei Monate, kombiniert mit einem Blasentraining. Besonders in der Schwangerschaft und nach der Geburt soll ein Beckenbodentraining zur Vorbeugung einer Inkontinenz eingesetzt werden.

Medikamentöse Therapien und auch die Pessarbehandlung haben eine festen Stellenwert in der Behandlung der Belastungsinkontinenz.

Die operative Therapie der Belastungsinkontinenz sollte erst nach Ausschöpfen der konservativen Therapie in Betracht gezogen werden.
Vor jedem operativen Eingriff sollte ein ausführliches Gespräch vorangehen, bei dem über die Vorteile und Risiken und alternativer Therapieoptionen informiert wird.

Aufgrund der guten Ergebnisse mit Heilungsraten von 75 % nach einem Jahr kann eine operative Bandeinlage Frauen mit unkomplizierter Belastungsinkontinenz als primäre operative Therapie angeboten werden, wenn die konservativen Massnahmen keinen Erfolg gezeigt haben.

Die transvaginale Lasertherapie wird aktuell als weniger invasive Behandlungsoption angeboten.

Die CO2- oder der Erbium-Yag-Lasertherapie bewirken eine Anregung körpereigener Regenerationsmechanismen.

Die beiden Laser haben unterschiedliche Wellenlängen, ihre Wirkung ist jedoch vergleichbar. Sie ist gekennzeichnet durch eine Regeneration des vaginalen Epithels und des darunterliegenden subepithelialen Gewebes (Lamiana propria). Mikroskopisch nachweisbar wird degeneratives Epithel wieder vielschichtig und lagert erneut Glykogen ein. Subepithelial wird die Bildung von kollagenen und elastischen Fasern angeregt, was zur Einlagerung vom Flüssigkeit und Hyaluronsäure führt. Es bilden sich neue Kapillaren, die zu einer verbesserten Sauerstoffversorgung des Gewebes führt. Zudem festigt sich der Beckenboden und die Schließmuskel von Harnröhre und Blase zeigen eine verbesserte Funktion. Allerdings gibt es derzeit keine veröffentlichten größeren Studien, die die Langzeiteffekte der mikroablativen CO2-Laserbehandlung für Stressinkontinenz untersucht haben

Weitere Untersuchungen zeigen, dass sich leichte und mittlere Inkontinenzprobleme bis zu 80 % bessern können, aber auch eine absolute Inkontinenz kann zurückgehen. Allerdings ist nicht mit einer völligen Dichtigkeit der Blase zu rechnen.

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