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Unternehmens-Quickcheck

Von Götz Walter, Hamburg

Im Privaten ist es für uns längst eine Selbstverständlichkeit. Wir gehen nicht nur zum Arzt, wenn wir krank sind. Erfolgreiche Unternehmen haben dieses Prinzip der Vorsorge längst für sich erkannt, viele sogar institutionalisiert. Sie hinterfragen das Erreichte, stellen sich auf den Prüfstand, simulieren die Zukunft, ergründen, wo und wie sie besser werden können – auch oder vor allem, wenn es gut läuft.

Wer mit der Dynamik von Krisen vertraut ist, kennt die Indikatoren, die schon früh – lange bevor Ertrag und Liquidität angegriffen sind – Veränderungsbedarf signalisieren, weiß, wie wichtig diese regelmäßige Vorsorge tatsächlich ist. So deuten bspw. Veränderungen der Working-Capital-Kennzahlen nicht selten zwei bis drei Jahre vor dem Eintreten eines Engpasses auf versäumte Innovationen und sinkende Kundenbindung hin. Ein stetig wachsender Umsatz sagt noch nichts über den Vertriebserfolg, die Qualität der Bestandskundenbetreuung oder die Ertragskraft von Auftragsgrößenklassen oder Teilmärkten aus. Der Kontostand sagt nichts über den Wertberichtigungsbedarf, die Stückkosten nichts über die Prozesseffizienz. Wer aber nicht genau in den Spiegel schaut, hat nicht selten das Nachsehen.

Leider scheuen viele mittelständische Unternehmer in Phasen der Prosperität noch immer das Gespräch mit Unternehmensberatern und nicht selten erfolgt deren Einbindung erst, wenn die Handlungsfähigkeit bereits eingeschränkt, der Druck von außen hoch und das Vertrauen ins Management angegriffen sind. Zwei Faktoren begünstigen dies insbesondere in Unternehmen, in denen die Gesellschafter auch das Management stellen und Nähe und Loyalität in der Führungskultur verankert sind: unsere natürliche Neigung, Unangenehmes zu negieren, und die in unserer westlichen Kultur noch immer verankerte Haltung, eine Krise nicht als Chance, sondern als Makel, als Zeichen eines schwachen Managements zu deuten. Gepaart mit dem noch immer weit verbreiteten Eindruck, Berater seien zu teuer, zu oberflächlich und zu theoretisch, verstreicht die Chance zur objektiven Nabelschau.

Quickchecks, kurze, konkrete und fokussierte Analysen im Unternehmen helfen dabei, eine Vielzahl dieser Barrieren abzubauen. Sie können situativ, auf Teilaspekte oder -bereiche und ein definiertes Ergebnis eingegrenzt, dazu beitragen, Erfolg zu verstetigen und Krisen zu vermeiden. In überschaubarem Rahmen liefern sie vor allem eines: einen Themenspeicher mit Handlungsempfehlungen. Gleichzeitig schaffen sie die komfortable Situation, dass der beauftragte Berater in kurzer Zeit substanzielle Ergebnisse liefern muss, um sich für einen Umsetzungs- oder Folgeauftrag zu qualifizieren. Von vornherein mit einer Sollbruchstelle zum nächsten Projektschritt ausgestattet, vermitteln sie Unternehmern einen belastbaren Eindruck von der Leistungsfähigkeit und vom Fach- und Branchen-Know-how des Beraters. Ein Quickcheck hat nicht die Gliederungstiefe eines umfangreichen Analyseauftrages, der Aufwand bleibt überschaubar. Er liefert so mit vertretbaren Budgets Indikationen, Anpacker, Diskussionsthemen und reizt in Zeiten zum Widerspruch, in denen die Eigenwahrnehmung eines erfolgreichen Unternehmers häufig nur begrenzt Raum für Andersmeinende lässt. So zeigt ein Unternehmens-Quickcheck auch den Grad der Unabhängigkeit, der Überzeugungskraft und der Empathie eines Beraters und damit seiner Fähigkeit, die Umsetzung von Maßnahmen und Veränderungen zu bewirken.

Modular aufgebaut, liefern Quickchecks Erkenntnisse in vielen Bereichen des Unternehmens. Marktperformance, Organisationseffizienz, Finanzkraft, Wertschöpfungstiefe oder die Risikodisposition werden beleuchtet. Sie liefern Hinweise auf Kostentreiber, Effizienzhebel und Ertragspotenziale. Hinsichtlich des Umfangs und der Methoden klar umrissen, bieten sie Unternehmern und Beratern dabei ein hohes Maß an Kalkulationssicherheit. Das größte Risiko liegt in der Konsistenz und Qualität der bereitgestellten Unternehmensdaten. Dies richtig zu erfassen und einzugrenzen, ist Gegenstand transparenter festpreisbasierter Verträge. Zugegeben, wenn es dem Unternehmen gerade mal so richtig gut geht, will man doch nicht über Krisen und eine ungewisse Zukunft nachdenken. Wenn man es jedoch tun muss, weil es schlecht läuft, bestimmen andere das Tempo und die Therapie.

Foto: Panthermedia/Jörg Schiemann

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