Artikel erschienen am 25.04.2023
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Radiologie und Nuklearmedizin – viel mehr als nur Röntgendiagnostik

Von Prof. Dr. Med. Philipp Wiggermann, Braunschweig
Philipp Wiggermann
Prof. Dr. Med. Philipp Wiggermann
Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie

Röntgen- oder Ultraschallschallaufnahmen etwa oder Bilder aus Computertomographie oder digitaler Mammographie. „Aber unser Spektrum ist viel größer“, sagt Philipp Wiggermann. Seit 2018 leitet er als Chefarzt das Institut für Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin des Klinikums Braunschweig. Bei einem Rundgang durch das Institut wird deutlich: Wer in diesem Bereich arbeitet, ist praktisch Arzt und Physiker zugleich. Und manchmal wendet er Verfahren an, die schwer kranke Menschen noch viele Jahre leben lassen.

Zaubern kann zwar auch Wiggermann nicht, genauso wenig die Mitarbeiter seines Instituts. Aber manchmal kommt es vor, dass Krebspatienten an anderen Kliniken aufgegeben wurden – und in Braunschweig Hoffnung geschenkt bekommen. Und dazu: wertvolle Lebenszeit. Jährlich werden in dem Institut mehr als 130 000 Untersuchungen durchgeführt. Die Ärzte wenden dabei modernste Geräte und Verfahren an. „Durch die Größe unserer Abteilung haben wir sehr viele Synergieeffekte. Was wir vormittags im PET-CT sehen, wird nachmittags in der Angiographie therapiert“, sagt Wiggermann.

Das PET-CT ist im norddeutschen Raum eines der modernsten und vereint die Vorteile von Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und Computertomografie (CT). So können die Mediziner bei geringer Strahlenbelastung für die Betroffenen selbst kleinste Metastasen aufspüren und die Tumoraktivität sichtbar machen. Letzteres geschieht, indem den Patienten ein schwach radioaktiv markierter Zucker, Tracer genannt, injiziert wird. Der Tracer reichert sich in stoffwechselaktivem Gewebe an. Weil Krebszellen besonders aktiv sind, erscheinen die erkrankten Zellen auf dem Bild als leuchtende Bereiche. Später können Sonden – teilweise robotergestützt – millimetergenau zu den Tumorherden geführt werden. Mittels Hitze oder Mikrowellenstrahlung werden die bösartigen Zellen abgetötet. Diese minimalinvasiven Verfahren können auch dann angewendet werden, wenn eine Operation nicht möglich ist – etwa, weil der Tumor zu nahe an zentralen Gefäßen sitzt.

Aber nicht nur Krebs, sondern auch degenerative Erkrankungen können mit Hilfe des PET-CT diagnostiziert werden. Denn wenig stoffwechselaktive Bereiche im Gehirn weisen auf pathologische Zustände hin. „So verrät uns eine Aufnahme oft schon, ob es sich um eine Demenzerkrankung wie beispielsweise Alzheimer oder nur um Altersschusseligkeit handelt“, sagt Wiggermann. Auch Gewebeproben, sogenannte Biopsien, werden unter Verwendung modernen Computertomografen entnommen. Zudem kommt diese auch bei der Verödung von Nerven als Teil einer Schmerztherapie zum Einsatz.

Ein weiteres minimalinvasives Verfahren, das zur Behandlung von inoperablen Lebertumoren eingesetzt wird, ist die Chemosaturation. Durch einen speziellen Katheter wird die Leber vom übrigen Blutkreislauf des Körpers isoliert. Über die Schlagader kann das Organ dann mit einem hochdosierten Chemotherapeutikum geflutet werden. „Das funktioniert nur in der Leber, weil die dortigen Entgiftungszellen mit einer solchen Dosis klarkommen“, erklärt Wiggermann.

Nicht zuletzt nutzen die Radiologen am Klinikum Braunschweig minimalinvasive Verfahren auch bei Notfällen im Kopfbereich. Bei Schlaganfallpatienten werden Blutgerinnsel durch die mechanische Thrombektomie entfernt. Dabei wird der Verschluss mit Hilfe eines eingeführten Katheters entfernt. Und auch bei Aneurysmen, also krankhaften Gefäßausstülpungen, wird die Gefahr von Blutungen durch das Einführen von zum Beispiel platinbeschichteten Metallspiralen (Coils) gebannt.

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