Artikel erschienen am 11.04.2011
E-Paper

Wärmedämmung: Für ein Burka-Verbot

Eine Glosse gegen die Wärmedämmung

Von Dipl-Ing. Hermann Altmeppen, Braunschweig

Wenn ich mich in den Service-Seiten Immobilien für ein Burka-Verbot ausspreche, so beziehe ich mich nachfolgend auf die reine Definition der Burka, nämlich der Bezeichnung eines Kleidungstückes, dass der vollständigen Verschleierung des Körpers dient. Ich hätte mich hier auch auf das Künstlerehepaar Christo beziehen können, das ja ebenfalls berühmt dadurch wurde, dass es komplette Bauwerke, z. B. 1995 den Reichstag, verhüllte – wenn auch nur temporär.

Ich habe den Begriff „Burka“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 16.11.2010 entliehen. Diese nannte einen Artikel über Wärmedämmung „Die Burka fürs Haus“. Es geht um die Verkleidung der deutschen Immobilien mit 20 mm bis 35 mm dicken Styroporplatten. Diese Überschrift fand ich noch schöner als die Bemerkung in der Süddeutschen Zeitung vom 05.01.2011, die von „Marshmallow, am besten noch in dazu passenden süßlichen Farben“ gesprochen hat.

Es geht ein Wahn um in Deutschland, der längst auch schon Braunschweig erreicht hat (s. Braunschweiger Zeitung vom 06.01.2011: „Stadtbild verschwindet hinter Styropor“). Dieser Wahn nennt sich Energieeinsparung durch Wärmedämmung.

Was heißt Einsparen?

Doch nichts anderes, als dass ich Geld investiere und dieses Geld gewinnbringend zurückbekomme. Bezogen auf mein Haus müssen sich die Kosten für die Wärmedämmung aus der Einsparung meiner Heizenergie inkl. Zinsen refinanzieren. Tun sie das?

Eine einfache Beispielrechnung mit einem Reihenhaus Baujahr 1970, 135 m² groß. Die Fenster wurden 2003 erneuert, das Dach wurde 2007 nach allen Einsparungsvorstellungen gedämmt:

Dieses Haus, in Braunschweig gelegen, hat 2010 für 1 860 € Gas verbraucht. Zieht man ca. 12 % für Warmwasser ab, verbleibt ein Heizungsverbrauch von ca. 1 600 € im Jahr. Selbst bei allen idealisierten Vorstellungen kann mit Wärmedämmung maximal 50 % der Heizenergie eingespart werden. Höchstens diese EUR 800 stehen zur Refinanzierung von Energieeinsparmaßnahmen zur Verfügung.

Bei der Kapitalisierung der Investitionen muss zuvor die Frage gestellt werden: Wie lange hält Wärmedämmung? Interessanterweise wird in allen Broschüren „Pro Wärmedämmung“ diese Frage nicht beantwortet. Erfahrungswerte liegen auch nur eingeschränkt vor. Was bekannt ist, ist, dass an die Fassade geklebte Styroporplatten teilweise schon nach weniger als 10 Jahren wieder abfielen. Heute werden diese Platten zusätzlich gedübelt – hoffen wir, dass sie damit dauerhaft halten. Nur, hilft das? Inzwischen ist bekannt, dass Generationen von Mäusen und Insekten festgestellt haben: Ein Nest im Styropor ist wunderschön. Aus Berlin wurde mir mitgeteilt, dass auch Spechte den unterschiedlichen Kraftaufwand für den Bau ihrer Nester im Totholz oder in Styropor schon längst praktisch erprobt haben. Einige verlassene Spechtnester sollen von Eichhörnchen besiedelt worden sein. Wenn Sie einen Spielplatz für Ihre Kleinkinder anlegen, bauen Sie bitte eine Barrikade zwischen Spielplatz und Styroporwand. Ihre Kinder werden sehr schnell feststellen, wie toll es ist, mit Hacken und Schippen Löcher zu bohren.

Mit ein wenig Realismus sollte man der neuen Styroporwand eine wirtschaftliche Lebensdauer von ca. 20 Jahren zusprechen. Ihre Einsparung von 800 € muss sich also mit Zinsen über diesen Zeitraum refinanzieren. Das geht über die Rentenbarwertformel:

Bei einem angenommen Zinssatz von 5 % beträgt der Vervielfältiger 12,46 €: 800 × 12,46 = rund 10 000 €.

Wollen Sie mehr ausgeben, haben Sie keine Einsparung, sondern zusätzliche Kosten, die sich nicht refinanzieren. Aber: Wie Sie mit diesem Betrag 50 % Ihrer Energie einsparen sollen, ist mir nicht ersichtlich.

Die Energieeinsparung refinanziert sich nur bedingt und zerstört auch unser Stadtbild (wie die Burka).

Vielleicht ist es sinnvoll, vor der Investition über Kosten und Nutzen nachzudenken.

Ähnliche Artikel

Immobilien

Die Kapitalisierung von Immobilien

Der erste Schritt: Die immobilienrechtliche Due Diligence

In Zeiten unsicherer Finanzlagen rückt seit Jahren der Immobilienmarkt zunehmend in den Fokus. Auch Investoren und Investorengruppen, die bislang auf anderen Märkten unterwegs waren, entdecken die Vorzüge des Immobiliengeschäftes. Es muss sich indes rechnen.

Braunschweig 2012 | Dr. iur. Thies Vogel, Braunschweig

Immobilien

Das Fenster von morgen – mehr als nur ein Loch in der Wand!

Ein gestalterisches Element mit vielfältigen technischen Eigenschaften

Doch Fenster ist nicht gleich Fenster: Verschiedene Größen, Formen und Farben, sie können als architektonische Stilmittel bei der Planung von Immobilien genutzt werden. Vielfältige Materialien mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften stehen zu deren Herstellung zur Verfügung.

Braunschweig/Wolfsburg 2019 | Dirk Evers, Braunschweig