Artikel erschienen am 18.10.2018

Spezialisierte onkologische Versorgung in Tumorzentren

Cancer Center Braunschweig – das Tumorzentrum für die Region

Von Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann, Braunschweig

2008 wurde durch die Bundesregierung der nationale Krebsplan initiiert. Nach intensiver Abstimmung mit den onkologischen Fachgesellschaften wurde festgelegt, dass künftig die onkologische Versorgung qualitätsgesichert erfolgen soll. Hierfür wurden sog. Organzentren konzipiert.

Die Zertifizierung eines solchen Zentrums setzt Mindestzahlen und Qualitätsstandards in Bezug auf Prozess- und Behandlungsqualität voraus. Darüber hinaus müssen die Therapiekonzepte für jeden Patienten in interdisziplinären Tumorboards besprochen werden. Nach Erfüllung aller Qualitätsstandards und der geforderten Fallzahlen wird nach einer mehrtägigen Prüfung das Zertifikat verliehen.

Zunächst erfolgten die Zertifizierungen für den Bereich Brustkrebs und gynäkologische Tumoren, inzwischen gibt es bundesweite Organzentren u. a. für Prostata- und Lungenkrebs sowie für gastrointestinale Tumoren, Kopf-/Halstumoren und andere mehr. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) schätzt, dass die Heilungschance, z. B. einer Patientin mit Mammakarzinom, sich um ca. 5 % verbessert, wenn sie innerhalb eines zertifizierten Brustzentrums behandelt wird.

Beim Vorhandensein von mindestens zwei Organzentren ist die Zertifizierung zu einem onkologischen Zentrum möglich. Diese übergeord­nete Struktur verbindet dann als Netzwerk die Organzentren, koordiniert Studienaktivitäten, orga­nisiert Patienteninformationstage und dokumentiert die Behandlungsergebnisse bzw. koordiniert die komplexen Zertifizierungsprozesse. Darüber hinaus bietet das Tumorzentrum ein Portal für zweit­meinungssuchende Patienten sowie für ärztliche Kollegen an.

Am Klinikum Braunschweig stellt die onkologische Versorgung einen strategischen Schwerpunkt dar. Hier wurden in den letzten 10 Jahren nach dem Brustkrebs- und dem Gynäkologischen Zentrum inzwischen Organzentren für die Prostata, die Lunge, die Magen-/Darmtumoren sowie weitere Module für Kopf-/Halstumoren, Ösophagus- und Pankreastumoren bzw. Sarkome zertifiziert. Auf dem Boden dieser Zentren wurde schließlich auch das onkologische Zentrum „Cancer Center Braunschweig – das Tumorzentrum für die Region“ als regionales Tumorzentrum von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Patienten können sich jetzt sicher sein, dass im Klinikum Braunschweig bösartige Tumoren auf universitärem Niveau nach neuesten internationalen Leitlinienstandards behandelt werden, wobei eine interdisziplinäre Abstimmung für multimodale Therapiekonzepte zwischen Operation, Radiotherapie und Systemtherapie regelhaft erfolgt. Auch auswärtige Kollegen haben Zugang zu den wöchentlichen mehrfach stattfindenden Tumorkonferenzen und sind teilweise als Partner des Cancer Centers Braunschweig zertifiziert. Über die Deutsche Krebsgesellschaft werden die Behandlungsprozesse und Behandlungsergebnisse überwacht und ein Zertifikat nur dann wieder erneuert, wenn die hohen Qualitätsstandards dauerhaft Erfüllung finden. Das Cancer Center Braunschweig hat somit eine Funktion als Anbieter für spezialisierte onkologische Therapien für die Region zwischen den akademischen Tumorzentren Göttingen, Magdeburg und Hannover und versorgt somit eine Einwohnerzahl von über 1 Mio. Das Cancer Center Braunschweig kooperiert intensiv mit umliegenden Krankenhäusern bzw. niedergelassenen Ärzten und bietet auch die Beratung bei schwierigen Dia­gnostik- bzw. Therapieproblemen für onkologische Patienten für die Region an.

Fazit

Patientinnen und Patienten können sich sicher sein, dass für sie im Cancer Center Braunschweig ein interdisziplinär abgestimmtes und individuelles Behandlungskonzept erstellt wird.

Bild: Fotolia/sdecoret

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