Artikel erschienen am 28.06.2016

Das gesunde Unternehmen

Gesundheit betrieblich gefördert

Von Elena Kozlowski, Braunschweig

Der sich stetig verändernde Arbeitsmarkt und der demografische Wandel machen das Thema „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (BGM) zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor für zukunftsorientierte Unternehmen. Mitarbeiter werden älter und die Kosten durch krankheitsbedingte Fehltage steigen. Ein gesunder Mitarbeiter ist die wertvollste Ressource der Unternehmen. Durch gezielte Maßnahmen im Bereich Gesundheitsförderung können Unternehmen ihre Mitarbeiter unterstützen und sich gleichzeitig als moderner und attraktiver Arbeitgeber präsentieren.

Kostenfaktor Krankheit

Durch krankheitsbedingte Fehltage (Absentismus) und Mitarbeiter, die trotz Krankheit zur Arbeit gehen (Präsentismus), entstehen Unternehmen Kosten i. H. v. mehreren Tausend Euro pro Jahr und Mitarbeiter. Laut dem „Gesundheitsreport 2015“ des BKK-Dachverbandes hatte jedes Pflichtmitglied im Jahr 2014 17,4 Fehltage. Wesentlich größere Bedeutung hat jedoch der Präsentismus, bei dem Mitarbeiter trotz Krankheitsbeschwerden zur Arbeit gehen. Dabei ist nicht nur der kranke Mitarbeiter in seiner Arbeitskraft gemindert, sondern es wird riskiert, dass sich Kollegen anstecken und die Krankheitsausfälle weiter steigen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist der Kostenfaktor durch Präsentismus höher als durch Absentismus.

Kulturelle Integration

Es liegt in der Hand der Arbeitgeber, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die auch die Motivation und Achtsamkeit von Mitarbeitern für ihre Gesundheit fördert. Dies kann schon bei einer weniger restriktiven Bescheinigungspflicht bei Arbeitsunfähigkeit beginnen. Die Befürchtung der Arbeitgeber, dass dadurch ein Missbrauch der Mitarbeiter im Sinne von „Krankfeiern“ entsteht, konnte dem „BKK Gesundheitsreport 2015“ zufolge nicht bestätigt werden. Vielmehr erzeugt diese Lockerung ein Entgegenbringen von Vertrauen des Arbeitgebers gegenüber seinen Angestellten.

Zur weiteren Unterstützung der Eigenmotivation von Mitarbeitern, für ihre Gesundheit zu sorgen, kann der Arbeitgeber verschiedene Wege gehen. Grundlegend für ein erfolgreiches BGM ist allerdings, dass es von der ganzen Unternehmung gelebt wird, von der Führungsebene bis zum Mitarbeiter. Wenn dem Thema Gesundheit und Prävention seitens des Arbeitgebers nicht genügend Raum gegeben wird, ist der Stellenwert bei der Belegschaft eher gering. Ein häufiger Grund, vor allem in Klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU), das Thema BGM noch nicht verstärkt anzugehen, sind u. a. fehlende Informationen. So ist bis heute oftmals nicht bekannt, dass ein Unternehmen 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr lohnsteuerfrei für gesundheitsfördernde Maßnahmen gem. § 20 SGB V investieren kann. Stattdessen bedeutet das Thema BGM aus Sicht des Arbeitgebers oftmals lediglich höhere Kosten und einen erhöhten organisatorischen Aufwand. Ein veränderter Blickwinkel auf die Kosten für BGM und daraus folgende betriebliche Gesundheitsförderungsmaßnahmen (BGF-Maßnahmen) ermögli-chen eine Zuordnung zu Standardbudgets des Unternehmens. So können sie eher als Recruiting- oder Marketingkosten angesehen werden, da immer mehr junge Arbeitnehmer soziale Zusatzleistungen bei künftigen Arbeitgebern als wichtig erachten.

Technische Unterstützung

Zur Verringerung des organisatorischen Aufwandes des Arbeitgebers stehen heute bereits verschiedene Tools und (Online-)Plattformen zur Verfügung. Sie bieten einen einfachen und persönlichen Zugang zu BGF-Maßnahmen und können jederzeit und von jedem Ort aus genutzt werden, wodurch auch dezentral ansässige Mitarbeiter partizipieren können.

Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, seinen Mitarbeitern aus einem Pool an Anbietern und Angeboten präventive Maßnahmen der Region ohne langwierigen organisatorischen Aufwand anzubieten. Bei Bedarf können diese Maßnahmen vom Arbeitgeber auch finanziell unterstützt und damit die Motivation für den Mitarbeiter weiter erhöht werden. Durch die direkte Einflussnahme aller an diesem Prozess beteiligten Personen können der Informations­fluss und die Effektivität des BGM spürbar gesteigert werden, was schließlich zu einer deutlichen Kostenreduktion (weniger krankheitsbedingte Fehltage) führen kann.

Mitarbeiter wiederum erhalten die Möglichkeit, über einen personalisierten Zugang alle Angebote des Arbeitgebers anzusehen und das für sich passende auszuwählen. Dabei kann es sich sowohl um unternehmensinterne, als auch externe Angebote handeln. Auf diesem Wege wird die oftmals vorhandene Scheu von Mitarbeitern eventuell mit einem Vorgesetzten einen gemeinsamen Gesundheitskurs durchzuführen, minimiert. Jeder kann selbst wählen, wie und wo seine Gesundheitsvorsorge stattfinden soll.

Auf diese Weise wird den Mitarbeitern gezeigt, dass sie selbst entscheiden können und dass ihre Gesundheit ein wertvolles Gut für das Unternehmen darstellt.

Einige dieser Plattformen bieten auch eine Orientierung an den Bedürfnissen unterschiedlicher Zielgruppen im Unternehmen an. Was bereits in der Produktentwicklung und beim Marketing eine Selbstverständlichkeit ist, sollte auch beim BGM möglich sein. Durch die Gruppierung von Beschäftigten aus verschiedenen Abteilungen können spezifische Maßnahmen angeboten werden, denn ein Verwaltungsmitarbeiter benötigt andere Präventionsangebote als ein Mitarbeiter in der Produktion.

Zukünftig wird BGM in Unternehmen einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Die Steigerung der Motivation und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern bei gleichzeitiger Verringerung der Fehlzeiten und des Unfallrisikos wird zu einer höheren Arbeitszufriedenheit und Mitarbeiterbindung führen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum gesunden Unternehmen.

Foto: Fotolia/Andrea Obzerova

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