Artikel erschienen am 19.04.2023
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Häufige Ursachen für Schulterbeschwerden

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig

So handelt es sich einmal um das eigentliche Gelenk zwischen Oberarmkopf und Oberarmpfanne, um das Gelenk zwischen Oberarmkopf und Schulterdach (Subakromialgelenk), dem Gelenk zwischen Schlüsselbein und Schulterdach (Akromioclaviculargelenk) und der Struktur zwischen Schulterblatt und Brustkorb.

Die einzige knöcherne Verbindung des Oberarmes zum Rumpf ist das kleine Schultereckgelenk.

Im Bereich dieser Gelenke können multiple Erkrankungen auftreten, die mit der besonderen Anatomie, Kinematik und Struktur des Schultergelenkes zu tun haben. Der sehr großen Kugel des Oberarmkopfes steht eine sehr kleine Pfanne gegenüber, um einen großen Bewegungsspielraum zu ermöglichen. Dies bedingt aber auch eine gewisse Anfälligkeit für Instabilitäten, sodass es durch anlagebedingte Schäden oder durch Verletzungen zu Verrenkungen oder Teilverrenkungen des Schultergelenkes kommen kann, die z. T. operativ saniert werden müssen. Hierzu gibt es minimalinvasive Verfahren, die durch eine Gelenkspiegelung durchgeführt werden können, sowie offene Verfahren. Die Regel dabei lautet: Je jünger der Patient, desto wichtiger ist eine operative Stabilisierung der Schulter, da es sonst zu wiederholten Verrenkungen kommen kann. Häufig verantwortlich für eine wiederholte Verrenkung ist das Abreißen der vorderen Gelenklippe, die die Pfanne in ihrer Stabilität unterstützt.

Sehr häufige Erkrankungen im Bereich des Schulterdaches, sprich des Gelenkes zwischen Oberarmkopf und Schulterdach, sind Schleimbeutelentzündungen und Schädigungen der die Schulter stabilisierenden Muskelmanschette, der sogenannten Rotatoren­manschette. Prinzipiell kann man sagen, dass die meisten Schultererkrankungen zunächst konservativ behandelt werden sollten, z. B. durch Krankengymnastik oder entzündungshemmende Maßnahmen. Greift dies nicht, muss die Ursache für die Beschwerden gesucht werden, die dann entweder in einer Abschwächung der tiefen Muskelgruppe, der Rotatorenmanschette oder in einem oft degenerativ beginnenden Riss derselben liegen. Beschwerden im Bereich des Subakromialraumes zwischen Oberarmkopf und Schulterdach werden vornehmlich arthroskopisch im Rahmen von Gelenkspiegelungen behandelt.

Oft reicht es, den hier stark entzündeten Schleim­beutel zu entfernen und knöcherne Vorsprünge am Schulterdach zu beseitigen. Es sollte immer kontrolliert werden, ob die sogenannte Rotatorenmanschette, meistens der obere Muskel (Musculus supraspinatus), gerissen ist – ab einem gewissen Alter geschieht dies auch ohne gravierende, von außen einwirkende Kraft und ohne Unfall. Dieser Riss ist oft Ursache für ein relatives Hochtreten der Oberarmkugel, die dann zu einem sogenannten Impingement, d. h. zu einem Engpass aufgrund Einklemmung von Sehnen oder Muskeln, führt. Das bedeutet, dass in Folge eine Kombination aus Rekonstruktion der Sehne (Rotatorenmanschetten-Naht) und Beseitigung der entzündlichen Strukturen unter dem Schulterdach notwendig ist. Dies kann meist während einer Gelenkspiegelung gelöst werden, in gewissen Fällen ist aber auch eine kleine offene Operation zur Rekonstruktion der Sehne notwendig.

Fakt ist, dass nicht alle Sehnenschädigungen im Bereich des Schultergelenkes einer operativen Therapie bedürfen. Häufig werden diese gut vom Patienten kompensiert und es reicht, die angrenzende Muskulatur zu trainieren, zumal mit zunehmendem Alter die Risse oft verschleißbedingter Natur sind. Eine weitere Struktur im Bereich des Schultergelenkes, die gravierende Probleme auslösen kann, ist das Schultereckgelenk. Gerade bei älteren Patienten kommt es hier häufig zu verschleißbedingten Veränderungen. Diese können – da konservativ schwer beherrschbar – durch einen kleinen Eingriff entweder arthroskopisch oder offen in der Form behoben werden, dass man das Gelenk eröffnet und den gelenkbildenden Anteil desselben, d. h. oft eine 4-5mm breite Knochenscheibe vom äußeren Ende des Schlüsselbeines, entfernt. Anschließend wird das Gelenk wieder verschlossen und funktioniert wie ein – umgangssprachlich ausgedrückt – Falschgelenk, das im Vergleich zum ursprünglichen Gelenk allerdings schmerzfrei ist.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Anatomie des Schultergelenkes extrem komplex ist und eine hohe Erfahrung erforderlich ist, um die klare Ursache für die Beschwerden he­rauszufinden. Die überwiegende Anzahl der Schulterbeschwerden kann rein konservativ durch Krankengymnastik, physikalische Therapie oder entzündungshemmende Medikamente gelöst werden. In Ausnahmefällen ist zur Behebung der ausgeprägten Beschwerden, die häufig nachts und vor allem bei Überkopfarbeiten Probleme machen, eine operative Maßnahme angezeigt.

 

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