Artikel erschienen am 01.12.2013
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Der hohe Blutdruck

Ein gut behandelbarer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten

Von Prof. Dr. med. Burkhard Kreft, Hildesheim
Burkhard Kreft
Prof. Dr. med. Burkhard Kreft
Ärztlicher Leiter des PHV-Nieren- und Dialyse­zentrums

Die Höhe des Blutdrucks in den Arterien (oberer Wert: systolisch; unterer Wert: diastolisch) wird durch 3 Faktoren bestimmt:

  • 1. das Herzminutenvolumen (die Blutmenge, die die linke Herzkammer in einer Minute pumpt)
  • 2. den Füllungszustand der Blutgefäße
  • 3. die Weite und Elastizität der Blutgefäße.

Diese drei Faktoren werden durch Hormone und das sympathische Nervensystem beeinflusst. Einen ungünstigen Einfluss auf den Blutdruck haben zudem u. a. Bewegungsmangel, das Rauchen, Übergewicht, schädlicher Stress und zu hoher Kochsalzverzehr. Allgemein sollte der Blutdruck bei der Selbstmessung < als 135/85  mm Hg und bei der Messung in der Arztpraxis < 140/90  mm Hg sein. Bei der Blutdruckmessung müssen Fehlermöglichkeiten ausgeschlossen werden und es sollte eine standardisierte Blutdruckmessung am Ober- oder Unterarm erfolgen. Eine gute Ergänzung der sporadischen Blutdruckmessung ist die 24-Std-Langzeitblutdruckmessung. Die Normwerte sind wie folgt angegeben.

  • 24-Std-Mittelwert < 130/80 mm Hg
  • Tagesmittelwert < 135/85 mm Hg
  • Nachtmittelwert < 120/75 mm Hg
  • Variabilität am Tag < 15 mm Hg  (Systolischer Blutdruck)
  • Variabilität in der Nacht < 13 mm Hg  (Systolischer Blutdruck)
  • Nachtabsenkung (Dipper) 10– 15 %

Bei 5 – 10 % der Hochdruckpatienten findet man Erkrankungen oder Medikamente, die den Bluthochdruck (Hypertonus) verursachen. Hier sind Schlafstörungen (obstruktive Schlafapnoe), hormonelle Erkrankungen, Nieren- und Gefäßerkrankungen und Medikamente zu nennen. Zu häufigsten Folgen einer nicht oder unzureichend behandelten Hypertonie zählen die Herzmuskelschwäche, der Schlaganfall, der Herzinfarkt und das chronische Nierenversagen. Ein erhöhter Blutdruck schränkt auch
bei jüngeren Menschen die Lebenserwartung deutlich ein.Zur Diagnostik bei Hypertonie gehört das genaue Patientengespräch mit Bezug auf familiäre Erkrankungen und eigene Vorerkrankungen, die körperliche Untersuchung – insbesondere der Blutgefäße – und die Blutdruckmessung ggf. auch über 24 Stunden. Zusätzliche Untersuchungen (Labor, Urinbefund, EKG, Ultraschalluntersuchungen u. a.) sollen ursächliche Erkrankungen und ggf. eingetretene Folgeschäden erkennen lassen.

In der Therapie sollten neben den 10 Grundregeln für Hochdruckpatienten die verschiedenen medikamentösen Maßnahmen inklusive der möglichen Nebenwirkungen bedacht werden.

Die Kunst besteht in der Auswahl der richtigen und verträglichen Medikamente und deren Kombination. Bei einer Behandlungsdauer von etwa 5 Jahren kann die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen im mittleren Lebensalter um bis zu 37 % und bei Schlaganfällen um 57 % gemindert werden. Bei einer schwer einstellbaren Hypertonie kann auch eine apparative Nierensympathikusverödung zu einem besseren Behandlungserfolg beitragen.

  • Betablocker: Verminderung der Herzarbeit und des Belastungsblutdrucks
  • Diuretika: Steigerung der Kochsalz-und Wasserausscheidung über die Nieren
  • Kalziumantagonisten: Erweiterung der Gefäße
  • ACE-Hemmer/AT I-Rezeptorantagonisten/Direkte Reninhemmer: Erweiterung der Gefäße, Hemmung blutdrucksteigernder Hormone
  • Alphablocker: Erweiterung der Gefäße
  • Aldosteronantagonisten: Steigerung der Kochsalz­ausscheidung
  • Zentrale Blutdrucksenker: Hemmung der Symphatikusaktivität
  • Direkte Vasodilatatoren: Erweiterung der Gefäße

 10 Grundregeln für Hochdruckpatienten

  • Blutdruck regelmäßig im Ruhestand messen
  • Empfehlungen des Arztes beachten
  • Normalgewicht anstreben
  • Übermäßigen Alkoholgenuss einschränken
  • Kochsalz durch Gewürze ersetzen
  • Reichlich Obst und Gemüse essen
  • Pflanzliche Fette und hochwertige Öle bevorzugen
  • Rauchen einstellen
  • Körperliche Bewegung fördern
  • Für Ruhepausen und Entspannung sorgen

Fazit

Der hohe Blutdruck gehört somit zu den gut behandelbaren Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Foto: panthermedia/Elena Elisseeva

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