Artikel erschienen am 02.02.2018
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Beschwerdebild oberes Sprunggelenk (OSG)

Vom „einfachen“ Umknicktrauma bis hin zur schweren Arthrose

Von Deyan Tsolov, Braunschweig
Deyan Tsolov
Deyan Tsolov
Oberarzt Orthopädische Klinik

Oftmals beginnen Beschwerden und entstehen schwerere Erkrankungen im Bereich des oberen Sprunggelenkes nach einem „einfachen“ Umknicktrauma. Dieses ist manchmal schon nahezu in Vergessenheit geraten, wenn auftretende Beschwerden den Patienten zu einer ärztlichen Vorstellung zwingen. Eine genaue Erhebung der Krankengeschichte sowie gezielte klinische und bildgebende Untersuchungen spielen daher in der Diagnostik und Auswahl der geeigneten Therapie eine essenzielle Rolle.

Umknicktrauma

Das Umknicktrauma des OSG ist einer der häufigsten Verletzungsmechanismen. Bei der primären Diagnostik ist eine genaue Anamnese, klinische Untersuchung und gezielte Bildgebung erforderlich, um keine Verletzung zu übersehen. In diesem Rahmen müssen mögliche knöcherne Verletzungen (z. B. Wadenbeinköpfchen, Innen-, Außenknöchel, hintere Schienbeinkante, 5. Mittelfußknochen) abgeklärt werden. Daneben können auch alleinige oder zusätzliche Bandverletzungen auftreten. Betroffen hiervon sind am häufigsten die Außenbänder, seltener der Innenbandkomplex oder die Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein (Syndesmose). Das Ausmaß der Verletzung reicht hier von einer leichten Zerrung bis zur vollständigen Zerreißung oder einem knöchernen Ausriss. Zusätzlich sind auch Sehnenverletzungen möglich. Die Therapie richtet sich nach dem erfassten Verletzungsmuster. Während „einfache“ Außenbandverletzungen in der Regel in einer Sprunggelenksorthese konservativ ausbehandelt werden können, erfordern die meisten knöchernen Verletzungen eine operative Versorgung. Hierbei ist in der Regel ein offenes Einrichten des Bruches und Fixation (Platten, Schrauben) erforderlich. Verletzungen der Syndesmose oder des Innenbandkomplexes können ebenfalls einer operativen Versorgung bedürfen. Ziel der primären Diagnostik und Therapie ist es, langfristig eine Instabilität des Sprunggelenkes oder Unebenheiten der Gelenkflächen zu verhindern und dauerhaften Folgeschäden vorzubeugen.

Mögliche Spätfolgen

Im langfristigen Verlauf können sich mögliche Spätfolgen durch erneut auftretende Beschwerden zeigen. Diese können mit Instabilitäten und wiederholtem Umknicken, mit chronischen Schmerzen unter Belastung und ggf. in Ruhe sowie Bewegungseinschränkung einhergehen. Bei Instabilitäten sind Ursache und Ausmaß ausschlaggebend, um zwischen konservativen Therapiemöglichkeiten mit spezieller Physiotherapie und der Notwendigkeit operativer Verfahren zu entscheiden. Die operativen Verfahren reichen hier von Bandrekonstruktionen bis hin zu knöchernen Umstellungen. Anhaltender Ruhe- und Belastungsschmerz, häufig mit begleitender Einschränkung des Bewegungsumfanges, kann z. B. auf eine Schädigung am Gelenkknorpel und die Entwicklung einer Arthrose hinweisen. Diese kann die Folge einer Sprunggelenksverletzung sein, aber auch als Verschleißerscheinung oder im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten. Ursächlich kann auch eine fortgeschrittene sog. aseptische Knochennekrose sein (Flüssigkeitseinlagerung im Knochen und Schädigung desselbigen sowie des angrenzenden Knorpels), die sowohl spontan als auch in Folge eines Traumas auftreten kann. In einem frühen Stadium kann der Versuch der Druckentlastung und Anfrischung mittels Anbohrung erfolgreich sein, während fortgeschrittenere Stadien in der Regel einer aufwendigen Rekonstruktion bedürfen. Liegt bereits das Vollbild einer Arthrose vor, bleibt bei fehlender Besserung unter konservativer Therapie oft nur noch eine Versteifung oder eine endoprothetische Versorgung. Die diesbezügliche Entscheidung muss jeweils individuell getroffen werden und ist von diversen Faktoren abhängig.

Bilder: Fotolia/Anton Gvozdikov

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