Artikel erschienen am 16.05.2014
E-Paper

Aktiv dabei dank modernster Hörsysteme

Das ist Technik, die Spaß macht – und kaum zu sehen ist

Von Steffi von Siegroth, Braunschweig

Während unsere Uroma ihr Hörgerät noch oft in der Schublade vergessen hat, weil sie mit den Geräten damals auch nicht so wirklich gut hören konnte, werden moderne, gut eingestellte Hörsysteme heutzutage gern getragen. Und die „jung gebliebenen Generationen“ genießen die technischen Vorteile unauffälliger Hörsysteme, die individuell auf das jeweilige Hörvermögen eingestellt werden können. Wer sich für ein Premium-Hörsystem entscheidet, kann sich sogar ganz einfach unterschiedlichsten Geräuschkulissen anpassen. So gelingen gute Gespräche auch wieder in größerer Gesellschaft.

Wie ist das möglich?

Die moderne Hörgeräteforschung hat zum Ziel, technisch hochwertige Hörgeräte zu entwickeln, mit denen Sie Ihrem natürlichen Hören so nah wie möglich kommen. So ist es mit der heutigen Technologie möglich, insbesondere die Sprache auch in lauter Umgebung brillant erkennen und natürlich übertragen zu können.

Premium-Hörgeräte sind außerdem in der Lage, sich untereinander auszutauschen und aufeinander abzustimmen. Diese sogenannte „binaurale
Signalverarbeitung“ ist sehr eng an die natürliche Funktionsweise unseres Gehörs angelehnt und ermöglicht es Ihnen so, selbst in schwierigen Hörsituationen ein gutes Sprachverstehen, eine bessere räumliche Orientierung und ein natürliches, räumliches Hörempfinden zu genießen. Selbst Musik hört sich wieder schön und facettenreich an.

Unsere Ohren schlafen nie – und erbringen ständig Höchstleistungen

Der Hörsinn ist der differenzierteste unserer menschlichen Sinne. Die Ohren nehmen mehr als doppelt so viele Eindrücke auf wie die Augen. Unser Gehör vollbringt dabei wahre Höchstleistungen, um uns die akustische Vielfalt unserer Umwelt „verständlich“ zu vermitteln. Es selektiert aus zahllosen Höreindrücken diejenigen heraus, die in der aktuellen Situation für uns wichtig sind. So kann unser Ohr mehr als 50 Höreindrücke unterscheiden, von denen unser Gehirn viele herausfiltert und nur die wichtigen an die Oberfläche unseres Bewusstseins gelangen lässt. Nur so ist es uns möglich, uns trotz Stimmengewirr oder Sturmbrausen mit anderen Menschen zu unterhalten.

Unsere Ohren haben niemals Zeit, sich auszuruhen. Selbst nachts sind sie aktiv und lassen uns bei ungewohnten Geräuschen hochschrecken – oder beim Weinen unserer kleinen Kinder sofort aufwachen. Doch durch die zunehmende Lärmbelastung und die höher werdende Lebenserwartung kann unser Hörvermögen im Laufe der Zeit nachlassen. Diesen schleichenden Prozess nehmen wir oft selbst gar nicht wahr – und sollten daher dankbar die Hinweise aus Familien- und Freundeskreisen aufnehmen, wenn sie uns sagen: „Du hörst aber wirklich schlecht.“ Doch neben der aktiven Teilnahme an Gesprächen in geselliger Runde sprechen auch andere Faktoren für den rechtzeitigen Einsatz von Hörgeräten.

Eine Schallquelle zu lokalisieren, ist für unsere Orientierung von erheblicher Bedeutung. Wenn wir zum Beispiel ein Warnsignal hören, ist es wichtig zu wissen, aus welcher Richtung es kommt. Da unser Gehör meistens „ungleich“ nachlässt, zerstört eine Schwerhörigkeit dieses Richtungshören. Ein weiterer, wenig bekannter Faktor: Unser Gehirn benötigt vielfältige Aufgaben, um auch im Alter aktiv zu bleiben. Bleiben z. B. Signale von unseren Ohren vermehrt aus, wird unser Gehirn träge – und das wirkt sich auch auf die Gehirnbereiche aus, die nicht direkt betroffen sind. Gehirnjogging durch gut angepasste Hörsysteme ist so „ganz nebenbei“ gemacht.

Maßgeschneidertes Hören dank individueller Einstellung auf Ihre Hörkurve

Die heutige digitale Signalverarbeitung ermöglicht eine präzise Abstimmung auf die individuellen Hörbedürfnisse des Hörgeräteträgers. Die spezifische Hörkurve wird präzise ausgemessen und in Ihrem Hörgerät hinterlegt. Beim Tragen erstellt das System bis zu 32 000-mal pro Sekunde ein akustisches Abbild der aktuellen Hörumgebung und stellt sich danach automatisch auf Ihr individuelles Hörvermögen ein – maßgeschneidert.

Natürliches Hören und klares Sprachverstehen

Doch moderne Hörgeräte können heutzutage mehr, als nur Schallsignale verstärken. Sie können mit ihnen einen natürlichen Klang und eine brillante Sprachverständlichkeit in unterschiedlichsten Kommunikationssituationen erleben. Im Café, auf der Familienfeier, im Job, auf einem Seminar, am Telefon oder im persönlichen Gespräch: Sie fühlen sich wieder „ganz dabei“ und nehmen auch die feinen Nuancen, die Höhen und Tiefen in unserer Sprache wieder wahr.

Hochentwickelte Hörsysteme lassen sich sogar kabellos mit dem Fernseher, der Stereoanlage oder dem Telefon verbinden. Um weiterhin aktiv und mit Freude am kommunikativen Alltag teilnehmen zu können, entscheiden sich daher immer mehr Menschen frühzeitig dafür, passende Hörsysteme zu tragen. Auch im Design sind heutige Hörgeräte am Puls der Zeit und mit ihren Vorgängern nicht mehr vergleichbar.

„Technikunterstütztes“ Hören fast unsichtbar

Die aktuellen Hörgeräte sind klein und so leicht, dass sie kaum bemerkt werden. Die Gehäuse der „Hinter-dem-Ohr-Geräte“ verschwinden fast vollständig hinter der Ohrmuschel. Nur noch ein dünner Schlauch führt in den Gehörgang und unsere Gesprächspartner sehen diesen nur selten. „Im-Ohr-Geräte“ können komplett im Gehörgang verschwinden und sind nur bei ganz genauem Hinschauen erkennbar.

Ähnliche Artikel

Gesundheit

Psychosoziale Folgen der Hörminderung

Hörverluste können schwere seelische und psychosoziale Folgen nach sich ziehen. Für Guthörende ist die Schwerhörigkeit kaum vorstellbar. Durch das Hören ist unsere räumliche Orientierung sicherer; und es ist eine entscheidende Voraussetzung für Kommunikation und emotionale und soziale Beziehungsgestaltung.

Braunschweig 2014 | Dr. med. Mohammad-Zoalfikar Hasan, Königslutter am Elm

Gesundheit

Risikofaktor Schwerhörigkeit

Wie kommt es zu Schwerhörigkeit? Als Risikofaktor gilt vor allem Lärmbelastung, aber auch Rauchen, Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte und Diabetes werden diskutiert. Auch bestimmte Medikamente, mit denen oft Krebspatienten behandelt werden, können Schwerhörigkeit verursachen.

Braunschweig 2017/2018 | Sylke Posimski, Braunschweig | Andreas Posimski, Braunschweig