Artikel erschienen am 01.05.2015
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Makulaerkrankungen – erfolgreich behandeln

Von Dr. med. Iris Nachbar, Helmstedt | Dr. med. Katharina M. Dröge, Wolfsburg-Fallersleben | PD Dr. med. Tobias Hudde, Wolfsburg-Fallersleben

Viele Makulaerkrankungen (Macula lutea = gelber Fleck, „Stelle des schärfsten Sehens“) können heute mit Anti-VEGF-Medikamenten (VEGF = vascular endothelial growth factor) erfolgreich behandelt werden. Häufig bleibt dadurch über viele Jahre eine gute Sehschärfe erhalten. Weitere Medikamente auf Kortison- bzw. Enzymbasis (Dexamethason bzw. Ocriplasmin) bereichern das therapeutische Repertoire, zu dem auch der Argonlaser und in Einzelfällen die Photodynamische Therapie (PDT) sowie Operationen zählen. Für eine bestmögliche Behandlung jedes einzelnen Patienten sind neben der Anamnese und einer zielgerichteten Diagnostik angepasste Therapieschemata erforderlich. Eine kluge Planung ermöglicht oft dauerhaft gutes Sehen und kann zahlreiche Augenarztbesuche einsparen helfen.

Vor 15 Jahren konnten Augenärzte Patienten mit altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) nur trösten. Heute ist eine Behandlung z. B. der feuchten AMD mit Anti-VEGF-Medikamenten Standard. Weil eine Heilung nur selten möglich ist, müssen fast alle Patienten mit Makulaerkrankungen dauerhaft zu Kontrollen bzw. zu Behandlungen kommen. Der demografische Wandel sowie Ernährungsgewohnheiten (Diabetes mellitus) bewirken, dass laufend neue Patienten mit Makulaerkrankungen dazukommen. Dies stellt eine logistische Herausforderung dar und macht eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Augenärzten, egal ob in der Einzelpraxis vor Ort oder in spezialisierten Zentren, erforderlich. Ziel ist es, mit so wenig Untersuchungen und Behandlungen wie möglich die Sehschärfe dauerhaft zu erhalten.

Anamnese

Je plötzlicher und ausgeprägter eine Sehstörung ist, desto schneller muss eine augenärztliche Untersuchung erfolgen. Eine schleichende Verschlechterung über Jahre liegt meist an einer Linsentrübung (grauer Star) oder an einer sogenannten trockenen AMD. Typisch für Makulaerkrankungen ist neben der nachlassenden Sehschärfe ein Verzerrtsehen. Linien z. B. auf einem Rechenblatt erscheinen nicht mehr gerade. Bei allen sogenannten feuchten Makulaerkrankungen mit Schwellung des Netzhautgewebes liegt ein Notfall vor, der schnellstmöglich behandelt werden sollte.

Abb. 1: Die Makula ist deutlich geschwollen. Die Sehschärfe ist stark herabgesetzt.

Diagnostik

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist die wichtigste diagnostische Untersuchung, besonders für den Verlauf einer Makulaerkrankung. Hierbei werden mit Licht ähnlich wie beim Ultraschall hochauflösende Schnittbilder der Netzhaut angefertigt. Ein Beispiel für ein Makulaödem bei Venenastverschluss der Netzhaut ist in Abb. 1 zu erkennen. Nach erfolgreicher Behandlung ist die Flüssigkeit in der Netzhaut verschwunden und die Sehschärfe hat sich gebessert (Abb. 2). Weiter ist die Fluoreszeinangiographie, bei der mit einem gelben Farbstoff die Netzhaut- und Aderhautgefäße dargestellt werden, in der Diagnostik hilfreich.

Abb. 2: Nach Anti-VEGF-Behandlung sind die Makula und die Sehschärfe fast wieder normal.

Therapieschemata

In der Vergangenheit musste laut Zulassungstext nach einer dreimaligen Behandlung mit einem VEGF-Medikament eine Therapiepause eingelegt werden, bis erneut Krankheitszeichen auftraten. Die Folge war, dass insgesamt zu wenig Behandlungen erfolgt sind. Glücklicherweise können Augenärzte heute nach einem festen Schema (monatlich bzw. zweimonatlich), in größer werdenden Abständen (Treat-and-Extend-Schema) oder an Krankheitszeichen angepasst (Pro-Re-Nata-Schema) behandeln. So gelingt es häufiger als vor wenigen Jahren, nicht zu selten, aber auch nicht zu häufig zu behandeln.

Neue Medikamente, auch zur Behandlung der trockenen AMD (z. B. Lampalizumab), sind in der „Pipeline“. Welchen Stellenwert eine Bestrahlungsbehandlung (IRay®-Therapie) bei bestimmten Formen der feuchter AMD hat, muss sich noch zeigen. Auf jeden Fall werden Makulaerkrankungen auch in Zukunft einen großer Teil der augenärztlichen Tätigkeit ausmachen und eine besondere Herausforderung darstellen.

Foto: AugenZentrum Wolfsburg

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