Artikel erschienen am 18.02.2026
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Wenn das Herz zu langsam wird oder Pausen macht – Moderne Herzschrittmachertherapie

Hanno Oswald, Klinikum Peine

Von PD Dr. Med. Hanno Oswald, Peine
Hanno Oswald
PD Dr. Med. Hanno Oswald
Chefarzt der Klinik Innere Medizin | Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin

Es gibt aber Erkrankungen des Herzens, die zu einem Ausfall des Taktgebers im Herzen, dem Sinusknoten, führen können. Auch gibt es Erkrankungen, die zu einer Erkrankung des Reizleitungssystems führen, bei dem die schnellen Reizleitungszellen im Herzen betroffen sind, die die elektrische Erregung über das Herz transportieren, damit ganz schnell alle Herzmuskelzellen in koordinierter Weise erregt werden. Beides führt zu einem krankhaft langsamem Herzschlag, den die Betroffenen in unterschiedlicher Weise spüren: Da klassische Symptom ist eine Ohnmacht in Folge eines kurzen Herzstillstands, aber auch starker Schwindel im Zusammenhang mit sehr langsamem Puls, meist um die 30/min oder auch Belastungsminderung können Symptome sein. Die Ausprägung der Symptomatik ist variabel von Mensch zu Mensch und auch von der körperlichen Fitness und der Schwere der Herzerkrankung abhängig. Immer dann, wenn der Puls derart langsam wird, dass der Betroffene damit solche Probleme spürt, prüft ein Kardiologe, ein Herzspezialist, die Notwendigkeit einer Schrittmacherimplantation.

Angefangen hat die Schrittmachertherapie Ende der 1950er Jahre mit recht klobigen großen Schrittmachern, die aufgrund ihrer Größe meist im Bauch implantiert werden mussten, weil dort genügend Platz war. Davor waren die Menschen mit krankhaft-langsamem Puls ihrem Schicksal ausgeliefert. Das ist lange vorbei. Heutzutage ist ein Herzschrittmacher eine Therapie, die bei Millionen von Menschen auf der Welt im Einsatz ist. Ein korrekt arbeitender Schrittmacher wird vom Patienten gar nicht war genommen, man spürt die Impulse des Schrittmacher nicht, es fühlt sich wie ein normaler Herzschlag an.

Ein Herzschrittmacher ist immer ein kleines elektronisches Gerät mit einer Batterie, Elektronik und einem Kontakt zum Herzmuskel, der die elektrischen Impulse des Schrittmacher in eine Herzmuskelkontraktion verwandelt.

Heutige routinemäßig verwendete Schrittmacher werden im Bereich der linken oder rechten Brust unterhalb des Schlüsselbein in einer kleinen Operation, meist sogar ohne Narkose in örtlicher Betäubung, implantiert und durch Elektroden, welche durch die großen Körpervenen von dort aus zum Herzen vorgeschoben werden, mit dem Herzmuskel verbunden. Je nach Notwendigkeit können so ein, zwei oder drei oder auch mehrere Elektroden vom Schrittmacher durch die Venen zum Herzen implantiert werden, je nachdem, wie viele unterschiedliche Orte im Herzen vom Schrittmacher angesteuert werden müssen, also ob der Vorhof mit dem Sinusknoten (dem normalen Taktgeber) oder auch die Herzkammern angesteuert werden müssen.

Ganz neue Entwicklungen in der Schrittmachertechnologie haben zu einer Miniaturisierung der Systeme geführt, so dass spezielle Schrittmacher heute gar ganz ohne Elektroden auskommen und direkt über einen Zugang in der Leiste durch die Adern im Herzen platziert werden können. Diese kabellosen Schrittmacher sind von außen unsichtbar, da die Patienten keine Narben haben. Noch werden Sie vor Allem bei Patienten implantiert, bei denen Probleme mit den „normalen“ Schrittmachern auftreten können, zum Beispiel Menschen mit verschlossenen Körpervenen, die eine „normale“ Implantation erschweren oder Menschen mit erhöhtem Risiko für Materialinfektionen, weil die kleinen kabellosen Schrittmacher keine Elektroden im Haut Bereich haben und vollständig abgekapselt werden. In diesem Bereich entwickelt sich die Technologie sehr schnell weiter so dass wir Kardiologen bei jedem uns zugewiesenen Patienten nicht nur die Frage beantworten müssen: „braucht mein Patient einen Schrittmacher oder nicht?“, sondern auch „ Was für ein Schrittmacher ist für genau diesen Patient das beste System? „Ein-, Zwei-,Drei- oder Kein- Kabel Schrittmacher?“. Diese Frage wird bei jeder Neuimplantation immer mit jedem Patienten anhand der Rhythmusbefunde festgelegt.

 

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