Artikel erschienen am 19.05.2014
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Adipositaschirurgie

Operative Therapiemöglichkeiten bei starkem Übergewicht

Von Dr. med. Hinrich Köhler, Braunschweig

Wenn das Übergewicht so groß ist, dass das eigene Gewicht zur lebensbedrohlichen Last wird, nützen Diäten oder Sport nur noch wenig. Ein chirurgischer Eingriff, z. B. in einem zertifizierten Zentrum für Adipositaschirurgie, kann dagegen helfen, das lang ersehnte Ergebnis herzustellen und dem Betroffenen wieder neue Lebensqualität zu geben.

Seit durch mini­mal­invasive Operations­techniken ein großer Bauch­schnitt nicht mehr erforderlich war, kam es weltweit zu einem enormen Anstieg der Adipositas­chirurgie. Über mehrere Mini­schnitte kann man den Magen so verändern, dass nur noch kleine Portionen gegessen werden können und ein Sättigungs­gefühl erzeugt wird. Der quälende Heißhunger ist vorbei. Eine drastische und anhaltende Gewichts­reduktion über 1–2 Jahre wird erreicht.

In Deutschland leiden circa 2 % der Bevölkerung an krankhaftem Übergewicht, d. h. einem Bodymass-index über 40 kg/m². Dieses starke Übergewicht führt durch ein hohes Risiko für die Entstehung von Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebsleiden etc. zu einer drastischen Erhöhung der Sterblichkeit. Durch eine Magenverkleinerung bilden sich diese Folgeerkran-kungen zurück, die Lebenserwartung und vor allem die Lebensfreude steigen nachweislich.

Magenband

Neben dem Magenband, welches eine Einengung des Mageneingangs bewirkt, hat sich nicht nur in Deutschland, sondern weltweit der Magenbypass als häufigste adipositaschirurgische Operation durchgesetzt. Bei dieser Methode wird ein kleiner Vormagen gebildet, der direkt mit dem mittleren Teil des Dünndarms verbunden wird. Der größte Teil des Magens und der erste Teil des Dünndarms werden umgangen; so wird einerseits die Menge der Nahrungsaufnahme reduziert und zusätzlich kommt es zu einer Mangelverdauung. Die Nahrung wird nicht vollständig vom Körper aufgenommen. Vor allem fetthaltige Nahrung wird vermindert absorbiert. Zuckerhaltige Nahrung kann in größeren Mengen unangenehme Empfindungen wie Schweißausbruch und Übelkeit auslösen. Durch den Magenbypass wird das Übergewicht stark reduziert. Bereits nach einer kleinen Mahlzeit tritt ein ausgeprägtes Sättigungsgefühl ein.

Magenbypass

Durchschnittlich ist in den ersten zwei Jahren mit einem Gewichtsverlust von 70 % des Übergewichts zu rechnen. Danach stabilisiert sich das Gewicht. Ein Nebeneffekt dieser Operation ist, dass sich Diabetes mellitus sowie Bluthochdruck und Schlafapnoe-Syndrom sehr schnell vollständig zurückbilden. Insulin ist nach einer solchen Operation in der Regel nicht mehr erforderlich.

Eine weitere Operation, die Schlauchmagenbildung, hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Auch hierbei kommt es zu einer drastischen Gewichtsreduktion. Der Gewichtsverlust erscheint bei dieser Operation nahezu genauso effektiv wie nach einer Magenbypass-Anlage.

Schlauchmagen

Bei allen drei Methoden ist eine lebenslange Ergänzung der Nahrung mit Vitaminen, Calcium und Spurenelementen erforderlich. Es bedarf einer langfristigen Ernährungsumstellung hinsichtlich einer fett- und zuckerarmen, aber eiweißreichen Ernährung. Weiterhin ist bei allen drei vorgestellten Methoden eine jährliche Nachsorge in der behandelnden Klinik notwendig.

Bild: Panthermedia/Nupix

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