Artikel erschienen am 26.05.2015
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Sport im Alter mit und ohne Prothese

Was ist sinnvoll, was nicht?

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig

Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität haben auch im Alter eine extrem hohe Priorität – es gilt, mobil zu bleiben!

Biologische Alterung, zahlreiche Erkrankungen sowie eine mangelnde körperliche Aktivität führen zusammen zu einer Vermeidungsstrategie – die lautet: „Nichts tun“.

Es kommt dann üblicherweise zu einer Abwärtsspirale mit zunehmend abbauender Muskulatur, hierdurch Mobilitätsverlust mit Kraftverlust. Dies begünstigt einen Sturz und die Angst vor weiteren Stürzen senkt das Selbstvertrauen noch mehr. Es gibt einen typischen Zusammenhang zwischen Muskelmasse und Alter. Ohne Training nimmt die Muskelmasse vom 30. bis 55. Lebensjahr ab, ab dem 55. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse schneller ab. Üblicherweise ist ohne adäquates Training im 70. Lebensjahr 40 % der früheren Muskelmasse verloren, folglich resultieren Kraftverlust, Ausdauerverlust und eine Verminderung der Schnellkraft. Hierdurch kommt es zu einer Einschränkung der Beweglichkeit, der Koordination und des Balance-Vermögens. Das Sturzrisiko steigt. Ohne Training zeigt sich nach dem 3. Lebensjahrzehnt ein zunehmender Leistungsknick, es kommt zu einer verlangsamten und verringerten Adaptation. Dieser Leistungsknick kann durch Training bis zum 70. Lebensjahr verschoben werden. Ein gut trainierter 70-Jähriger hat die gleiche Muskelmasse wie ein untrainierter 30-Jähriger. Ebenso ist bekannt, dass der gesunde alte Patient auf Reize genauso gut reagiert wie der gesunde junge Patient. Die Belastungsfähigkeit ist jedoch reduziert. Somit kann gezieltes Training den Verlust von Muskulatur auch in hohem Alter aufhalten und sogar umkehren. Training und damit Sport ist die einzig wirksame Methode die körperliche Leistungsfähigkeit und die Fortbewegungskompetenz zu erhalten. Auch aus diesem Grunde sollten alle Betroffenen versuchen, muskuläre und motorische Aktivitäten in den Alltagsaktivitäten unterzubringen. Inaktivitätsfallen wie Rolltreppen, Laufbänder und Aufzüge sollten vermieden werden, kurze Wegstrecken sollten zu Fuß oder mit dem Fahrrad statt mit dem PKW zurückgelegt werden. Motorisch anspruchsvolle Hobbys sind anzustreben, wie z. B. Wandern, Schwimmen, Tanzen und Gartenarbeit. Wenn irgendwie möglich, sollte auf technische Hilfsmittel verzichtet werden.

Ein optimales Übungsprogramm besteht aus 60 % Ausdauertraining, 30 % Schulung von Beweglichkeit und Gewandtheit und 10 % Kraftausdauerschulung. Eine intensive sportliche Betätigung, wenn die Kontinuität gewahrt ist, ist üblicherweise bei nicht vorliegenden Erkrankungen ärztlich unbedenklich. Die Belastungsgrenze beim Anfänger liegt bei einem Puls von 180 minus Lebensalter, insbesondere bei Ausdauersportarten ist das Tragen einer Pulsuhr dringend anzuraten. Es sollte angestrebt werden, dreimal pro Woche für 45 Minuten Ausdauertraining zu absolvieren, Krafttraining sollte ohne Pressatmung durchgeführt werden. Ergänzt werden diese Methoden durch Muskelaufbau über ein Gymnastikprogramm, Beweglichkeitstraining sowie Koordinationstraining durch Spiele.

Geeignete Sportarten im Alter sind Schwimmen, Radfahren, Walking, Aqua-Jogging, Wandern und Skilanglauf. Tendenziell ungeeignet ist Ski-Alpin, Tennis, Ballspiele, Sprung- und Schnellkampfdisziplin, Kampfsportarten sowie Joggen.

Die Empfehlungen zur Ausübung des Sports orientieren sich an der individuellen Leistungsfähigkeit und den Motiven zum Sporttreiben. Auch das Tanzen kann als sehr lobenswerter Sport angesehen werden, da hier sowohl die Muskulatur, als auch Koordination und Gleichgewicht geschult werden.

Abschließend sei auf die Sportausübung nach Einbau einer Knieprothese eingegangen

Sofern keine prothesenbedingten Ruhe- oder Belastungsschmerzen vorliegen, Entzündungsparameter normal sind, die Operation mindestens 6 Monate zurückliegt und ein radiologisch unauffälliges Gelenk vorliegt, ist die Sportfähigkeit bei adäquater Beweglichkeit gegeben. Kein Sport darf betrieben werden bei Gelenkinfektionen, Instabilitäten, nach größerer Wechseloperation, bei einer Muskelinsuffizienz, bei Übergewicht oder deutlichen Beinlängendifferenzen.

Sportarten

Empfohlene Sportarten sind Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Rudern, Segeln, Golf, Tischtennis, Wandern, Skilanglauf, Tennis, Mountainbiking und Gymnastik.

Tendenziell ungünstige Sportarten sind Fußball, Handball, Basketball, Volleyball, Kampfsport, Ringen, Weit- und Hochsprung.

Foto: Panthermadia/Arne Trautmann

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