Artikel erschienen am 01.05.2015

Die Diagnose Darmkrebs: Was ist zu tun?

Von Dr. med. Ekkehard Möbius, Braunschweig

Der Darmkrebs ist derzeit eine der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen in Deutschland. Bei ca. 73 000 Menschen wird jährlich diese Diagnose neu gestellt. Etwa zwei Drittel dieser bösartigen Tumore sind im Dickdarm (Kolon) lokalisiert. Der übrige Teil wird im Mastdarm (Rektum) gefunden. Anteile des Dünndarms sind selten Ausgangspunkt einer Darmkrebserkrankung. Eine frühe Erkennung solcher Tumore und ihrer Vorstufen bedeutet eine große Chance auf Heilung.

Darmkrebs entsteht meist aus zunächst gutartigen Vorstufen, den Darmpolypen (Adenome). Diese sind als kleine Wucherungen der Schleimhaut im Darminneren sichtbar. Die zuverlässigste Untersuchungsmethode, diese Vorstufen zu erkennen, ist die Darmspiegelung. Diagnostiziert der Arzt dabei einen solchen Polypen, so kann dieser in gleicher Sitzung abgetragen werden. Nur in seltenen Fällen muss aufgrund der Größe eine Operation erfolgen.

Wird ein Darmpolyp nicht erkannt, kann er wachsen und im weiteren Verlauf zu bösartigem Tumorgewebe entarten. Dies kann spontan geschehen. Ernährungs- und Lebensgewohnheiten spielen dabei eine wesentliche Rolle. Aber auch genetische Veränderungen, die vererbt werden können, sind der Grund für das vermehrte Auftreten von Darmkrebserkrankungen.

Ist ein Polyp entartet, so kann die rechtzeitige Darmspiegelung lebensrettend sein. Ist der Patient beschwerdefrei und der Darmkrebs noch nicht fortgeschritten, wird endoskopisch durch Entnahme einer Gewebeprobe die Diagnose gesichert. Es kann frühzeitig eine adäquate Therapie eingeleitet werden.

Welche Warnsignale gibt es?

In frühen Tumorstadien wird der Darmkrebs meist zufällig entdeckt, da die ersten Anzeichen häufig unspezifisch sind. Veränderte Stuhlgewohnheiten (z. B. Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung), Bauchbeschwerden (z. B. Krämpfe, Völlegefühl) und Allgemeinsymptome (z. B. Müdigkeit, leichtes Fieber und Nachtschweiß) können Hinweise sein. Wiederholte Beimengungen von Blut im Stuhl sollten in jedem Fall abgeklärt werden.

Ist die Diagnose eines Darmkrebses gesichert, ist die Operation die einzige Möglichkeit der Heilung. Um ein genaues Behandlungskonzept festzulegen, müssen weitere Untersuchungen erfolgen (Blutentnahme, Ultraschall des Bauches, ggf. Computertomographie usw.). Ziel ist es, bereits vor der Operation, die lokale Tumorausdehnung und ggf. bestehende Absiedlungen (in z. B. Lymphknoten oder Leber) zu kennen.

Beim Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) wird i. d. R. primär operiert. Es erfolgt eine Entfernung des tumortragenden Darmabschnittes einschließlich des entsprechenden Lymphabflussgebietes, das die versorgenden Blutgefäße begleitet. Das entnommene Operationspräparat wird feingeweblich untersucht. Entsprechend der Tumorausdehnung vor Ort und dem Lymphknotenbefall wird über das weitere therapeutische Vorgehen entschieden (z. B. Chemotherapie).

Bei Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) wird, wenn der Tumor die gesamte Darmwand durchdrungen hat bzw. Lymphknotenabsiedelungen vorliegen, vor der Operation eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt. Untersuchungen haben gezeigt, dass so das Risiko eines erneuten Tumorwachstums vor Ort deutlich reduziert werden kann. Nach einem festen Zeitintervall erfolgt dann die Operation. In Abhängigkeit vom Abstand des Tumors vom After kann die Anlage eines künstlichen Bauchafters (Anus praeter) notwendig werden. Entsprechend dem feingeweblichen Untersuchungsergebnis und der bereits durchgeführten Therapie vor der Operation wird eine Strahlen- und/oder Chemotherapie angeschlossen.

Standardoperationen beim Kolonkarzinom

Info

Die Diagnose Darmkrebs bedeutet heute keinen „Weltuntergang“ mehr. Die nähere Vergangenheit hat gezeigt, dass bei früher Erkennung gute Heilungschancen bestehen und dass bei fortgeschrittenen Befunden neue Behandlungskonzepte große Erfolge bzgl. einer Langzeitprognose gebracht haben. Leider liegt Deutschland international bei den Darmkrebsneuerkrankungen mit an der Spitze. Hinsichtlich der Krebsvorsorge bleibt also viel zu tun!

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