Artikel erschienen am 12.02.2026
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MRT der Prostata

Aktueller Stand in der Radiologischen Diagnostik

Von Dr. med.  Jürgen Flimm, Wolfsburg

Foto: Adobe Stock/ littlewolf1989

 

Das Prostatakarzinom ist die häufigste maligne Tumorerkrankung des Mannes in Europa und stellt eine wesentliche Herausforderung in der urologischen Diagnostik und Therapieplanung dar. Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata hat sich in den letzten Jahren von einer ergänzenden Methode zu einem zentralen Baustein in der Diagnostik entwickelt. Insbesondere die multiparametrische MRT (mpMRT) ermöglicht eine differenzierte Beurteilung der Prostata hinsichtlich Morphologie, Funktion und Tumorausbreitung. Früherkennung und Risikoeinschätzung sind essenziell, um Fehldiagnosen zu minimieren und klinisch relevante Tumoren zu identifizieren.

Technische Grundlagen und bildgebende Diagnostik

Die mpMRT-Prostata kombiniert morphologische und funktionelle Sequenzen. Hochauflösende T2-gewichtete Aufnahmen in 3 Raumebenen (axial, sagittal und koronar) stellen die anatomische Feinstruktur dar und erlauben eine detaillierte Abgrenzung der peripheren Zone und der Transitionalzone. Die diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) ermöglicht die Identifikation maligner Tumorareale. Die dynamische Kontrastmittelaufnahme (DCE) mittels gadoliniumhaltiger Substanzen erlaubt die Beurteilung der Tumorvaskularisierung.

Das Prostate Imaging-Reporting and Data System (PI-RADS) standardisiert die Befundung der mpMRT und erlaubt die Einschätzung, wie hoch das Risiko eines Prostatakarzinoms ist. Jede Läsion wird in fünf Kategorien klassifiziert und gibt die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms an. Damit die Prostata-MRT jedoch einen Mehrwert in der Diagnostik des Prostatakarzinoms hat, ist neben einer sehr guten Bildqualität auch sehr viel Erfahrung des Befunders notwendig.

Indikationen

  • Primärdiagnostik bei Karzinomverdacht
  • exakte Lokalisation karzinomsuspekter Areale vor gezielter Biopsie
  • Detektion karzinomsuspekter Areale nach negativer systematischer Biopsie und persistierendem Karzinomverdacht
  • lokales Staging
  • Bestrahlungsplanung
  • Rezidivdiagnostik nach radikaler Prostataentfernung oder Bestrahlung
  • aktive Überwachung

 

Foto: Adobe Stock/ Cerry

 

Durchführung und Befundung

Die MRT-Untersuchung erfolgt an Hochfeldsystemen mit 1,5 oder 3 Tesla. Die intravenöse Gabe eines gadoliniumhaltigen Kontrastmittels ist Standard. Ein MRT der Prostata dauert ca. 30 Minuten. Die Befundung erfolgt nach PI-RADS zur genauen Einschätzung des Tumorrisikos. Vorliegen sollten Angaben zu klinischen Beschwerden, ggf. zu urologischen Untersuchungen, Voruntersuchungen und Biopsien, PSA-Wert mit Verlauf oder Operationen.

Stellenwert und Evidenzlage

Klinische Studien wie PROMIS und PRECISION zeigen eine höhere Sensitivität und Spezifität der mpMRT gegenüber der systematischen Biopsie ohne vorheriges MRT. Überdiagnosen und unnötige Biopsien können somit vermieden werden. Qualität und Ergebnisse in der Diagnostik der Prostata werden durch eine enge Kooperation zwischen der Urologie und der Radiologie verbessert.


In der Radiologie Wolfsburg werden seit über 15 Jahren MRT-Untersuchungen der Prostata durchgeführt. Anfänglich noch mit einer aufwendigeren Technik, inklusive Endorektalspule und mit überwiegend rein morphologischen Bildparametern. Die technische Weiterentwicklung der Spulentechnik und der Software ermöglichte im Laufe der Zeit eine immer schnellere Bildgebung mit immer präziserer und reproduzierbarer Bildqualität. Die MRT der Prostata hat sich somit zu einem wichtigen Baustein in der Abklärung der Prostataerkrankungen etabliert und wird in Kooperation mit den Urologischen Kolleginnen/Kollegen weiterentwickelt. Im Vordergrund der Diagnostik steht hierbei die rechtzeitige Erkennung einer Prostataerkrankung.

Die Kosten für ein MRT der Prostata werden nicht von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen, können aber beantragt werden. Für weitere Fragen, Informationen und Terminvereinbarungen steht Ihnen das gesamte Team der Radiologie Wolfsburg gerne zur Verfügung.

Fallbeispiel:

Bei einem 60-jährigen beschwerdefreien Mann wurde erstmalig der Tumormarker PSA (Prostataspezifisches Antigen) bestimmt. Aufgrund einer geringen Erhöhung wurde zur weiteren Abklärung ein hochauflösendes MRT der Prostata durchgeführt. Es zeigte sich ein tumorsuspekter Befund im hinteren Abschnitt der peripheren Zone links mit Kontakt zur Organkapsel. Nach anschließender Biopsie wurde die Diagnose eines bösartigen Prostatatumors gesichert und die Prostata operativ entfernt.

Die Untersuchung erfolgte an einem hochmodernen MRT mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla und ultraschneller Software. Die repräsentativen MRT-Aufnahmen zeigen charakteristische morphologische und funktionelle Bildparameter.

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