Artikel erschienen am 17.05.2015

Stabil

Chiropraktik bringt Gleichgewicht in die Körperstatik

Von Steffen Stumpp, Braunschweig

Im Laufe des Lebens haben ca. 80 % aller Menschen mit Rückenschmerzen zu tun. In Deutschland haben statistisch gesehen zurzeit 27 – 40 % der Menschen Rückenschmerzen. Bei über 20 % der Bevölkerung ergeben sich chronische Verläufe. Die Wirbelsäule ist das biomechanische Zentrum unseres Körpers und somit betreffen die Folgen von Rückenschmerzen alle Lebensbereiche. Neben einer subjektiv wahrgenommenen reduzierten Gesundheit sind die Auswirkungen für die betroffenen Patienten im Alltag, im Beruf und in der Freizeit oft schwerwiegend. Betroffen sind beide Geschlechter und alle Altersstufen, wobei die Beschwerden am häufigsten im mittleren Lebensalter auftreten, also in der wichtigsten Produktivitäts- und Leistungsphase. Die Krankenkassen melden Jahr für Jahr, dass Rückenschmerzen die Ranglisten der Erkrankungen mit den längsten Arbeitsunfähigkeitszeiten anführen.

Liegt keine ernsthafte Schädigung des Bewegungsapparates vor und sind schwerwiegende Krankheiten als Ursache eines Rückenschmerzes ausgeschlossen, handelt es sich oftmals um reversible Funktionsstörungen infolge von Fehlbelastungen. Wenn man die Biomechanik des Körpers anschaut, wird deutlich, warum Rückenschmerzen so häufig auftreten. Unter dem Begriff „Rückenschmerz“ ist in vielen Fällen ein Schmerz in der unteren Lendenwirbelsäule gemeint, oftmals auch einseitig an einem der Beckengelenke lokalisiert, einhergehend mit einer Torsion des Beckens. Durch die aufrechte Haltung des Menschen bedingt, wird ein Großteil der mechanischen Lasten im Körper über das Becken abgetragen. Aus funktioneller Sicht kann man einen Rückenschmerz als einen „Fehler im Tragwerk“ interpretieren. Dieser Fehler ist nach neuen Erkenntnissen größtenteils jedoch nicht durch quantitative muskuläre Schwächen bedingt, wie sie durch mangelndes Training entstehen, sondern auf der Ebene der Muskelsteuerung verankert. Dieses erklärt auch, warum selbst austrainierte Profisportler biomechanische Probleme haben können.

Der menschliche Körper besitzt über 600 Muskeln. Für Bewegungen verantwortlich ist eine höchst präzise Koordination der beteiligten Muskelgruppen durch das Gehirn. Bei Belastungen kommt es darauf an, dass innerhalb von Sekundenbruchteilen Gelenke stabilisiert werden können, um so die auf den Körper wirkenden Kräfte durch Gegenkräfte abzufangen. Kommt es in der Muskelsteuerung zu Veränderungen, kann bspw. ein Knie beim Joggen nicht richtig stabilisiert werden und entwickelt Schmerzen und Überlastungen. Auch eine kleine „falsche“ Bewegung kann ausreichen, um den nächsten „Hexenschuss“ auszulösen, da die Muskulatur nicht adäquat auf die Belastung des Körpers reagiert.

Die Muskulatur des Körpers funktioniert von Natur aus symmetrisch. Im Laufe des Lebens ist der Körper jedoch vielfältigen Reizen ausgesetzt. Besonders nozizeptive Reize (bewusste und unbewusste Schmerzreize) zwingen den Körper, seine Bewegungsabläufe zu verändern. Man spricht nach einer Verletzung auch von einer Schon- oder Fehlhaltung. Leider ist es jedoch so, dass auch nach dem Heilen einer Verletzung noch Reste der modifizierten Bewegungsabläufe vorhanden sind. Dieses Phänomen wurde bereits vor über 50 Jahren von Janet Travell, MD (Ärztin im Weißen Haus unter John F. Kennedy) beobachtet.

Durch neuartige funktionelle Analysen der Muskulatur können Schonhaltungen aufgedeckt werden und in vielen Fällen auch in einen genauen kausalen Zusammenhang gestellt werden, wo der Auslöser der muskulären Instabilität des Rückens liegt. So kann bspw. bei einem Rückenschmerz nach einem Bänderriss im Fuß die zusätzliche Behandlung des Knöchels dem Rücken mehr Stabilität geben, als die Behandlung des Rückens alleine.

Mit der qualifizierten Chiropraktik gibt es ein Werkzeug, welches nachweislich bei vielen biomechanischen Schmerzen helfen kann. Die Chiropraktik zählt neben der Schul- und Zahnmedizin zu den drei größten und bedeutendsten Heilberufen weltweit. Das Wort Chiropraktik kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „mit der Hand behandeln”. Chiropraktische Behandlungen sind seit Jahrtausenden bekannt. Schon bei Hippokrates, dem „Vater der Medizin”, finden sich Dokumente über eine Wirbelsäulentherapie, die mit den Händen ausgeführt wurde. In Deutschland ist die Chiropraktik zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht als eigenständiger akademischer Heilberuf anerkannt. Die Chiropraktik ist bei richtiger Indikationsstellung und erfahrenem Chiropraktor äußerst risikoarm und kann am gesamten Bewegungsapparat Anwendung finden.

Anwendungsgebiete der Chiropraktik:

  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Ischiasbeschwerden
  • Schulter-, Ellbogen- und Handgelenkbeschwerden
  • Hüft-, Knie- und Fußbeschwerden
  • muskuläre Dysbalancen im gesamten Bewegungsapparat
  • reversible organische Funk­tionsstörungen mit biomechanischem Hintergrund wie z. B. KISS, Dreimonatskoliken

Foto: Jan von Deichen

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