Artikel erschienen am 26.12.2015

Die Kraft und Kräfte der Region

Wie Kultur, Wirtschaft, Forschungsstärke und Mäzenatentum unsere Zukunft sichern

Von Julius von Ingelheim, Braunschweig

Gibt es eine Geheimrezeptur für starke und weniger starke Regionen? Welche Kräfte entscheiden da­rüber, ob eine Region zukunftsfähig ist oder nicht? Wer oder was trägt maßgeblich dazu bei?

Antworten auf diese Fragen vermag die Wirtschaftsgeografie zu geben. Das Zusam­men­spiel von Kultur- und Gesell­schafts­system, von Institutionen und Akteuren, von Inno­vationen und auch von glücklichen Umständen entscheidet über den Erfolg von Wirt­schafts­räumen, von Regionen. In der Summe liegt die Kraft. Auch in unserer Region, in der ein reiches kulturelles Erbe, eine dynamische Wirtschaft, eine aus­ge­zeichnete Forschungs­landschaft und ein aus­geprägtes Stiftungs­wesen eine einmalige Verbindung eingehen.

Heute ist unsere Region eine der stärksten Forschungs- und Wissen­schafts­regionen Europas. Wissenschaft, Universi­täts­wesen und Forscher­geist aber haben hier eine lange Tradition. Gerade das Zukunfts­thema Mobilität fußt auf historischer Pionierarbeit, Ingenieurs- und Unternehmer- bzw. Unter­nehmens­geschichte. Bereits im April 1904 hatte Heinrich Büssing aus Nordsteimke auf der Strecke Wendeburg–Braunschweig die Kraftomnibuslinie der „Automobil-Omnibus-Betriebs-Gesellschaft Braunschweig“ eröffnet. Sie diente dem Praxistest für die Busse, die er in seinem Werk bauen ließ. Und ist zugleich die erste und älteste Omnibuslinie der Welt, die bis heute noch befahren wird. Auch dass das Stammhaus der Unter­nehmer­familie Siemens in Goslar steht, wissen wohl nur wenige Interessierte.

Unsere Region ist zugleich eine der stärksten – vor allem dynamischsten – Wirtschafts­regionen in Deutschland. Die hiesige Wirtschaft ist breit aufgestellt. Bekannte Namen und eine Vielzahl von „hidden champions“ konnten sich unter den besonderen regionalen Rahmen­bedin­gungen entwickeln und sind heute weltweit erfolgreich tätig. Von H. C. Starck in Goslar, der Salzgitter AG, Alstom und Bosch in Salzgitter, Wolfenbüttels Jäger­meister, Pelikan und Rausch in Peine, der Gifhorner IAV GmbH, New Yorker und Nord­zucker in Braunschweig, bis zur Helmstedter Avacon AG und der Volkswagen AG in Wolfsburg.

Oftmals im Verborgenen agieren Ehrenamtliche, Mäzene und Stiftungen. Gerade das Stiftungs­wesen ist in unserer Region bis heute tief verwurzelt. Es steht sinnbildlich für Jahrhunderte über­dauernde Kontinuität und gesell­schaftliches Engagement. Ob Bürger­stiftungen, kirchliche Stiftungen, Unter­nehmens­stif­tungen, öffentlich-rechtliche Stiftungen oder Stiftungen einzelner Familien – sie alle übernehmen Verantwortung für das Wohl der Allgemein­heit im kulturellen, wissen­schaft­lichen, ökologischen und sozialen Bereich. Allein in unserer Region sind über 400 rechtsfähige Stiftungen tätig, darunter die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die Braunsch­weigische Stiftung, die Curt Mast Jägermeister Stiftung, die Tessner-Stiftung, die Richard-Borek-Stiftung, die Antonius-Holling-Stiftung, die Erich-Mundstock-Stiftung, die Volkswagen Beleg­schafts­stiftung, die Stiftung von Asta und Christian Holler, die Margarete-Schnellecke-Stiftung, die Mansfeld-Löbbecke-Stiftung, die Stiftung Braun­schweiger Land u.v.a.m. – sie alle bereichern unser Zusammen­leben und stiften im Wortsinn Lebens­qualität.

Foto: Stefan Sobotta

Ähnliche Artikel

Stiftungen

Die deutsche Stiftungslandschaft

Mit Stiftungen übernehmen seit Jahrhunderten Menschen freiwillig Verantwortung für das Gemeinwohl. Heute sind Stiftungen eine verlässliche Säule der freiheitlich-aktiven Bürgergesellschaft. Und diese Säule ist in den vergangenen Jahren größer, breiter und damit stabiler geworden.

Braunschweig 2011 | Prof. Dr. iur. Hans Fleisch, Berlin

Stiftungen

Zukunftsfähig sein und bleiben

Die WelfenAkademie-Stiftung verbessert Rahmenbedingungen

In den USA wundert sich niemand über einen kausalen Zusammenhang von Ausbildung und Stiftung: Die Stiftungsvermögen der Harvard oder der Stanford University bewegen sich im mehrstelligen Milliardenbereich. Was im Großen funktioniert, kann man sinnvoll auf einen kleineren Zusammenhang adaptieren.

Braunschweig 2016–2018 | Dr. rer. pol. Jens Bölscher, Braunschweig