Artikel erschienen am 01.08.2019

Die Halbwertszeit von Wissen

In dynamischeren Zeiten hat die Ausbildung und Weiterbildung eine bedeutende Rolle

Von Alexander von Lützow, Braunschweig

Zur Schule gehen, einen Beruf erlernen und diesen bestenfalls bis zur Rente ausüben: Das früher oft sehr geradlinige Modell hat sich im Laufe der Jahrzehnte überholt. Ging es früher vor allem darum, mit einer Ausbildung einen beruflichen Einstieg zu finden, fordern Masterthemen wie Globalisierung, Digitalisierung und Automatisierung eine permanente Weiterentwicklung. Konkreter: Wer sich nicht regelmäßig weiterbildet, verliert im schlimmsten Fall den Anschluss.

Warum entscheide ich mich eigentlich für eine Wei­terbildung?

Vielleicht möchte ich neues Wissen erlernen, mir zusätzliche Kompetenzen aneignen. Das ist wichtig und nach wie vor von Bedeutung, jedoch hat sich die Ausgestaltung, der Kontext, wesentlich verändert. Statt „auf Vorrat“ zu lernen, ist es heute um ein Vielfaches wichtiger und naheliegender, neues Fachwissen und neue Kompetenzen genau dann zu erlernen, wenn es einen konkreten Bedarf dafür gibt. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die Veränderungsgeschwindigkeit von Systemen, Prozessen und Technologien hat eine so hohe Dynamik angenommen, dass es einerseits von Vorteil ist, sich kontinuierlich damit auseinanderzusetzen und nötiges Know-how anzueignen, anderseits gleichzeitig entscheidend. Denn: Wer aussetzt und nicht am Ball bleibt, der kommt unter Umständen nicht mehr hinterher.

In Zeiten von Industrie 4.0, Automatisierung und Digitalisierung

Um nur einige wenige Beispiele zu nennen – Wissen hat eine immens geringere Halbwertszeit. Das haben auch die Unternehmen erkannt, schenken Weiterbildungen eine viel größere Aufmerksamkeit sowie Relevanz und unterstützen Mitarbeiter bei entsprechenden Qualifikationen. Zumeist dann, wenn die Kompetenzen konkret benötigt werden, quasi „Lernen on demand“. Der Bedarf bei den Unternehmen an Weiterbildungen steigt: Sie wissen, technologische Veränderungen müssen moderiert und ausgestaltet werden.

Vielfältige Motivatoren für eine Weiterbildung

Wenn wir einen Schritt zurückgehen, gibt es für Weiterbildungen grundsätzlich freilich ganz unterschiedliche Motivatoren. Ein Anlass kann der angesprochene Grund sein, neue Methoden oder Techniken zu erlernen, besser zurecht­zukommen oder auch sein Wissen breiter aufzustellen. Es gibt natürlich noch weitere Gelegenheiten: den Wunsch nach Aufstieg, persönlicher Weiterentwicklung, mehr Verantwortung, interessanteren Tätigkeiten oder auch höherem Gehalt.
Für all dies können passende Weiterbildungen das passende Fundament ermöglichen. Unterschiedliche Studien belegen dies ganz prag­-matisch – ein Großteil erfolgreicher Absolventen hat in der Folge höhere Positionen inne und verdient mehr. Kraftvolle Argumente.

Natürlich ist klar, dass gerade die Weiterbildung mit einem höheren Aufwand verbunden ist. Sofern Sie für die Qualifikation nicht vom Unternehmen freigestellt werden, nehmen Sie die Weiterbildung schichtbegleitend oder abends wahr. Das kostet viel Kraft und Freizeit. Es ist ein doppelter Aufwand, nach oder neben Ihrem Job sitzen Sie im Unterricht, lernen für Prüfungen oder nehmen etwa an Praxisprojekten teil. Neben dem bestenfalls erfolgreichen Abschluss treten Sie dafür noch einen Beweis an, für sich selbst, Ihr Umfeld als auch Personaler: Sie sind bereit, mehr zu leisten, weiter zu gehen. Manchmal auch dahin, wo es wehtut. Ihr Engagement wird erkannt und angerechnet, spätestens im nächsten Personal- oder Bewerbungsgespräch. Lassen Sie sich derweil auch nicht von der etwaigen Finanzierung der Weiterbildung abschrecken. Die Fördermittelsituation in Deutschland ist gut – der Staat tut einiges, auch investieren Unternehmen viel in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Scheuen Sie nicht, Ihr Unternehmen oder auch Aus- und Weiterbildungsträger darauf anzusprechen.

Transformation der Branche

Zu der Entwicklung des Weiterbildungsbereichs ist zu sagen, dass auch er selbst von einer steten Transformation betroffen ist – im positiven Sinne. Lernformen verändern sich, werden angepasst. Der klassische Frontalunterricht rückt in den Hintergrund, wird durch Teamarbeit, projektbasierte Vorhaben oder auch Praxismodule ersetzt. Digitale Möglichkeiten führen häufiger zu einer veränderten Präsenzpflicht im Unterricht, ein wesentlicher Vorteil im Hinblick auf den zeitlichen Aufwand für die Teilnehmer. Das Lernen wird örtlich und zeitlich mobiler sowie flexibler.

Qualifikationsmöglichkeiten werden sich inhaltlich verändern

Neben den stets wichtigen Fachkompetenzen rücken Methoden- und Sozialkompetenzen weiter in den Vordergrund. Warum? Es wird vernetzter gearbeitet, die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen wird intensiviert, projektbasiertes Arbeiten nimmt zu sowie die Kooperation von internationalen Teams. Dafür bedarf es methodischen oder sozialen Tugenden wie bspw. kultureller Sensibilität, Ausdrucksvermögen, Fremdsprachenvielfalt, Moderations- und Kommunikationsfähigkeit. Ohne entsprechende Soft Skills kann und wird eine interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit nicht funktionieren können. Die Welt ist vernetzter und damit kleiner geworden.

Themen wie technischer Fortschritt und zunehmende Globalisierung sind all­gegenwärtig

Von Ihnen wird in diesem Zusammenhang erwartet, dass Sie sich stets den neuen Anforderungen anpassen, sich fortbilden. Das kann die Fachveranstaltung für neue rechtliche Rahmenbedingungen in Ihrer Abteilung sein – oder eben die völlig neue Technologie für Ihre Branche. Gesprochen wird dabei vom sog. lebenslangen Lernen. Und eines ist in diesem Zuge klar: Man kann eigentlich nie gut genug ausgebildet sein.

Bild: Fotolia/Irui Cazac

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