Artikel erschienen am 19.07.2017
E-Paper

Schwerhörigkeit

Von Christian Pogan, Braunschweig

Entstehung einer Schwerhörigkeit: Im Laufe des Lebens verschlechtern sich die Leistungen aller Sinne – auch das Hörvermögen nimmt ab. Eine schleichende Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) ist eine ganz natürliche Entwicklung, die bei fast jedem Menschen ab einem gewissen Lebensalter einsetzt.

Beschleunigt wird ein Hör­verlust durch Lärm­belas­tungen, Herz-Kreislauf-Er­kran­kun­gen oder Diabetes, bestimmte Medi­ka­mente oder Gifte wie Nikotin.

Schwerhörigkeiten können im gesamten Be­reich der Hör­organe auftreten. Zu den Hör­organen zählen die Ohr­muschel, der Gehör­gang, das Mittelohr, das Innenohr sowie der Hör­nerv.

Der Hör­verlust kann angeboren sein oder durch innere und äußere Einflüsse hervor­gerufen werden. Er kann sich langsam entwickeln, aber auch plötzlich auftreten.

Arten von Hörverlusten und Schwerhörigkeiten

Unterschieden wird nach Erkrankungen im Innen-, Mittel- und Außenohr. Ist das Außen- oder Mittelohr betroffen, spricht man von einer Schallleitungsschwerhörigkeit. Sind das Innenohr oder der Hörnerv betroffen, liegt eine Schallempfindungsschwerhörigkeit vor. Diese Hörstörungen können auch in Kombination auftreten.

1. Gehörgang | 2. Trommelfell | 3. Gehörknöchelchen | 4. Gleichgewichtsorgan | 5. Gehörschnecke | 6. Basilarmembran mit Haarzellen | 7. Hörnerv

Schallleitungsschwerhörigkeit

Die Schallleitungsschwerhörigkeit bezeichnet alle Blockaden im Außen- oder Mittelohr, die die natürliche Schallweiterleitung verhindern. Ein verstopfter oder fehlgebildeter Gehörgang kann ein Grund sein, aber auch eine Trommelfellperforation, eine Verkalkung der Gehörknöchelchen oder eine Infektion im Mittelohr. In manchen Fällen tritt die Schallleitungsschwerhörigkeit nur vorübergehend auf oder lässt sich operativ beseitigen.

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Bei dieser Form der Schwerhörigkeit gibt das Mittelohr die Schallwellen zwar richtig weiter, die
Signale werden aber im Anschluss nicht richtig übermittelt und verarbeitet. Die Ursache sind fehlende oder beschädigte Sinneszellen (Haarzellen) in der Innenohrschnecke (Cochlea), die den Schall normalerweise verstärken, in elektrische Signale umwandeln und dann über die Nervenbahnen zum Gehirn weiter- leiten. Diese Art der Schwerhörigkeit bleibt in der Regel dauerhaft bestehen und ist nicht reparabel.

Kombinierte Schwerhörigkeit

Bei einer kombinierten Schwerhörigkeit liegt sowohl eine Schallleitungsschwerhörigkeit als auch eine Schallempfindungsschwerhörigkeit vor. Die Ursache dieser Schwerhörigkeit sind Probleme nicht nur im Außen- oder Mittelohr, sondern auch im Innenohr. Dies kann beispielsweise durch die Explosion eines Feuerwerkskörpers direkt neben dem Ohr entstehen. Durch den Druck der Schallwelle reißt das Trommelfell, zusätzlich schädigt der laute Knall die Haarzellen im Innenohr.

Neuraler Hörverlust

Ein neuraler Hörverlust kann auftreten, wenn der Hörnerv fehlt oder beschädigt ist. Es handelt sich dabei in der Regel um einen hochgradigen und dauerhaften Hörverlust. Hörgeräte oder Cochlea-Implantate können hier keine Abhilfe schaffen, da der Nerv nicht in der Lage ist, Schallinformationen an das Gehirn weiterzuleiten.

Schallwahrnehmungsschwerhörigkeit

Bei dieser Art der Hörstörung liegt die Ursache der Schwerhörigkeit im Gehirn. Dort werden eingehende Signale normalerweise identifiziert und bekommen eine Bedeutung. Bei einer Schallwahrnehmungsschwerhörigkeit leitet der Hörnerv die Informationen zwar richtig weiter, sie werden im Gehirn aber fehlerhaft verarbeitet. Die Folge: Der Betroffene hört zwar die Töne, kann aber nichts mit ihnen anfangen. Dies kann nach einem Schlaganfall auftreten.

Alltagsprobleme und Folgen der Schwerhörigkeit

Menschen, die einen Hörverlust haben, sind im Alltag sehr eingeschränkt. Gefahren können teils nicht erkannt werden und viele Sätze werden einfach nicht gehört. Die Probleme ergeben sich beim Einkauf an der Kasse oder stören die komplette Kommunikation im sozialen Umfeld mit der Folge der gesellschaftlichen Isolation.

Die Behandlung orientiert sich immer nach Art und Ursache der Schwerhörigkeit. Ist ein operativer Eingriff (Trommelfell, Gehörknöchelchen) nicht mehr möglich, kommen Hörgeräte zum Einsatz. Moderne Hörgeräte sind nahezu unsichtbare Helfer im Leben. Durch diese technische Unterstützung können eingehende Signale deutlich besser gehört und die Ohren wieder als fast normales Sinnesorgan genutzt werden. Hörgeräte erleichtern den Alltag Schwerhöriger erheblich.

Bilder: Kai.Beutler, Panthermedia/Maryna_Melnyk

Ähnliche Artikel

Gesundheit

Lärm – für unsere Ohren die größte Gefahr!

Hörschäden – schleichend und unwiederbringlich

Ohren machen niemals Pause. Selbst im Schlaf registrieren ihre Rezeptoren permanent jedes Geräusch. Sie unterscheiden dabei Lautstärken und erkennen mehr als 1 000 verschiedene Tonhöhen. Kein anderer Sinn arbeitet so präzise und leistungsfähig. Nur fehlen ihnen leider eigene Schutzmechanismen, vergleichbar den Augenlidern. Jede Überdosis Schall kann dem Gehör deshalb irreparablen Schaden zufügen.

Braunschweig 2016/2017 | Andreas Posimski, Braunschweig

Gesundheit

Tinnitus – Verlust der Stille

Jeder vierte Deutsche hatte schon mal ein solches Fiepen oder Klingeln im Ohr. Bei den meisten Menschen verschwinden die Geräusche nach kurzer Zeit wieder. Etwa 3 Mio. Menschen müssen allerdings damit leben, dass der Ton, den nur sie selbst wahrnehmen können, bleibt. Manche gewöhnen sich daran, andere leiden massiv.

Braunschweig 2014 | Andreas Posimski, Braunschweig