Artikel erschienen am 19.04.2023
E-Paper

Adipositaschirurgie

Operative Therapiemöglichkeiten bei starkem Übergewicht

Von Dr. med. Hinrich Köhler, Braunschweig

In Deutschland leiden ca. 2 % der Bevölkerung an krankhaftem Übergewicht, d. h. einem Body-Mass-Index über 40 kg/m². Dieses starke Übergewicht führt zu vielen Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes, Schlafapnoe, Schlaganfall, Krebsleiden etc., was zu einer drastischen Erhöhung der Sterblichkeit führt. Durch eine Magenverkleinerung bilden sich diese Folgeerkrankungen zurück, die Lebenserwartung und vor allem die Lebensfreude steigen nachweislich.

Neben dem Magenband, welches eine Einengung des Mageneingangs bewirkt, hat sich weltweit der Magenbypass als häufigste adipositaschirurgische Operation etabliert. Bei dieser Methode wird am Mageneingang ein kleiner Teil des Magens vom Restmagen abgetrennt. Dieser sogenannte Vormagen wird direkt mit dem mittleren Teil des Dünndarms verbunden. Der größte Teil des Magens und der erste Teil des Dünndarms werden umgangen. So wird einerseits die Menge der Nahrungsaufnahme reduziert und zusätzlich kommt es zu einer Mangelverdauung. Die Nahrung wird nicht vollständig vom Körper aufgenommen. Vor allem fetthaltige Nahrung wird vermindert absorbiert und zuckerhaltige Nahrung kann in größeren Mengen unangenehme Empfindungen wie Schweißausbruch und Übelkeit auslösen. Durch den Magenbypass wird das Übergewicht stark reduziert. Bereits nach einer kleinen Mahlzeit tritt ein ausgeprägtes Sättigungsgefühl ein.

Der Omega-Bypass ist eine neue Variante des Magenbypass. Durch Ausschaltung eines ca. 200-250cm langen Dünndarmabschnitts werden noch weniger Nahrungsbestandteile vom Körper aufgenommen. Damit wird eine spätere Wiederzunahme noch wirkungsvoller verhindert.

Eine weitere Operation, die Schlauchmagenbildung, hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Auch hierbei kommt es zu einer drastischen Gewichtsreduktion. Der Gewichtsverlust erscheint bei dieser Operation nahezu genauso effektiv wie nach Magenbypass-Anlage.

Durchschnittlich ist in den ersten zwei Jahren mit einem Gewichtsverlust von 70 % des Übergewichts zu rechnen. Danach stabilisiert sich das Gewicht. Ein Nebeneffekt dieser Operation ist, dass sich Diabetes mellitus sowie Bluthochdruck und Schlafapnoe-Syndrom sehr schnell vollständig zurückbilden. Insulin ist nach einer solchen Operation in der Regel nicht mehr erforderlich.

Bei allen drei Methoden ist eine lebenslange Ergänzung der Nahrung mit Vitaminen, Calcium und Spurenelementen erforderlich. Es bedarf einer langfristigen Ernährungsumstellung hinsichtlich einer fett- und zuckerarmen, aber eiweißreichen Ernährung. Weiterhin ist bei allen drei vorgestellten Methoden eine jährliche Nachsorge in der behandelnden Klinik notwendig.

Ähnliche Artikel

Gesundheit

Sodbrennen und Funktionsstörungen der Speiseröhre

Sodbrennen ist meist medikamentös therapierbar. Tritt keine Besserung auf, können Betroffenen eine spezielle Diagnostik und minimalinvasive Operationstechniken helfen.

Braunschweig/Wolfsburg 2020 | Dr. med. Johannes Linder, Braunschweig | Dr. med. Hinrich Köhler, Braunschweig

Gesundheit

Alles in Ordnung? Das kann doch nicht wahr sein!

Hr. M., der kürzlich 56 Jahre alt geworden ist, hat sich sein ganzes bisheriges Leben guter Gesundheit und Leistungsfähigkeit erfreut, aber seit letztem Jahr „ist der Wurm drin“.

Gesundheit 2024 | Dr. Med. Isabelle Lang-Rollin, Königslutter