Artikel erschienen am 14.09.2016

Schulterendoprothetik

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Im Gegensatz zur Arthrose an Hüft- und Kniegelenk zeigt die primäre Arthrose des Schultergelenkes (die sogenannte Omarthrose) eine Prävalenz von nur  3 %. Dennoch können wir einen stetigen Anstieg an implantierten künstlichen Schultergelenken mit aktuell etwa 25 000 jährlich in Deutschland verzeichnen. Die wesentlichen Gründe liegen zum einen in der demografischen Entwicklung in Deutschland und zum anderen auch in dem immensen Fortschritt in der Entwicklung der Schulterprothesen, die sich mittlerweile in der 5. Generation befindet. Inzwischen sind auch sehr verlässliche pros-pektive Studien publiziert worden, die über gute Ergebnisse der Prothesen berichten.

Die klassischen Symptome der Omarthrose sind bewegungsabhängige Schmerzen, im späteren Verlauf auch Ruhe- und Nachtschmerz. Durch den fortschreitenden Prozess des Gelenkabriebs kommt es zu Einschränkungen bei sportlichen Aktivitäten. Die zunehmende Bewegungseinschränkung führt schließlich auch zu erheblichen Einbußen bei alltäglichen Arbeiten. Bei entsprechendem Leidensdruck sollten konservative, ggf. auch arthroskopische Maßnahmen ausgeschöpft werden. Erst wenn dadurch die Beschwerden nicht mehr hinreichend gelindert und die Funktionalität der Schulter nicht wiederhergestellt werden kann, sollte über die Implantation einer Schulterprothese nachgedacht werden. Der behandelnde Arzt sollte neben einer klinischen Untersuchung spezielle Röntgenaufnahmen anfertigen und ggf. eine Schnittbildgebung (CT/MRT) veranlassen. Besonderes Augenmerk sollte hier in der Darstellung der Schultergelenkspfanne (dem sogenannten Glenoid) liegen. Etwaige Dysplasien müssen entdeckt und in die Entscheidungsfindung, welche Prothese implantiert werden sollte, mit einbezogen werden. Jeder Patient sollte daher eine auf ihn abgestimmte Empfehlung hinsichtlich Prothesentyp und Rehabilitation erhalten.

Als Schulterprothese wird der partielle oder vollständige endoprothetische Ersatz des verletzten oder verschlissenen Schultergelenkes beschrieben.

Abb. 1a und b: Postoperative Röntgenkontrolle
nach Implantation einer anatomischen Schultergelenks-prothese (a) und inversen Schulter­gelenksprothese (b)
Abb. 1c: Anatomische schaftfreie Schultertotalendoprothese

Hemiprothese

Bei der Hemiprothese handelt es sich um einen Teilersatz, bei dem nur der oberarmseitige Teil ersetzt wird und die Gelenkpfanne (Glenoid) erhalten bleibt. Grundvoraussetzung dabei ist ein erhaltener Gelenkknorpel der Gelenkpfanne und das Fehlen einer wesentlichen Pfannendysplasie. Des Weiteren muss die Integrität der Rotatorenmanschette gewährleistet sein und es darf keine wesentliche Schultersteife vorliegen. Prinzipiell steht hier die Kappenprothese und die Stiel- bzw. Schaftprothese zur Verfügung.

Anatomische Totalendoprothese (Abb. 1a)

Als Totalendoprothese (TEP) wird der vollständige Ersatz des Schultergelenkes bezeichnet. Hier wird also nicht nur der oberarmseitige Teil ersetzt, sondern auch die Gelenkpfanne, sofern diese von dem Gelenkverschleiß betroffen ist. Der humerale Teil kann entweder als Kappe, als schaftfreie Variante oder als Schaftprothese implantiert werden. Die schaftfreien Prothesen haben sich bei jüngeren Patienten bewährt. Auch bei der Pfannenversorgung gibt es zwei Varianten. Die Pfanne kann als zementiertes Polyethylen oder als sogenanntes Metall-back-Glenoid, bei der eine Metallbasisplatte auf die Pfanne gesetzt wird, implantiert werden.

Inverse Prothese (Abb. 1b)

Liegt eine ausgeprägte Schädigung der Rotatorenmanschette (sogenannte Cuffarthropathie) vor, kommt es zu einer veränderten anatomischen Beschaffenheit, sodass nur die Implantation einer inversen Prothese in Betracht kommt. Bei dieser speziellen oder inversen Prothese, die erstmals von Grammont 1986 in Frankreich entwickelt wurde, wird auf die eigentlich konkave Gelenkpfanne ein kugelartiges Implantat aufgesetzt. Der humerale Anteil wird durch einen konkaven Gelenkpartner ersetzt. Durch diese umgekehrte, also „inverse“ Situation wird der Oberarm nach unten verlagert und das Drehzentrum medialisiert. Somit übernimmt der seitliche Deltamuskel die Funktion der Rotatorenmanschette und ermöglicht das kraftvolle Abspreizen des Armes. Inverse Prothesen gewinnen immer mehr an Popularität, da sie nicht nur bei der sogenannten Cuffarthropathie eingesetzt werden, sondern auch in der Traumatologie im Rahmen von Oberarmkopffrakturen und sich auch als Revisionsprothese eignen.

Aussicht

Eine moderne Klinik sollte in der Lage sein, durch erfahrene Operateure das gesamte Portfolio der verschiedenen Prothesentypen implantieren zu können. Besonders vorteilhaft sind modulare Prothesentypen, da hier auch intraoperativ anhand der patientenindividuellen Problematik entschieden werden kann, welcher Prothesentyp implantiert werden kann und auch mögliche zukünftige Revisionseingriffe (TEP-Wechsel) dadurch erleichtert werden. Ausschlaggebend für den Erfolg der Operation ist die Kombination aus erfahrenem Operateur und der individuell abgestimmten Rehabilitation. Das Ziel der Prothesenimplantation ist es, eine schmerzfreie und gut bewegliche Schulter zu erreichen. Dabei eignen sich anatomische Prothesen besser zur Wiederherstellung der sportlichen Aktivität als inverse Prothesen.

Bilder: Paracelsus-Klinik am Silbersee

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