Artikel erschienen am 20.05.2015

Von der Transit- zur Heimatregion

Von Julius von Ingelheim, Braunschweig

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Lebensqualität denken? Ich denke dabei zuerst an zu Hause. Und damit meine ich durchaus nicht nur die eigenen vier Wände. Für mich gehört viel mehr dazu: ein inspirierendes Umfeld, Freunde, eine Umgebung, in der ich mich wohlfühle. Diese Dinge tragen zu meinem ganz persönlichen, sozusagen subjektiven Wohlbefinden bei. Natürlich ist das nicht alles, was die Lebensqualität insgesamt ausmacht. Wie würde es um mein subjektives Wohlbefinden stehen, wenn die objektiven Lebensbedingungen nicht die Basis für eine positive Grundhaltung schaffen. Arbeitsplatz, Einkommen, eine intakte Umwelt, Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung sowie die Freiheit, aus diesen und weiteren Ressourcen den eigenen Lebensstil frei wählen zu können. Alle diese Faktoren tragen dazu bei, dass die Region Braunschweig-Wolfsburg für mich Zugezogenen heute mein Zuhause ist. Hier passt die Work-Life-Balance, hier kann ich Leben und Arbeiten in Einklang bringen.

Mit diesem ausgewogenen Verhältnis kann und muss die Region punkten, wenn es darum geht, neue Fachkräfte zu gewinnen, auf die unsere Unter­nehmen, Forschungs­ein­rich­tungen und Kommunen angewiesen sind. Und das treibende Moment für die Ent­scheidung zu einem Um- und Zuzug ist wohl immer die Verheißung eines Zugewinns: ein besserer Job, attraktivere Arbeits­bedin­gungen, ein ange­nehmerer Wohnort, eine Infrastruktur, die besser passt. Kurz: ein besseres Leben. Oder anders: die Ver­besserung der individuellen Lebens­qualität. Und die Werte, mit denen wir diese beschreiben, sind – wie schon erläutert und eine finanzielle Grundsicherung vorausgesetzt – in unserer Industrienation eher immaterieller als materieller Natur.

Dabei ist unsere Region mit dem industriellen Rückgrat Salzgitter–Braunschweig–Wolfsburg gegenüber Metropolen, denen per se ein Imagebonus zugesprochen wird, nicht benachteiligt, sondern einfach anders aufgestellt. Vielfältige Naturlandschaften, die ganze Bandbreite attraktiver Wohnumgebungen, historische, architektonische, kulturelle und sportliche Highlights sowie eine Fülle an Freizeit- und Bildungsangeboten. Das alles hat unsere Region vorzuweisen, auch wenn es für uns, die hier zu Hause sind, so zum Alltag gehört, dass wir es nicht mehr als etwas Besonderes wahrnehmen. Bewusst wird einem dies oft erst dann, wenn man selbst Besuch bekommt, der sehr über­rascht ist, was man hier so alles vorfindet. Damit bestätigen solche Gäste aber auch, dass diese regionalen Qualitäten nicht landauf, landab bekannt sind. Hätten die Besucher keinen konkreten Anlass zu einem Abstecher gehabt, wären sie wohl wie so viele andere Menschen als reine Transitgäste auf der A2 einfach nur durch unsere Region hindurchgefahren.

Künftig sollen mehr Menschen hier Halt machen oder gar ihren Lebensmittelpunkt finden. Es lohnt sich. Denn was im Urlaub Spaß macht, kann für ein neues Zuhause nicht schlecht sein. Dazu gehören Naturparks und viele Seen, ein riesiges Radwegenetz, Flüsse und Wasserstraßen, ein großes Skigebiet, die enormen Beschäftigungschancen und die vielfältige Bildungslandschaft. Um die gute Infrastruktur als Gesamtheit zu erhalten und gezielt zu vermarkten, bedarf es der Zusammenarbeit der Städte und Landkreise über die kommunalen Grenzen hinweg. Genau das passiert zusammen mit großen Institutionen der regionalen Wirtschaft und Wissenschaft in der Allianz für die Region GmbH. Dort engagieren sich alle gemeinsam für ein Ziel: Die Region soll und wird bis 2020 bundesweite Referenz in Sachen Lebensqualität und Beschäftigung. Zu einer erfolgreichen Vermarktung gehört eine aufrichtige Willkommenskultur – und zu der können wir alle beitragen.

Foto: Stefan Sobotta

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