Artikel erschienen am 01.06.2011
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Lieben Sie Braunschweig? Wir tun es.

Von Bettina Krause, Braunschweig

100 Menschen mit mehr als 100 Ideen, aber einem gemeinsamen Grundsatz „MitTragen – MitDenken – MitGestalten“ haben sich 2003 zusammengefunden und die Bürgerstiftung Braunschweig gegründet. So facettenreich die Ideen und Beweggründe waren, so einheitlich war und ist der Wille gemeinsam etwas für unsere Stadt zu tun: Braunschweig als eine sozial friedliche, kulturell vielfältige – eben eine lebens- und liebenswerte Stadt zu gestalten und erhalten.

So bunt wie die Menschen, die sich seitdem zusammen gefunden haben, so facettenreich sind auch die Möglichkeiten, sich in der Bürgerstiftung für Braunschweig zu engagieren: aktiv oder passiv, ehrenamtlich zeitlich engagiert oder als Couch-Potato mit einer tollen Idee von zu Hause aus. Jeder kann mitmachen: Als LesePate mit Zeit, als StiftungsPate mit Geld für die Büroarbeit, mit 10, 100 oder mehr Euro als Spender, als neuer Stifter oder TreuhandStifter. Wichtig ist der Bürgerstiftung, dass möglichst viel in die Projektarbeit fließt. Jeder Cent wird umgedreht und so gehen 88 Cent jedes gespendeten Euros in die Förderarbeit.

Der Bürger-Brunch hat die Bürgerstiftung in Braunschweig bekannt gemacht. Seit 2005 werden so alle zwei Jahre mehr als 10 000 Menschen in der Innenstadt zusammengebracht. Der Braunschweiger Bürger-Brunch war der erste seiner Art und hat landesweit viele Nachahmer gefunden. Darauf ist die Bürgerstiftung besonders stolz.

Ein anderes Beispiel: „Erben und vererben – aber richtig“ lautet ebenfalls alle zwei Jahre das Motto der Braunschweiger Erbrechtstage. Mehr als 1000 Menschen finden jedes Mal Ihren Weg zu den Vorträgen und Diskussionen.

Die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft beginnt nicht in der Fabrikhalle, sondern im Klassenzimmer.

Für die Bürgerstiftung steht vor allem die operative Projektarbeit an erster Stelle. Mehr als 40 Projekte mit den Förderschwerpunkten Bildung und Erziehung, Gewaltprävention und Konfliktberatung, Mobilisierung bürgerschaftlichen Engagements, Sport und Gesundheit, Natur- und Umweltschutz, Kunst, Kultur und Denkmalschutz. Auch in den Förderschwerpunkten zeigt sich die ganze Vielfalt einer Bürgerstiftung. In ihr sollen sich alle Braunschweigerinnen und Braunschweiger, jung und alt, vermögend oder unvermögend wiederfinden können.

„Auf dem Weg zum Buch“ heißt es seit 2004 im ersten großen und nach wie vor größten Projekt, das Leseförderung an Braunschweiger Schulen und Kitas unterstützt. Nicht nur ein gemütlicher Raum mit Regalen, Büchern, Teppich und Gardinen gehört dazu. Noch wichtiger ist der Eltern- oder Großeltern-Ersatz in Form von mehr als 100 LesePatinnen und LesePaten. Fragen beim gemeinsamen Lesen beantworten, manchmal eine kleine Hilfe bekommen, wenn es beim Lesen mal nicht so richtig will … oder einfach nur mal einem Erwachsenen zuhören … all das ist möglich. Hinzu kommt ein gemeinsamer Besuch in der Bibliothek mit Ausgabe des eigenen Leseausweises. Neu ist das zweisprachige Lesen und noch viel mehr ist denkbar mit größerem bürgerschaftlichen Engagement.

„Die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft beginnt nicht in der Fabrikhalle, sondern im Klassenzimmer,“ erkannte schon Henry Ford. Eine Gesellschaft kann nur ein Ort sein, in dem so viele Menschen wie möglich glücklich sind, wenn die Grundlage dafür in ihrer Ausbildung gelegt wird.

Jugendliche, die nach ihrer schulischen Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt kaum Aussichten haben, können Industrie- und Wirtschaftsunternehmen kennenlernen und somit einen realistischen Einblick in die Berufswelt bekommen, mit der sie schon bald konfrontiert werden. „Wirtschaft in die Schule“ ist ein Projekt, was bereits seit drei Jahren sehr erfolgreich ist und die wirtschaftliche Landschaft der Region maßgeblich mitgestaltet.

