Artikel erschienen am 30.09.2016
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Multimodale stationäre Schmerztherapie

Eine komplexe Behandlung für Patienten mit chronischen Schmerzen

Von Dr. med. Tobias Jüttner, Wolfenbüttel

Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. leiden ca. 12 Mio. Menschen in Deutschland an lang anhaltenden chronischen Schmerzen. Dies entspricht rund 17 % der Bevölkerung. Die Leidensgeschichten der Patienten mit chronischen Schmerzen erstrecken sich im Durchschnitt über sieben Jahre, bei mindestens jedem fünften über 20 Jahre. Nur 10 % wurden bislang einem Schmerzspezialisten vorgestellt. Die Deutsche Schmerzliga berichtet, dass etwa 40 % der chronischen Schmerzpatienten in Niedersachsen nicht oder nicht adäquat therapiert werden.

Was sind chronische Schmerzen?

Chronische Schmerzen stellen ein eigenständiges Krankheitsbild dar. Viele Schmerzpatienten haben eine langjährige Odyssee durch verschiedene Diagnostik- und Therapieverfahren hinter sich.

Für den Betroffenen selbst sind die Folgen gravierend: Neben dem Leidensdruck durch den Schmerz an sich können Nebenwirkungen von Medikamenten die Gesundheit weiter beeinträchtigen. Je mehr der Schmerz den Alltag und die Stimmung beeinflusst, desto größer ist die Gefahr, sich sozial zu isolieren oder auf Unverständnis und Ablehnung zu stoßen (oder dies zumindest zu denken). Ein drohender Arbeitsplatzverlust und der mögliche finanzielle Abstieg können zu massiven Ängsten führen. Veränderungen in der Körperhaltung und Vermeidungsverhalten haben oft weitere Bewegungs- und Funktionseinschränkungen zur Folge. Hier beginnt ein Teufelskreis, den der Patient oft nicht mehr ohne Hilfe durchbrechen kann.

Die Therapie muss interdisziplinär erfolgen

Um dieser Problematik zu begegnen, wird Patienten die multimodale stationäre Schmerztherapie angeboten. Die multimodale Schmerztherapie ist die modernste wissenschaftlich fundierte Therapieform zur Behandlung von chronischen Schmerzzuständen.

Multimodal bedeutet, dass ein koordiniertes und interdisziplinäres Vorgehen in direkter Absprache untereinander angewandt wird.

Dieses Vorgehen soll viele Blickwinkel auf diese komplexe Erkrankung gewährleisten.

So besteht ein Team in der multimodalen Schmerztherapie aus Mitarbeitern der Physiotherapie der Psychologie bzw. Psychotherapie sowie aus dem medizinisch-ärztlichen Bereich. In diesem festen Behandlungsteam wird der „Rote Faden“ in der Therapie des Patienten festgelegt. Hinzu kommen Mitarbeiter der Ergotherapie oder Therapeuten aus anderen Bereichen (z. B. Kunst- und Bewegungstherapie, Kampfsport oder Yoga). Bei speziellen Fragestellungen werden auch die Fachleute chirurgischer oder internistischer Fachdisziplinen hinzugezogen, sodass hier eine optimale und umfassende Therapie der Patienten stattfinden kann.

Schmerzen über zwölf Wochen sind als chronifiziert anzusehen und sind Grundlage der Behandlung. Es ist notwendig, dass bestimmte Kriterien erfüllt sind, damit die Kostenträger die stationäre Behandlung akzeptieren. Unter anderem gehören hierzu, dass die Lebensqualität oder die Arbeitsfähigkeit beeinflusst sind oder schmerztherapeutische Verfahren (Operationen, Physiotherapien u. a.) nicht effektiv waren. Ein Fehlgebrauch von Medikamenten, eine psychologische Begleit­erkrankung oder gravierende Vorerkrankungen von Organen können in bestimmten Konstellationen Grund für die stationäre Aufnahme sein. Die Einweisung erfolgt bei Erfüllung der Voraussetzungen über den niedergelassenen Arzt.

Für Interessenten an der Therapie gibt es weitere Informationen.

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