Artikel erschienen am 19.04.2023
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Aktuelles zur Schilddrüsenchirurgie

Von Dr. med. Hinrich Köhler, Braunschweig

Seltener wird eine Operation bei Überfunktion des Organs oder der Basedow-Krankheit durchgeführt und weitaus weniger häufig sind die Operationen an den Nebenschilddrüsen.

Bei Knoten mit Überfunktion oder Autonomie und bei nicht zu starker Vergrößerung der Schilddrüse kann eine ausreichende Kontrolle des Organs alternativ auch durch eine Radiojodtherapie, d. h. eine Behandlung mit Schlucken einer Kapsel, erzielt werden. Bei deutlicher Vergrößerung des Organs oder bei kalten Knoten, die sich dem Stoffwechsel der Schilddrüse entziehen, kommt jedoch eher eine Operation in Betracht.

Heutzutage wird grundsätzlich mit Lupenbrille und Neuromonitoring operiert, um eine maximale Sicherheit der gefährdeten Strukturen zu erreichen. Gefährdet sind die Nebenschilddrüsen, die für den Calcium-Stoffwechsel verantwortlich sind, sowie der Stimmbandnerv, der hinter der Schilddrüse hochzieht und sowohl links als auch rechts zum Kehlkopf läuft und dort die Stimmbänder innerviert. Daher muss jeder Patient vor einer Schilddrüsenoperation auch zu einer einmaligen HNO-ärztlichen Begutachtung, um krankhafte Veränderungen der Stimmbänder vor der Operation zu dokumentieren.

Seit einigen Jahren wird bei jeder Schilddrüsenoperation ein kontinuierliches Neuro­monitoring angewendet. Hierzu wird eine Sonde auf dem Nervus vagus platziert, die ein permanentes akustisches Signal gibt. Kommt man während der Operation dem Stimmbandnerv zu nahe, schwächt sich das Signal ab und man kann ausreichend Abstand wahren. Durch diese Technik hat sich die Sicherheit des Stimmbandnerves nochmals deutlich erhöht und auch bei schwierigen Operationen und Rezidiveingriffen lässt sich in der Regel die Schilddrüse sicher mit Nervenschonung operieren. Die Rate der Nervenverletzung in erfahrenen Zentren liegt unter 1 % der Operationen bei Ersteingriffen. Bei Rezidiveingriffen steigt die Gefahr für den Stimmbandnerv deutlich. Die Rate für Nervenverletzungen wird hier mit 15 % angegeben. Daher sollte bei einer Schilddrüsenoperation jede Seite des Organs so radikal operiert werden, dass eine spätere Rezidivoperation möglichst vermieden wird. Werden beide Schilddrüsenseiten operiert, was in 70 bis 80 % der Operationen erforderlich ist, und verbleibt kein wesentlicher Schilddrüsenrest, so ist der Patient auf eine lebenslange Einnahme einer Schilddrüsenhormontablette angewiesen (Thyroxin). Diese Tablette ist weltweit verfügbar und das Hormon hat eine Halbwertzeit von ca. 3 Wochen, sodass auch bei fehlender Einnahme über mehrere Tage keine Probleme zu erwarten sind.

Besonderes Augenmerk muss bei einer Schilddrüsenoperation auf das vorsichtige schonende Präparieren der Nebenschilddrüsen gelegt werden. Diese müssen bei guter Durchblutung in ihrer Position verbleiben, damit eine spätere Calcium-Stoffwechselstörung vermieden wird. In erfahrenen Zentren tritt ein dauerhaftes Absinken des Calciumspiegels nur äußert selten auf. Ein vorübergehendes Absinken des Calciumspiegels nach der Operation wird mit der Gabe von Calcium und Vitamin D behandelt.

Ein Krankenhausaufenthalt nach Schilddrüsenoperation dauert in der Regel nur 2 Nächte. Die Rückkehr zur vollen körperlichen Belastung wird innerhalb weniger Tage erreicht. Auch eine Einschränkung der Stimmbandfunktion nach einer Operation tritt in der Regel nicht auf. Die Rückkehr zur vollen Erwerbstätigkeit sollte daher innerhalb von 1-2 Wochen möglich sein.

 

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