Artikel erschienen am 16.05.2014
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Augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen

Von PD Dr. med. Tobias Hudde, Wolfsburg-Fallersleben

Offizielle Früherkennungsuntersuchungen wie in anderen Fachgebieten (z. B. für manche Krebserkrankungen) gibt es in der Augenheilkunde leider nicht. Dies wird von augenärztlichen Berufsverbänden zu Recht kritisiert (s. www.dog.org und www.augeninfo.de).

Wer soll wann zum Augenarzt?

Kinder und Jugendliche

Wenn keine Auffälligkeiten oder Beschwerden vorliegen, sollen Kinder im Alter von 30 bis 42 Monaten zur augenärztlich-orthoptischen Untersuchung. Jedes 10. Kleinkind sieht schlecht. Häufig wird besonders die einseitige Sehschwäche zu spät erkannt. Bei Risikofaktoren, wie stark fehlsichtigen Verwandten, wird eine Untersuchung schon ab 6 bis 12 Monaten empfohlen. Wird während der Schulzeit die Tafel nicht mehr scharf gesehen, kann das an einer mit Brille korrigierbaren Kurzsichtigkeit liegen. Eine Brille, die Schulnoten bessert, gibt es nicht. Sollte Ihnen eine solche Brille, z. B. zur Besserung einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, angeboten werden, gehen Sie lieber erst zu Ihrem Augenarzt.

Erwachsene

Ab dem 40. Lebensjahr treten viele Augenerkrankungen häufiger auf. Deshalb wird eine augenärztliche Untersuchung ab dem 40. alle ein bis zwei Jahre und ab dem 60.
Lebensjahr jährlich empfohlen. Zu den häufigsten Augenkrankheiten im Alter zählen der grüne Star (Glaukome), die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) und das diabetische Makulaödem. Während der graue Star (Linsentrübung) auch fortgeschritten meist noch gut behandelt werden kann, sind Schäden durch die meisten Augenkrankheiten nicht behebbar. Deshalb hat die Früherkennung vieler Erkrankungen meist mit computergestützten Geräten eine besondere Bedeutung. Gutes Sehen ist eine wichtige Voraussetzung für Sicherheit im Straßenverkehr, auch als Fußgänger oder Radfahrer.

Welche augenärztlichen Leistungen muss ich selbst bezahlen und warum?

Grundsätzlich müssen alle Gutachten (z. B. Führerscheingutachten) selbst bezahlt werden. Auch kosmetische Behandlungen dürfen nicht über die gesetzliche Krankenkasse gehen. Viele technische Geräte wie beispielsweise die Optische Kohärenztomografie (OCT) sind bestens geeignet, Erkrankungen früh zu erkennen und Behandlungen bedarfsgerecht zu steuern. Deshalb wird u. a. die OCT von priva­-
ten Krankenkassen erstattet. Leider stehen viele Leistungen nicht im Katalog der gesetzlichen Versicherungen. Weil niemandem diese Leistungen vorenthalten werden sollen, bekommen Sie diese in augenärztlichen Einrichtungen angeboten. Sie müssen entscheiden, ob Ihnen diese Leistungen das geforderte Honorar wert sind. Wenn Sie sogenannte Wahlleistungen nicht in Anspruch nehmen, sollten Sie dennoch wie beschrieben zum Augenarzt gehen. Denn spätere Krankheitsstadien kann Ihr Augenarzt auch ohne teure Geräte feststellen. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch besser.

Wann liegt ein Notfall vor?

Jede plötzliche Sehverschlechterung stellt einen Notfall dar und muss sofort abgeklärt werden. Häufige Notfälle sind Fremdkörper in der Binde- oder Hornhaut. Helle „Lichtblitze“, dichte Schatten („Rußregen“) oder Gesichtsfeldeinschränkungen können auf eine Netzhautablösung hindeuten. Weiter sind eine starke Rötung und Schmerzen am Auge Notfallsymptome. Hier sollte ein Augenarzt bzw. der Notdienst sofort aufgesucht werden. Bei Kontakt des Auges mit reizenden oder ätzenden Stoffen ist sofortiges Spülen des betroffenen Auges mit viel Wasser erforderlich. Feste Stoffe wie Kalk oder Gips sollten sofort entfernt werden.

Kann ich nicht einfach nur zum Optiker?

Seit in der gesetzlichen Krankenversicherung der Zuschuss zur Brille weggefallen ist, können Sie sich auch ohne Rezept vom Augenarzt direkt beim Optiker eine Brille anpassen lassen. Jeder Optiker wird Ihnen bei Auffälligkeiten einen Besuch beim Augenarzt empfehlen. Viele Augenerkrankungen – wie z. B. der grüne Star – können im Frühstadium nur vom Augenarzt festgestellt werden.

Was kann ich selbst tun?

Ein Test, der bei allen Menschen von null bis 110 Jahren funktioniert, ist das abwechselnde Abdecken eines Auges. Schon Säuglinge zeigen eine unterschiedliche Abwehr, wenn die Augen unterschiedlich gut sehen. Kindern und Erwachsenen wird oft erst bewusst, dass ein Auge schlechter als das andere sieht, wenn das gute Auge abgedeckt wird.

Eine gesunde Lebensweise und vor allem gesunde Ernährung hilft bei der Entwicklung und dem Erhalt eines guten Sehvermögens. Besonders das Rauchen ist für viele Erkrankungen wie die AMD nachweislich ein bedeutender Risikofaktor. Wer raucht, der altert schneller. Glücklicherweise ist Rauchen für immer mehr Jugendliche „uncool“.

Foto: panthermedia/Marin Conic

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