Artikel erschienen am 10.05.2013
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Musik wirkt sich positiv auf die Entwicklung von Kindern aus

Von Wolfram Bäse-Jöbges

„Musik ist künstlerischer Ausdruck menschlichen Seins. Sie ist Sprache und fordert zur Kommunikation auf. Wie jede Sprache hat sie ihre Grammatik und ihre Vokabeln, die man umso sicherer beherrscht, je früher man sie erlernt. Musizieren bereichert die Lebensqualität.“ (Dr. Linde Tiesbrummel, Ärztin)

Musizierende Kinder üben nicht nur das Notenlesen und verbessern ihre Feinmotorik am Instrument, sie schneiden auch bei Gedächtnistests deutlich besser ab als nicht musizierende Kinder, berichtet Agnes Chan von der Universität Hongkong. Beim Musizieren gemeinsam mit anderen Kindern lässt sich darüber hinaus eine höhere soziale Verantwortung feststellen.

In einer Langzeitstudie an Berliner Grundschulen in den Jahren 1992 bis 1998 fand man heraus, dass Kinder lernen, an einer Sache dranzubleiben, auch wenn sie nicht sofort klappt – eine Grundvoraussetzung für viele andere Tätigkeiten in unserem Leben. Weiter hat die Langzeitstudie gezeigt, dass Musizieren die Konzentration fördert und sich auf die gesprochene Sprache auswirkt. Es ist festgestellt worden, dass musizierende Kinder sich besser ausdrücken können und über einen größeren Wortschatz verfügen. Auch das Gehirn wird durch Musik trainiert. Während die linke Gehirnhälfte für Rhythmus und Takt zuständig ist, weiß die rechte um Harmonien und Melodien. Kinder sind von Geburt an neugierig auf Musik. Die beste Zeit, Kinder an Musik heranzuführen, ist daher im Vor- und Grundschulalter. In dieser Altersstufe leben Kinder stärker sinnbezogen als rational und sind besonders offen für sinnliche Wahrnehmungen.

Anne-Sophie Mutter stellt in einem jüngst veröffentlichten Bericht fest, dass Musik an den Schulen eigentlich kein Randfach ist, sondern vielmehr eine Grundlage für viele andere Fächer darstellen kann.

Befragt man heute Eltern nach der Reihenfolge der wichtigsten Lehrinhalte an Schulen, dann landet Musik in den meisten Fällen auf einem der letzten Plätze. Vielen Eltern und Politiker ist der Zusammenhang zu anderen Fächern nicht bekannt. Es besteht häufig noch die Meinung, dass Musik ein Fach ist, in dem man sich von den harten Anforderungen in Mathematik etwas ausruhen kann.

Bei all den Erkenntnissen von Wissenschaftlern und Musikpädagogen ist sicherlich die Forderung nach regelmäßigem Musikunterricht, insbesondere an Grundschulen, berechtigt. Viel wichtiger aber ist es, dass Musik zu Hause gelebt wird. Dazu gehört auch das Singen, denn das „Instrument Stimme“ verursacht keine Anschaffungskosten und hat für Stimmbildung, Ausdruck und Kommunikation eine eminente Bedeutung. Auch das Erlernen einer entsprechenden Atemtechnik beim Singen wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden aus. Darüber hinaus kann es anregend sein, Geräusche aus der Natur zu erkunden und diese mit rhythmischem Topfschlagen zu begleiten. Je intensiver Musik zu Hause gelebt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich ein Kind für Musik interessiert.

Neben der Schule und dem Elternhaus haben sich in den letzten Jahren sowohl die kommunalen als auch die privaten Musikschulen auf die neuen Herausforderungen eingestellt. Zum Erlernen eines Instruments wird immer häufiger Gruppenunterricht angeboten, weil Kinder in der Gruppe oft schneller und einfacher lernen. Für die ganz Kleinen empfehlen einige Musikschulen Kurse für rhythmische Früherziehung.

Fazit

Wie so oft im Leben haben wir es mal wieder zu großen Teilen selbst in der Hand, ob sich die Zukunft unserer Kinder musikalisch entwickelt.

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