Artikel erschienen am 20.11.2018

Bildgebende Diagnostik im Darmzentrum

Von Dr. med. Hans-Kristian Klocke, Wolfenbüttel | Dr. med. Fabian Weise, Wolfenbüttel

Ein Darmzentrum ist ein spezialisiertes Netzwerk unterschiedlicher medizinischer und assoziierter Fachrichtungen, in dem an Darmkrebs erkrankte Patienten ganzheitlich und umfassend diagnostiziert und therapiert werden. Hierbei wird die gesamte Kette von der Vorsorge über die Diagnosestellung und Behandlung bis hin zur Nachsorge abgebildet. Grundlage des medizinischen Handelns ist hier eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht nur zwischen den beteiligten Ärzten, sondern auch unter Einbeziehung weiterer beteiligter Berufsgruppen. Gemeinsame Grundlage der Behandlung ist die sog. S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“ für die Krebserkrankungen des Dickdarmes und des Enddarmes.

Vorbereitung eines Patienten zur Untersuchung in einem modernen CT-Scanner.

Die Leitung eines Darmzentrums obliegt i. d. R. den Fachabteilungen der Allgemeinchirurgie und/oder der Gastroenterologie. Darüber hinaus zählen zu den wesentlichen Kooperationspartnern die Fachrichtungen Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie und die Radiologie.

Zentraler Bestandteil der interdisziplinären Versorgung der Darmkrebspatienten bilden die Tumorkonferenzen. In enger Zusammenarbeit der beteiligten Fachdisziplinen wird eine umfassende Diagnostik sowie ein individuell aufgestellter Therapieplan für den Patienten gemeinsam festgelegt. Die Bildgebung ist dabei nicht nur wichtig, um den Tumor selbst zu diagnostizieren. Es ist auch entscheidend für den weiteren Behandlungsweg, zu wissen, welches Tumorstadium vorliegt.

An die Bildgebung werden Fragen adressiert, inwieweit der Tumor sich lokal ausgedehnt hat, ob regionale Lymphknoten befallen sind und ob Fernabsiedlungen in andere Organe vorliegen. Darüber hinaus gewinnt der Chirurg entscheidende Informationen über die operative Herangehensweise. Wie ist die Gefäßversorgung des Tumors? Wie viele Metastasen liegen z. B. in der Leber vor? Können diese operiert oder müssen andere Methoden eingesetzt werden?

Insbesondere die modernen Schnittbildverfahren, wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) können all diese Fragen präzise beantworten und liefern damit entscheidende Informationen für die Diagnostik und Therapie der erkrankten Patienten.

Computertomografie (CT)

Bei der Computertomografie (CT) werden durch eine umlaufende Röntgenröhre mittels Röntgenstrahlen Schichtbilder des Körpers erstellt. Die Schichten werden nur in einer axialen Ebene angefertigt, die heutigen Rechner erlauben aber anschließend eine dreidimensionale Rekonstruktion in jeder gewünschten Schichtebene. Die modernen Geräte können mehrere Schichten auf einmal berechnen, somit ist die effektive Untersuchungsdauer sehr kurz und dauert nur wenige Sekunden. Je nach Fragestellung wird zur Verbesserung der Aussagekraft der Bilder Kontrastmittel zum Schlucken verabreicht oder in die Vene gespritzt. Diese Untersuchung eignet sich besonders zur schichtweisen Darstellung von Lunge und Bauchorganen. Die CT-Untersuchung ist schnell durchzuführen und daher auch für ältere Patienten oftmals akzeptabler als eine aufwendigere MRT-Untersuchung. Eine CT-Untersuchung ist obligat, um das Ausmaß des Tumorbefalls und die Fernabsiedlungen zu erkennen. Auch ermöglicht die hohe Ortsauflösung eine exakte Feinbeurteilung z. B. einer Gefäßversorgung des Tumors, sodass dem behandelten Chirurgen wertvolle Informationen zur Verfügung gestellt werden können.

Metastasen eines Darmtumors in der Leber – diagnostiziert durch eine CT-Untersuchung.

Eine Sonderform der CT-Bildgebung stellt die sog. virtuelle Koloskopie dar. Anders als bei der klassischen optischen Koloskopie, bei der ein biegsames Endoskop eingeführt wird, können hier dreidimensionale Bilder des Darmes durch eine spezielle Software generiert werden, die auf Datensätze einer dünnschichtigen CT-Untersuchung zurückgreift. Der Radiologe sitzt also vor seinem Monitor, wertet die erstellten Aufnahmen aus und begibt sich auf eine virtuelle Fahrt durch den Darm, dessen Innenansicht sich mit all seinen Windungen und Biegungen auf dem Bildschirm darstellt. Die Indikation für diese Untersuchung muss allerdings streng gestellt werden, da diese Methode im Gegensatz zur klassischen Endoskopie mit einer Strahlenbelastung behaftet ist. Die CT-Koloskopie sollte deshalb leitliniengerecht nur bei den Patienten durchgeführt werden, bei denen aufgrund von Verwachsungen eine herkömmliche Darmspiegelung nur unvollständig erfolgen konnte. Idealerweise werden die Patienten direkt nach der nur teilweise erfolgten Spiegelung im CT untersucht, sodass die vorbereitende Darmreinigung nicht noch einmal erneut durchgeführt werden muss.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Das MRT-Gerät, welches mit einem starken Magneten statt mit Röntgenstrahlen arbeitet, ist darüber hinaus ähnlich aufgebaut wie der CT-Scanner. Die Messungen dauern länger als bei der Computer­tomografie (bis mehrere Minuten).

Da die Untersuchung in einem starken Magnetfeld stattfindet, ist es wichtig, dass die Patienten keine Metallgegenstände mit sich tragen. Dieses betrifft insbesondere Kreditkarten, EC-Karten oder andere Karten mit Magnetstreifen.

Offener MRT

Für angstbehaftete Patienten, die die notwendige Untersuchung in einem herkömmlichen Gerät nicht durchführen können, stehen an besonders hierfür spezialisierten Röntgenpraxen auch offene MRT-Scanner zur Verfügung.

Die Magnetresonanztomografie (oder auch Kernspintomografie genannt) ist ideal für Untersuchungen der Leber, hier kann das gesamte Ausmaß eines metastatischen Befalls dokumentiert werden und so oftmals wertvolle Hinweise für die Behandlungsstrategie gegeben werden. Auch zur Fein­beurteilung des Enddarms ist eine gezielte dünnschichtige MRT-Untersuchung erforderlich. Hier kann insbesondere eine Beurteilung der angrenzenden Gewebsstrukturen erfolgen. Zur Feinbeurteilung eines sehr frühen Tumorstadiums, das möglicherweise auf die Schleimhaut beschränkt ist, wird idealerweise eine endo-sonografische Untersuchung durchgeführt. Hierfür wird eine feine Ultraschallsonde über den After in den Enddarm eingeführt.

Zusammenfassend stellen die modernen radio­logischen Schnittbildverfahren einen entscheidenden Baustein in der Diagnostik und Therapie des Darmkrebses dar. Leitliniengerecht eingesetzt leisten sie eine wertvolle Hilfe in der Behandlung der an Krebs erkrankten Patienten.

Fotos: Dr. Fabian Weise, Andreas Rudolph

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