Artikel erschienen am 22.09.2016
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Diagnostik und Therapie bei chronisch lungenkranken Patienten

Von Dr. Urte Sommerwerck, Braunschweig

Chronische Erkrankungen können heute mit Abstand als primärer Kostenverursacher im Gesundheitswesen identifiziert werden. Rund 25 Mio. chronisch Kranke leben in Deutschland. 6,8 Mio. Deutsche leiden unter einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), einer dauerhaften, fortschreitenden Lungenerkrankung mit Einengung der Atemwege.

Die chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD)

Die chronisch-obstruktive Bronchitis als Untergruppe der COPD unterscheidet sich vom Asthma bronchiale dadurch, dass auch unter Einsatz von Medikamenten die Bronchien chronisch verengt bleiben. Die häufigste Ursache für diese Erkrankung ist starkes Zigarettenrauchen. Sie kann aber auch Folge eines chronischen Asthmas oder einer akuten Atemwegsentzündung sein.

Für die Diagnose ist es wichtig zu untersuchen, ob sich durch die chronisch-obstruktive Bronchitis bereits ein Lungenhochdruck gebildet hat. Zudem sollten das Zwerchfell und die Atemhilfsmuskulatur untersucht werden, um zu klären, ob die Atemkraft bereits abgenommen hat und u. U. nicht-invasiv beatmet werden muss.

Neue Therapieverfahren ermöglichen es, die Volumenreduktion bei Emphysemen zu prüfen. Dazu zählen auch die endoskopische Emphysemtherapie mit Ventilen oder Coils. Hierbei werden jedoch sehr strenge Indikationskriterien gestellt und es muss eine endoskopische Messung der Kollateralventilation erfolgen. Zudem wird eine Sauerstofflangzeittherapie und bei Schwerstkranken eine Morphintherapie zur Minderung des Luftnotempfindens und zur Ökonomisierung der Atemarbeit eingeleitet.

Flankiert werden die Maßnahmen von einer intensiven Physiotherapie, die in der Therapie eine sehr zentrale Rolle spielt. Denn der konditionelle und gesundheitliche Abbau ist bei den meisten chronischen Erkrankungen durch eine Wechselwirkung aus fortschreitender Verschlechterung des Krankheitsbildes bei gleichzeitiger krankheitsbedingter Inaktivität verursacht.

Patienten fühlen sich weiter beeinträchtigt

Der Teufelskreis aus krankheitsbedingter Inaktivität, fortscheidender Verschlechterung des Krankheitsbildes kombiniert mit Angstgefühlen führt teilweise zu einer kompletten Inaktivität des chronisch Lungenkranken. Schlussendlich kann dies dazu führen, dass dieser sein Haus nicht mehr verlässt, seine Körperpflege vernachlässigt und sein Dasein im Rollstuhl fristet.

Am Beispiel eines Patienten mit einer COPD lässt sich dies bildhaft erklären. Leitsymptome sind die Atemnot unter Belastung und eine Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bedingt durch die Störung der Atemmuskulatur. Es kommt zu einer zunehmenden Inaktivität, die einen voranschreitenden Verlust an Muskelmasse hervorruft. Diese pathophysiologischen Umbauvorgänge auf molekularer und biochemischer Ebene rufen dann bereits bei geringer Belastung Atemnot hervor.

Therapie verbessert gesamte Lebensqualität

Ein körperliches Training bei COPD verbessert das Zusammenspiel verschiedener Muskeln (intermuskuläre Koordination) und die Sauerstoffaufnahme. Dadurch wird die Atemnot unter Belastung auf einer gegebenen Belastungsstufe verringert. Von einem auf ihr Krankheitsbild abgestimmten Trainingsplan können auch untrainierte Patienten profitieren. Mithilfe eines in der medizinischen Trainingstherapie ausgebildeten Physiotherapeuten und eines Pneumologen, der das Programm ärztlich begleitet, kann der Patient sich aus der Inaktivität lösen und zunächst kleine Fortschritte unter Anleitung machen. Innerhalb weniger Tage wird sich seine Leistungsfähigkeit, aber auch seine Motivation bessern, weil er merkt, dass er etwas bewegen kann.

Ein Patient trainiert an einem Seilzuggerät für die Arme.

In der Physiotherapie werden Ausdauer- und Krafttraining kombiniert. Zur Steigerung der Ausdauer werden alle Muskeln kontinuierlich oder im Intervall mit geringen Belastungsstufen trainiert. Für schwerstkranke, teilweise bettlägerige Patienten bietet sich ein Intervalltraining mit kurzen Belastungs- und Pausenphasen an. Die Übungen sollten aber in jedem Fall unter ärztlicher Leitung stattfinden. Zudem muss vor dem Beginn des Trainings der Sauerstoffbedarf in Ruhe und unter Belastung ermittelt werden (Belastungspulsoximetrie). Die Physiotherapie kann nur so gut sein, wie sie zu Hause fortgesetzt werden kann. Schon mit geringem finanziellem Aufwand kann z. B. ein Ergometer angeschafft werden, um den Ausdauersport fortzusetzen. Teilweise übernehmen auch Krankenkassen einen Teil der Kosten. Die Teilnahme an einer Lungensportgruppe kann das Gemeinschaftsgefühl stärken und zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit beitragen. Je nach Schwerpunkt sollte zwei bis fünf Mal in der Woche trainiert werden. Dabei wird ein hochintensives Training empfohlen. Chronisch Lungenkranken stehen im Trainingszentrum des Krankenhauses St. Vinzenz neben drei speziellen Fahrradergometern u. a. Seilzüge und ein Posturometer zur Verfügung.

Fotos: Krankenhaus St. Vinzenz

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