Artikel erschienen am 25.04.2023
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Schwere Herzinsuffizienz – Eine interdisziplinäre Herausforderung

Die Bedeutung des Herzinsuffizienz-Netzwerkes

Von Prof. Dr. Med. Matthias Heintzen, Braunschweig

Sie ist der häufigste Grund für Krankenhauseinweisungen, pro Jahr werden mehr als 400 000 Patienten stationär behandelt, fast 40 000 Patienten sterben an den Folgen der Herzschwäche. Ist einmal die Diagnose Herzinsuffizienz gestellt, beträgt die mediane Überlebenszeit dieser Patienten nur noch knappe 3 Jahre.

Die zunehmende Alterung der Bevölkerung und verbesserte Überlebenschancen nach Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen oder Myokarderkrankungen führen zu kontinuierlich steigenden Patientenzahlen.

Bei vielfältigen Ursachen und inzwischen erheblich verbesserten Therapiemöglichkeiten stellt die schwere Herzinsuffizienz als „Systemerkrankung“ im Hinblick auf eine schnelle und sichere Diagnostik und die zunächst akute und dann chronische Therapie hohe Ansprüche an die behandelnden Ärzte.

Das Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten erstreckt sich von der medikamentösen Therapie oder revaskularisierenden Verfahren (Stents oder Bypass-Operation) über Klappen-OP oder kathetergestützte Klappeninterventionen, komplexe kombinierte Eingriffe mittels Katheter und Operation, herzunterstützenden Schrittmachern oder Defibrillatoren (CRTD) bis hin zu Kunstherz oder die Herztransplantation.

Oft leiden Patienten mit Herzinsuffizienz zusätzlich an Stoffwechselerkrankungen oder einer Niereninsuffizienz, sodass sich die Komplexität der Erkrankung und die Behandlungsnotwendigkeiten nochmals zunehmen.

Eine optimale Versorgung dieser Patienten kann daher nur in einem interdisziplinären Netzwerk gelingen. Die Therapie sollte von einem auf die Erkrankung spezialisierten Team aus Kardiologen und Kardiochirurgen, Spezialisten für Stoffwechselerkrankungen und Nephrologen individuell besprochen und umgesetzt werden. Parallel dazu müssen Fachkräfte aus Pflege, Physiotherapie und ambulant unterstützenden Disziplinieren eingebunden werden, um neben der medizinischen Versorgung die Rekonvaleszenz der Patienten zu fördern und eine nachhaltige Stabilisierung des Krankheitsbildes zu sichern. Eine Vernetzung von stationärer und ambulanter Betreuung auf allen Ebenen ist unabdingbar. In diesem Sinne ist die nationale Initiative zur Etablierung von Herzinsuffizienz-Netzwerken ein Meilenstein für die Betreuung von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz.

Ausgehend von einem Krankenhaus mit Expertise im personellen, apparativen und stationären Bereich („Schwerpunktkrankenhaus“) können Patienten dort akut interdisziplinär diagnostiziert und therapiert werden. In diesem Krankenhaus kümmert sich ein Herzinsuffizienzteam aus spezialisierten Ärzten und Pflegekräften („Heart-Failure-Nurse“), um die Rekompensation der Patienten, wenn nötig auf einer speziell auf die Bedürfnisse dieser Patienten zugeschnittenen Herzinsuffizienz-Intensivstation („Heart Failure Unit“). Die Therapie von der maximal möglichen Medikation bis hin zur Kunstherzunterstützung wird auf höchstem Niveau vorgehalten, für den Fall der Notwendigkeit einer Herztransplantation besteht ein kurzer Draht zu einem übergeordneten Zentrum.

Eine enge Kooperation mit den betreuenden Hausärzten und Fachärzten ist etabliert.

Der wieder ambulant geführte Patient kann sich jederzeit bei Befundverschlechterung in der Herzinsuffizienz-Ambulanz vorstellen oder wenn nötig erneut stationär behandelt werden.

Gerade an der Schnittstelle zwischen Ambulanz und stationärer Behandlung ist die Arbeit der Koordinatoren wichtig, um sektorenübergreifend und patientenzentriert durch Optimierung der Therapie im ambulanten Bereich eine stationäre Wiederaufnahme zu vermeiden. Je häufiger ein Patient mit Herzinsuffizienz erneut dekompensiert und stationär aufgenommen werden muss, umso geringer ist seine Überlebenswahrscheinlichkeit.

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