Sodbrennen und Adipositas
Bei Übergewicht kommt Sodbrennen besonders häufig vor
Von Dr. med. Hinrich Köhler, BraunschweigChefarzt Chirurgische Klinik, Zertifiziertes Zentrum für Adipositaschirurgie

Der nächste Schritt ist eine medikamentöse Behandlung mit Protonenpumpeninhibitoren. Erst wenn der veränderte Lebensstil und eine medikamentöse Therapie nicht zum Ziel führen und ein weiterer Leidensdruck besteht, gibt es die Möglichkeit, den Mageneingang zu operieren, sodass das Sodbrennen sicher unterbunden wird.
Oftmals ist das Sodbrennen vergesellschaftet mit einem Zwerchfellbruch - dieser wird bei der Operation ebenfalls korrigiert. Steigt das Körpergewicht über einen BMI von 35, sollte keine klassische Operation gegen Reflux durchgeführt werden, sondern eine Magenverkleinerung in Betracht gezogen werden.
Nach einer herkömmlichen Antireflux-Operation ist eine Magenverkleinerung deutlich erschwert, sodass bei einem BMI über 35 über eine Magenbypass-Operation nachgedacht werden sollte. Diese Operation ist die effektivste Maßnahme gegen Sodbrennen und reduziert gleichzeitig deutlich das erhöhte Körpergewicht.
Bei Patienten mit einem BMI unter 35 gibt es die klassische Operation, bei der eine Manschette aus der Magenwand gebildet wird (Toupet-Operation); diese Operation wird regelhaft minimalinvasiv durchgeführt. Zwingend ist vor dieser Art von Operation die Durchführung einer Manometrie und fakultativ auch pH-Metrie. Im Anschluss ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt von circa 3 Tagen erforderlich. Nach der Operation sollte das Sodbrennen komplett behoben sein.
Da diese Operation manchmal das Aufstoßen beeinträchtigt und auch zu Schluckstörungen führen kann, wurde ein neues Implantat entwickelt: Der Refluxstop. Hierbei wird ein Widerlager in die obere Magenwand eingesetzt, wodurch die Speiseröhre gestreckt gehalten wird. Die Nahrungsaufnahme ist damit problemlos, ein gelegentliches Aufstoßen bleibt möglich, während Sodbrennen sicher verhindert wird. Bei erhöhtem Körpergewicht mit einem BMI über 35 sollte jedoch eine Magenbypass-Operation durchgeführt werden, da hierdurch nicht nur das Sodbrennen behoben wird, sondern auch das stark erhöhte Körpergewicht mit allen Folgeerkrankungen (Schlafapnoe, Hypertonus, Gelenkbeschwerden etc.).
In der Adipositas Chirurgie werden zwei Operationen weltweit angewendet: Die Magenbypass-Operation und die Schlauchmagen-Operation. Die Schlauchmagen-Operation ist die etwas risikoärmere Operation, schafft jedoch nicht ganz so viel Gewichtskontrolle wie der Magenbypass und führt manchmal zur Entstehung von Sodbrennen. Daher ist bei Vorliegen von Sodbrennen und Übergewicht immer der Magenbypass zu favorisieren.
Alle Operationen gegen Sodbrennen werden minimalinvasiv und auch zunehmend mit Unterstützung des DaVinci-Roboters durchgeführt. Dadurch kann die Liegezeit im Krankenhaus auf zwei bis drei Tage reduziert werden und die Rückkehr zur Erwerbstätigkeit ist in der Regel nach ein bis zwei Wochen möglich.
Die breite Einführung von Abnehmspritzen zur Gewichtskontrolle stellt keine Alternative zur Adipositas-Chirurgie dar, sondern eine Ergänzung.
Bei Grenzfällen mit wenig Übergewicht ist es eine gute Option, zu versuchen, das Körpergewicht zu kontrollieren. Bei sehr starkem Übergewicht wird die Spritze nicht reichen; hier reicht manchmal die Operation nicht, um ein normales Körpergewicht zu erzielen.
Bei diesen stark übergewichtigen Patienten wird immer häufiger eine Operation durchgeführt und dann ergänzend eine Abnehmspritze zusätzlich eingesetzt. Alternativ kann die Abnehmspritze eingesetzt werden, wenn es nach Magenverkleinerungsoperationen zu einem moderaten Wiederanstieg des Gewichts kommt.
Ein weiterer Einsatz im Bereich der Abnehmspritze ist, bei schwersten Patienten mit über 200 kg Körpergewicht initial eine moderate Gewichtsreduktion als Vorbereitung auf die Operation zu erzielen, um die Operation risikoärmer umzusetzen.
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