Durch Theaterbesuche und intensiver Auseinandersetzung mit Dramen, Musiktheater und Tanz können Schüler durch das Projekt „Theater in die Schule“ die Bretter kennenlernen, die die Welt bedeuten.

TreuhandStifter: Gelebte Stiftung

Gelebte Stiftung kann man am TreuhandStifter-Ehepaare Angela Volker-Brumme und Harald Volker hautnah erleben. Sie haben die Volker-Brumme-Stiftung unter der Treuhänderschaft der Bürgerstiftung Braunschweig gegründet. „Ich habe so viel Gutes erleben dürfen und möchte nun etwas zurückgeben und ich will sehen, wie unsere Stiftung lebt, um sie nach unserem Tod auf dem richtigen Weg zu wissen,“ sagt Angela Volker-Brumme. Mit einer verhältnismäßig geringen Summe haben die beiden 2005 begonnen. Wenn man bedenkt, dass nur die Erträge einer Stiftung zur Förderung eingesetzt werden dürfen, kommt bei einem Kapital von 30 000 Euro nicht so viel raus. Aber das macht das Ehepaar mit eigenem Engagement umso mehr wett und umso wertvoller.

Als Mitorganisatoren der Street-Soccer-Turniere begann es. Heute ist es die Förderung der Jugendarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr Veltenhof – „wo bürgerschaftliches Engagement von klein auf ganz natürlich entsteht“ – und ganz neu „Bewegung im Alter“ mit Hilfe der Spielkonsole Wii 2. „In den Rosenäckern“ wohnen Menschen mit großer Kegelleidenschaft. Leider sind sie nicht mehr mobil genug, um ihrem Hobby nachzukommen und so macht Angela Volker-Brumme im Wechsel mit anderen ZeitStiftern kurzerhand aus dem Gemeinschaftsraum eine Bowlingbahn. Mit insgesamt 10 Pins (anstelle von 9 wie beim Kegeln) geht es dann richtig zur Sache. „Es tut mir gut zu sehen, wie die Bewohner sich über meinen Einsatz freuen.“, sagt Angela Volker-Brumme. Dies ist möglich durch die Spielkonsole, Steuergeräte, und einen Beamer, die „In den Rosenäckern“ bereits vorhanden waren und für andere Häuser von der Stiftung angeschafft wurden. Mit viel Freude können sich die Bewohner hier und in drei weiteren Seniorenheimen dem Sport widmen, der früher für sie so selbstverständlich war und alle zwei Wochen heißt es dann „Wieviele Punkte habe ich denn schon?“

Was uns gemeinsam ist? Braunschweig bewegt uns. Und wir bewegen uns für unsere Stadt!

Die Bürgerstiftung Braunschweig hat in den kommenden Jahren noch viel vor: Wenn 2013 das 10-jährige Jubiläum gefeiert wird, sind es vielleicht schon an die 10 Mio. Euro Kapital, über 1000 ZeitStifter und mehr als 100 Projekte – wer weiß … denn bürgerschaftliches Engagement macht Schule.

„Als wir 2003 angefangen haben, habe ich mir ein Kapital von 1 Mio. gar nicht vorstellen können, so groß erschien mir die Summe“, sagt Karin Heidemann-Thien – Vorstandsmitglied der ersten Stunde – und ergänzt für heute: „Ende 2010 war unser Stiftungskapital auf insgesamt 6,4 Mio. Euro gewachsen und wir konnten rund 300 000 Euro für unsere Projektarbeit ausgeben.“ Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Ulrich E. Deissner und den Vorstandskollegen Rolf Dumke, Manfred Kochsiek und Jürgen Pausder gibt sie selbst viel ehrenamtliches Engagement in die Stiftungsarbeit. „Wir haben mal ausgerechnet, dass alle Ehrenamtlichen der Bürgerstiftung insgesamt über 20 000 Stunden Arbeit pro Jahr stiften.“ Auf jedes Vorstandsmitglied entfallen davon 30 – 40 Stunden pro Woche. „Aber was tut man nicht alles für Braunschweig“, sind sich alle fünf einig, denn es macht Spaß, einer Idee beim Wachsen zuzusehen und hieran beteiligt zu sein.

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