Eine Fettleber ist keine harmlose Erkrankung
Von Prof. Dr. med. Kinan Rifai, WolfenbüttelÜbergewicht schädigt die Leber mehr als Alkohol
Die häufigste Lebererkrankung in den westlichen Ländern ist inzwischen die Fettleber (Steatosis hepatis). Die Schätzungen dazu schwanken stark, doch es wird angenommen, dass bis zu zehn Millionen Deutsche eine Fettleber aufweisen. Früher wurden Fettlebern meist als harmlos eingestuft. Inzwischen weiß die Wissenschaft, dass Fettlebern ebenfalls das Risiko erhöhen, an chronischer Leberentzündung, Leberzirrhose oder Leberkrebs zu erkranken. Darüber hinaus steigt das Risiko, zuckerkrank zu werden (Diabetes mellitus).

Abb. 1: Dargestellt ist eine Fettleber im Ultraschallbild. Typisch ist die sog. „weiße Leber“ im Vergleich zur Niere.
Was sind die häufigsten Ursachen für eine Fettleber?
Die Ursachen der Entwicklung einer Fettleber liegen meist in Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel. Da all diese Probleme in unserer Gesellschaft ständig zunehmen, nimmt die Zahl der betroffenen Patienten ebenfalls zu. Auch übermäßiger Alkoholkonsum spielt eine wichtige Rolle. Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass Übergewicht sogar ein größeres Risiko für eine Fettleber darstellt als Alkohol. Auch eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Fettstoffwechselstörungen und bestimmte Medikamente (z. B. Cortison) können eine Fettleber verursachen. Häufig findet sich eine Kombination verschiedener Risikofaktoren, z. B. Alkohol plus Übergewicht plus Diabetes.
Wie entsteht eine Fettleber?
Eine Fettleber kann bei einem Überangebot von Zucker oder Fett im Körper entstehen, welches sich in die Leberzellen einlagert. Häufig liegt diesem Überangebot eine sog. Insulinresistenz zugrunde, also eine verminderte Wirkung von Insulin, dem wichtigsten Regulator des Blutzuckers. Auch Giftstoffe wie Alkohol oder bestimmte Medikamente können die Leberzellen schädigen. Diese schwellen an und können sich entzünden (sog. Steatohepatitis). Dies wiederum kann zu einer Entzündung der gesamten Leber bis hin zur „Gelbsucht“ (Ikterus) führen wie bei einer akuten Virushepatitis.
Wie macht sich die Krankheit bemerkbar?
Für viele Lebererkrankungen ist typisch, dass der Patient meist lange Zeit gar nicht bemerkt, dass er krank ist. Das trifft auch für die Fettleber zu. Wenn es zu Beschwerden kommt, sind diese häufig unspezifisch. Dazu gehören z. B. Müdigkeit und Beschwerden im rechten Oberbauch. Erst im weit fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann es dann zu typischen Zeichen der Leberzirrhose kommen – wie Bauchwasser (Aszites), Blutgerinnungsstörungen oder sogar zum Leberkoma (hepatische Enzephalopathie).
Welche Risiken haben Betroffene?
Der Verlauf der Erkrankung ist meist gutartig. Glücklicherweise kommt es nur relativ selten zu einer akuten oder chronischen Leberentzündung. Eine chronische Entzündung kann langfristig sogar in eine Vernarbung der Leber (Leberfibrose) bis zum Endstadium der irreversiblen Leberzirrhose übergehen. Durch diese narbige Schrumpfung des Organs kommt es irgendwann schließlich zum Leberversagen. Zum Glück verfügt die Leber über eine ausgeprägte Regenerationsfähigkeit, sodass es nur selten so weit kommt. Ein weiteres Risiko bei Fettlebern besteht in der Entwicklung von gut-, aber auch von bösartigen Lebertumoren. Daher sollten Patienten mit Fettleber regelmäßig durch Ultraschall überwacht werden.
Welche Rolle spielt die Fettleber außerhalb der Leber?
Neben der chronischen Lebererkrankung selbst hat eine Fettleber große Auswirkungen auf den Stoffwechsel des Patienten. So besteht ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus und auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das wiederum verkürzt die Lebenserwartung der Betroffenen. Das Problem zeigt sich bereits bei Kindern und Jugendlichen. Der starke Anstieg von Kindern mit Übergewicht hat dazu geführt, dass diese gehäuft eine Fettleber entwickeln. Die genannten Probleme stellen sich dann schon in jungen Jahren ein – mit erheblichen Konsequenzen. Selbst für Kinder mit Fettleber sind statistisch negative Auswirkungen auf das Langzeit-überleben gemessen worden.
Wie wird eine Fettleber erkannt?
Da die Fettleber nur selten Beschwerden verursacht, ist die Diagnose häufig ein Zufallsbefund. Erhöhte Leberwerte oder Zeichen einer Fettleber im Ultraschall (Abb. 1) können darauf hinweisen. Oft werden diese wichtigsten Zeichen der Fettleber jedoch nicht ernst genommen, sondern verharmlost oder ausschließlich mit übermäßigem Alkoholgenuss des Patienten in Verbindung gebracht. Die Untersuchung der Leberwerte und ein Ultraschall der Leber sind bei manchen Patienten daher nicht ausreichend. Um zu überprüfen, ob es durch die Fettleber zu einer Vernarbung der Leber gekommen ist, kann es daher notwendig sein, eine Leberpunktion durchzuführen (sog, perkutane Leberbiopsie). Dabei wird von außen unter lokaler Betäubung der Leber etwas Gewebe entnommen und beim Pathologen unter dem Mikroskop untersucht (Leberhistologie; Abb. 2). Das Ergebnis der Untersuchung gibt Aufschluss über den Grad der Verfettung, die Entzündungsaktivität sowie den Grad der Vernarbung. Eine neuere Methode, um das Vernarbungsstadium einzuschätzen, ist die sog. Elastographie – ein schmerzloses, auf Ultraschall basierendes Verfahren. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bisher die Kosten dafür nicht.

Abb. 2: Darstellung einer Leberbiopsie von einer Fettleber unter dem Mikroskop (Leberhistologie). Auffallend sind die Fetteinlagerungen („Löcher“) in den Leberzellen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Leider gibt es bisher trotz umfangreicher Forschungen noch keine medikamentöse Therapie der Fettleber. Es geht also darum, die Ursachen zu bekämpfen. Im Vordergrund steht dabei die Änderung der Lebensgewohnheiten hin zu einer gesunden Ernährung und viel Bewegung. Diese Änderungen sind schwierig, aber machbar! Falls der Fettleber andere Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen zugrunde liegen, müssen diese unbedingt behandelt werden. Die einzige Therapie der Fettleber im Endstadium mit einer Leberzirrhose ist die Lebertransplantation. Angesichts der Häufigkeit der Fettleber gehen Schätzungen davon aus, dass die Fettleber bald häufigste Ursache für Lebertransplantationen ist.
Fotos: Prof. Dr. Kinan Rifai




